Als Kanzlerin der deutschen Botschaft in den Vereinigten Ararbischen Emiraten sorgt sie dafür, dass in der Botschaft alles reibungslos läuft. Foto: Familie Grote

Alle paar Jahre Koffer packen und in ein anderes Land: Das gehört mit zur Arbeit von Imke Grote, die derzeit in der deutschen Botschaft in Abu Dhabi tätig ist. Schekker-Autorin Ruth über das Leben und die Arbeit einer deutschen Diplomatin.

Am andere Ende der Leitung knistert es, das verwundert auch nicht bei etwa 4600 Kilometern Entfernung zwischen Berlin und Abu Dhabi. Es ist gar nicht so leicht, sich mit einer Diplomatin zum Interview zu verabreden, ihr Terminkalender lässt nicht viele Lücken. Aber schließlich erreicht mich über Skype der erhoffte Anruf aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Am anderen Ende der „Leitung“ sitzt Imke Grote, 43, sie ist Kanzlerin, das heißt, die Verwaltungsleiterin in der Deutschen Botschaft in Abu Dhabi.

„Weltweitwir“ – so lautet der Slogan einer Informationsbroschüre zu Karrieremöglichkeiten im Auswärtigen Amt (AA). Übertrieben ist das nicht: Die Mitarbeiter des AA arbeiten in einer der weltweit rund 230 Auslandsvertretungen oder in der Zentrale in Berlin. Ebenso vielfältig wie die Einsatzorte sind die Aufgabenfelder: Im gehobenen Auswärtigen Dienst arbeitet man auf den Gebieten Rechts- und Konsularwesen, regelt den Geschäftsablauf einer Auslandsvertretung oder ist mit für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Mein derzeitiger Job hat weniger mit Außenwirkung, also mit politischen oder wirtschaftlichen Beziehungen zu tun.“, berichtet die Diplomatin und Mutter zweier Töchter. Sie sorge vielmehr dafür, dass in der Botschaft alles reibungslos ablaufe.

Der Alltag sei dem einer Behörde in Deutschland sehr ähnlich, auch die Urlaubszeiten seien meist gleich. Allerdings ist der Sonntag ein normaler Arbeitstag, weil das arabische Wochenende von Freitag bis Samstag geht.

In andere Kulturen eintauchen

„Das ist das Tolle an einem Job im Auswärtigen Amt: Dass man die Chance hat, mit vielen anderen Kulturen zu arbeiten und in sie einzutauchen.“, erzählt Imke Grote. Vor Abu Dhabi hat war sie schon in Moskau und Tokio eingesetzt, dazwischen lagen Stationen in Bonn und Berlin. „Jeder meiner Auslandsdienstposten hatte eine völlig andere Kultur, Religion, Sprache und Schrift.“

Wenn sie aus dem Fenster der Deutschen Botschaft in der Abu Dhabi Mall, einem modernen Hochhaus, schaut, hat sie einen Blick über die gesamte Stadt. Die Botschaft ist aber nicht so prunkvoll, wie man sie sich vielleicht vorstellen könnte: „Wir haben keine goldenen Kronleuchter oder ähnliches, wir haben normalen Büroalltag“, so Grote.


Abu Dhabi ist ein angenehmer Posten, da Grotes Kinder in einer wirklich multikulturellen Gesellschaft aufwachsen können. Foto: Michelle Gustafsson Lindqvist / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by-nd)

Schon in der Schule war Imke Grote klar: Sie wollte später in ihrem Beruf reisen. Und so ging es für sie direkt nach dem Abitur ins Auswärtige Amt. Am Anfang stand ein dreijähriges, sehr umfassendes Fachhochschulstudium an der Akademie Auswärtiger Dienst mit viel Theorie und Praxisphasen im Ausland. Wer hier studiert, ist vom ersten Tag an Beamter und bezieht ein Anwärtergehalt. Anders läuft es für diejenigen, die sich für den höheren Auswärtigen Dienst interessieren. Sie können sich erst nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium bewerben. Imke Grote sieht sich im gehobenen Dienst aber genau richtig aufgehoben: „Mehr praktische, als analytische Tätigkeit.“

„Der Job ist stressig“

Die Arbeit im Auswärtigen Amt bringt allerdings auch Schwierigkeiten mit sich: „Der Job ist stressig: zum einen die tägliche Arbeit, die sehr anstrengend sein kann, zum anderen die häufigen Umzüge alle drei bis vier Jahre. Für die Familie heißt das, sich jedes Mal auf eine neue Lebenssituation einzustellen.“ Grote gewinnt der Situation aber auch Positives ab: „Das macht aber auch den Reiz aus, es kann positiver Stress sein.“

Für die Partner der Diplomaten bedeutet dies aber zumeist, die eigene Karriere hinten anzustellen. Imke Grote hatte das Glück, ihren Partner im Auswärtigen Amt zu finden. Dann lassen sich Familie und Beruf schon eher vereinbaren. Abu Dhabi sei ein angenehmer Posten, erläutert sie. Die Kinder können in einer wirklich multikulturellen Gesellschaft aufwachsen. Frauen seien in den VAE akzeptiert und müssten kein Kopftuch tragen.

Religiöse Toleranz und eine friedliche Umgebung sind aber nicht in jedem Einsatzland selbstverständlich. Deshalb gibt es im AA das Prinzip des „burden sharing“ – die verschiedenen Kollegen teilen sich sozusagen die Lasten, indem sie von „guten“ Posten, beispielsweise in Westeuropa, zu Posten mit schwierigeren Lebensbedingungen, z.B. nach Afrika, wechseln. Alle drei bis fünf Jahre zieht ein deutscher Diplomat um, und das AA ist bemüht dann, alle Mitarbeiter wunschgerecht einzusetzen.

Kontaktfreude, Sinn für Teamarbeit, Belastbarkeit


Für die Familie bedeuten die häufigen Ortswechsel, sich jedes Mal auf eine neue Lebenssituation einzustellen. Foto: Familie Grote

Auf der Website des AA werden klare Anforderungen an die Bewerber gestellt, dazu zählen Kontaktfreude, Sinn für Teamarbeit und Belastbarkeit. Wer sich im Auswahlverfahren bewiesen hat, muss sich darauf gefasst machen, Deutschland nach der Ausbildung zu verlassen. „Aber wenn sich die Familie an einem Ort wohl fühlt, wird dieser zu unserem Zuhause. Wir bringen ja auch all unsere persönlichen Sachen mit.“, meint Imke Grote.

Außerdem erwartet die Anwärter eine abwechslungsreiche Tätigkeit, die sie alle möglichen Menschen, vom Bundespräsidenten über Minister des Gastlandes bis hin zu normalen Bürgerinnen und Bürgern kennenlernen lässt. Als Elite empfindet sich Grote dabei nicht. „Es wird nur sehr viel von uns gefordert, wir müssen uns auf viele neue Situationen einstellen.“ Eine ganz normale, hart arbeitende Beschäftigte einer Bundesbehörde – so würde sie sich eher nennen.

Fußball-Weltmeisterschaft als Highlight

Ein Highlight ihrer Karriere verrät sie schließlich: In ihre Zeit in Tokio fiel 2002 das Endspiel der Fußball-WM, und ihre Aufgabe war es, den Besuch des Bundespräsidenten und anderer hochgestellter Persönlichkeiten zu organisieren. „Wir haben es geschafft und alle waren hinterher super stolz. Nur leider hat Deutschland das Endspiel verloren, aber ansonsten war es eine tolle Zeit!“

Frau Grotes Fazit ist klar, heiter und entschlossen sagt sie: „Ich habe einen der tollsten Berufe der Welt. Mir macht das richtig viel Spaß, die vielen Aufgaben, die Möglichkeit, andere Länder, Kulturen und Menschen kennenzulernen. Eine tolle Herausforderung.“

Kommentare

Genialer Artikel! Viele Grüße…
Wie lange habe ich auf so einen Artikel gewartet? Vielen Dank dafür. Ich fühle mich in meiner Entscheidung bestärkt.

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