Ob im Altenheim, bei der freiwilligen Feuerwehr, in der Schule oder im Sportverein: Die Möglichkeiten, sich sozial und unentgeltlich zu engagieren, sind fast unbegrenzt.
Auch wenn manche für ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ und andere Tätigkeiten ein kleines Taschengeld erhalten, setzt sich der Großteil der 23 Millionen Ehrenamtlichen in Deutschland ein, ohne einen Cent zu verdienen. So wie die beiden 17-jährigen Schülerinnen Lisa Betlejewski und Wasiliki Kirezoglou.
„Über Engagement muss mehr gesprochen, Vorbilder und gute Beispiele müssen gezeigt und stärker wertgeschätzt werden“, forderte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zum Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember 2008. Lisa kann aus eigenen Erfahrungen berichten: „Als Schüler bekommst du erstmals die Möglichkeit, den Schulalltag und das Schulleben mitzugestalten und etwas zu bewegen. Ehrenamtliches Engagement macht das Zusammenleben einfacher, spannender und facettenreicher.“ In der vierten Klasse war Lisa das erste Mal Klassensprecherin, in der elften Klasse Schulsprecherin. „Die Frage war für mich: ‘Schaffe ich so etwas?’ Schülersprecher zu sein, bedeutet viel Arbeit und du musst sehr gut organisieren können. Das hat meinen Ehrgeiz geweckt.“
Jugendliche: Engagement ist angesagt
Soziales Engagement ist Trend unter Jugendlichen: Das Bundesfamilienministerium veröffentlichte eine aktuelle Studie, aus der hervorgeht, dass 37 Prozent aller 14- bis 24-Jährigen sich ehrenamtlich engagieren, bei den über 24-Jährigen sind es 33 Prozent. Zusätzlich zu den bereits engagierten Jugendlichen können sich weitere 43 Prozent vorstellen, künftig ehrenamtlich zu arbeiten.
Auch wenn bei manchen das politische Interesse gering ist, gehört der Einsatz für die Gesellschaft und für andere Menschen ganz selbstverständlich zum persönlichen Lebensstil. Dies ist das Ergebnis der 15. Shell-Jugendstudie, für die mehr als 2.500 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt wurden. Am wichtigsten ist Jugendlichen der Einsatz für ihre Altersgenossen, etwa bei der Freizeitgestaltung, dicht gefolgt vom Engagement für sozial schwache und benachteiligte Menschen.
Außerdem hat die Shell-Studie herausgefunden: Je höher das Bildungsniveau und die soziale Schicht, desto intensiver ist das gesellschaftliche Engagement der Jugendlichen. Dabei spielen weniger ideelle Werte eine Rolle als vielmehr die persönliche Befriedigung. Die meisten Jugendlichen verbinden mit ihrem Engagement Spaß. Auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 5 (sehr wichtig) stuften Jugendliche den Spaß beim Ehrenamt auf 4,5 ein.
„Man sollte erst einmal klein anfangen. Man muss ja nicht gleich Schülersprecher werden. Wenn man verschiedene Sachen einfach mal ausprobiert, zum Beispiel in Arbeitskreisen der Schule mitmacht, entdeckt man den Spaß dabei, etwas verändern zu können, und stärkt sein Selbstvertrauen“. So motiviert Lisa ihre Mitschüler. Die Möglichkeiten, sich an Lisas Schule zu engagieren, sind tatsächlich groß: Umwelt-AG, Schulsanitätsdienst und Schülerzeitung sind nur einige der Arbeitsgruppen.
Engagement: Bringt Pluspunkte bei der Bewerbung
Ehrenamtliche Tätigkeiten sind zwar im Idealfall uneigennützig, eine Studie des Hochschul-Informations-Systems „HIS“ jedoch zeigt, dass 60 Prozent der Studenten davon ausgehen, gesellschaftliches Engagement habe Vorteile für ihr späteres Berufsleben. Laut einer Umfrage des Internetportals „karriere.de“ verfolgen knapp die Hälfte aller Befragten mit einem Ehrenamt vor allem ihre eigenen Interessen.
In anderen Ländern sieht das ähnlich aus: „In Amerika sind junge Leute sehr engagiert, meistens weil es bei den Colleges gut ankommt, wenn du dich sozial einsetzt“, meint Wasiliki Kirezoglou, eine 17-jährige Schülerin aus den USA. „Ich bin Vorsitzende eines sozialen Clubs in meiner Schule. Wir backen Kuchen oder führen andere Aktionen durch und spenden anschließend unsere Einnahmen an Hilfsprojekte und Wohltätigkeitsorganisationen.“ Schülersprecherin Lisa sieht das anders: „Engagement ist eine neue Erfahrung, nicht bloß Lückenfüller oder Pluspunkt im Lebenslauf.“
Anerkennung: Auch Unternehmen und Staat arbeiten für den guten Zweck
Unternehmen können die ehrenamtliche Arbeit ihrer Mitarbeiter damit unterstützen, dass sie ihnen zum Beispiel einen Teil der Arbeitszeit für das Ehrenamt zur Verfügung stellen. Andere Firmen sammeln selber [no-glossary]Geld[/no-glossary] für gute Zwecke und rufen Sozial- oder Umweltprojekte ins Leben. Dies hat auch den Hintergrund, dass Unternehmen so Werbung in eigener Sache machen können.
Auch die Bundesregierung hat den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen von ehrenamtlicher Arbeit erkannt. Für Ehrenamtler gibt es sogar „Erleichterungen der steuerlichen Rahmenbedingungen“. Sie können für ein gemeinnütziges Engagement einen jährlichen Steuerfreibetrag von 500 Euro beanspruchen. Außerdem wurden zahlreiche Initiativen gegründet, um die Bürger für soziales Handeln zu begeistern. So fördert die Bundesregierung zum Beispiel die Gründung der Internetseite www.das-buergernetz.de, auf der sich Engagierte austauschen und vernetzen können. Und auch Ursula von der Leyen stellt fest: „Freiwilliges Engagement ist ein wichtiges Zeichen gelebter Solidarität mit den Schwächeren der Gesellschaft. Damit möglichst viele Menschen aktiv werden und bleiben, müssen zwei Voraussetzungen stimmen: Freiwilliges Engagement muss Spaß machen, sonst kommt niemand. Und andere müssen die Leistung anerkennen, sonst bleibt keiner bei der Stange.“


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