… suchten Ruhullahs Eltern, der mit 13 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist. Wie er es bis in die Oberstufe geschafft hat und was er von Integration hält, erzählt er hier.
Vokabeln waren nie ein Problem für mich. Eigentlich waren mir die Fremdwörter sowieso am liebsten, die haben mich fasziniert. Schwierig finde ich dagegen bis heute die vier Fälle. Artikel sind so unwichtige Wörter, wie soll man denen nur Bedeutung beimessen?
Als ich vor fünf Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, konnte ich kaum Deutsch. Heute spreche ich neben Türkisch und Kurdisch auch Englisch und ein bisschen Französisch. Und fließend Deutsch natürlich. Denn mein Vater legt sehr viel Wert auf Bildung. Gleich nach unserer Ankunft hier hat er zwei ehrenamtliche Lehrerinnen organisiert, die mir Vokabeln und Grammatik beigebracht haben. Als ich dann zum ersten Mal in die Schule gegangen bin, konnte ich mich schon etwas ausdrücken.
In ein Land mit Freiheit und Menschenwürde
… wollte mein Vater. Das haben wir in Deutschland gefunden. Dass ich dann auch die Sprache lernen musste, war für mich ganz klar. Auch auf dem Pausenhof. Oft werden dort nämlich Türkisch und Deutsch beim Sprechen vermischt, daran gewöhnen sich die Kinder und können dann auch im Unterricht kein sauberes Deutsch mehr sprechen. Deshalb haben wir am Anfang auch daheim nur noch Deutsch geredet. Damit wir lernen, Deutsch zu denken.
Dayana kam mit vier Jahren aus Russland nach Deutschland. Wie es ihr hier gefällt und ob sie sich eingelebt hat, lest ihr hier…
Ich besuche eine deutsche Moschee. Manche Gebete dort sind zwar auf Arabisch, der Großteil ist aber Deutsch. Ich finde, das ist eine gute Sache. So wird auch in der älteren Generation das Deutsch-Lernen noch gefördert. Und die Religion bleibt ja die gleiche.
Deutsche Freunde, türkische Nachmittage
Ich habe fast nur deutsche Freunde. Unter denen stoße ich auf sehr viel Interesse gegenüber meiner Religion und Kultur. Viele fragen nach. Genauso interessiere ich mich auch für ihren Glauben. Ich finde, es ist etwas sehr Schönes, dass man seine Interessen und Vorstellungen miteinander teilen kann. In der Schule werde ich nicht anders behandelt als alle anderen auch. Wenn ich mein Abitur habe, möchte ich Lehrer für Mathe und Sport werden. Dann kann ich meine eigenen Erfahrungen an Schüler mit Migrationshintergrund weitergeben.
Meine Nachmittage verlaufen etwas anders als die von Deutschen. Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie und mit meinen kleinen Geschwistern, das ist wichtig für mich. Außerdem treibe ich Sport und versuche, fünf mal am Tag zu beten. Das klappt nicht immer, vor allem zurzeit nicht so sehr wegen der Schule, aber ich versuche es. Meine Religion ist das Wichtigste, was ich besitze. Wenn ich mich von meiner Religion abwende, spüre ich das sofort. Sobald eine Stunde ausfällt, versuche ich deshalb, Zeit zum Beten zu finden. Viele vergessen ihre Religion, wenn sie nach Deutschland kommen. Das ist schade.
Das Integrationsproblem löst Salem Aleikum
Die Integration von Ausländern kann meiner Meinung nach durch Sprachkurse und pädagogische Unterstützung gefördert werden. Den Jugendlichen muss man dabei helfen, sich hier als Teil des Ganzen zu fühlen, aber auch ihren Ursprung und ihre Vergangenheit nicht zu vergessen. Ich bin zum Beispiel in einer Jugendgruppe, in der wir über Integration reden. Wir versuchen, möglichst viele junge Migranten einzuladen. Da sprechen wir auch über unsere Religion. Eine der wichtigsten Aufgaben eines Muslims ist es doch, Frieden weiterzugeben. Im Wort und in der Tat. Der Gruß „Salem Aleikum“ bedeutet übersetzt so viel wie „Von mir kommt zu dir kein Schaden“. Wenn man das verinnerlicht, wenn man überhaupt mal darüber nachdenkt, und danach lebt, kann es doch eigentlich gar keine Probleme mehr geben. Dann gäbe es immer Frieden.


Neuen Kommentar schreiben