Wenn in den Medien erfolgreiche Trainer und Sportler gelobt werden, bleibt einer oft im Hintergrund – der Psychologe, der häufig hinter dem Erfolg steckt. Wie ein Psychologe von Spitzensportlern arbeitet, erfuhr Schekker-Autorin Constanze Hahn vom Sportpsychologen Dr. habil. Rolf Frester.
Es ist eine einladende Atmosphäre, die im Arbeitszimmer von Rolf Frester herrscht: Weiße Wände, eine helle Holzschrankwand, zwei Schreibtische, eine gemütliche Couchgarnitur und der Blick auf einen mit Geranien bepflanzten Balkon geben dem Raum etwas Friedliches.
Freister lebt und arbeitet in Leipzig, wo er nach Jahren am Institut für Angewandte Trainingswissenschaften nun als freischaffender Sportpsychologe Leistungssportler des hiesigen Olympia-Stützpunktes sowie die U20-Judo-Nachwuchssportlerinnen betreut. Außerdem bildet er Trainer fort, hält Vorlesungen und veröffentlicht regelmäßig Fachbücher. Ein „Traumberuf“, wie Frester sagt.
Mentale Stärke entscheidet Wettkämpfe
Besonders die Wettkampfvorbereitungen mit den Sportlern begeistern den Leipziger: „Wenn ich mit den Sportlern arbeite, vermittle ich ihnen als angewandter Psychologe Übungsformen, mit denen sie sich psychisch stabiler machen können“, beschreibt Frester seine Arbeit.
Zunächst macht er die Sportler mit mentalen Übungen und Regenerationsmaßnahmen vertraut. Am Ende werden die Übungen in den praktischen Trainingsprozess eingearbeitet. „Ein Beispiel: Ein Speerwerfer befindet sich in der direkten Wettkampfvorbereitung. Vor dem eigentlichen Speerwurf platzieren wir in der Aufwärmphase mentale Übungen. Was man auf dem Platz sieht, sind dann eher kurze Konzentrationsphasen oder Übungen, die psychisch auf den großen Moment einstimmen sollen.“, macht Frester deutlich.
Eigene Erfahrung als Hochleistungssportler
Für den sportlichen Erfolg ist neben dem Training von Taktik und Technik zunehmend auch die psychologische Betreuung entscheidend. Foto: captainslack / www.flickr.com, CC-Lizenz (by-nc-sa)
Frester kann sich sehr gut in die Athleten hineinversetzen, die er betreut. Denn er war in den 1960er Jahren selbst Profi-Weitspringer, bevor er Psychologie studierte und sich dann zum Sportpsychologen weiterqualifizierte.
Auch heute verläuft der Werdegang eines Sportpsychologen meistens noch so: Durch Fortbildungen und monatelange Kompaktseminare werden aus den Allgemein-Psychologen Sportpsychologen. Die Ausbildung umfasst dabei alle Seiten der angewandten Psychologie. Einige Schwerpunkte sind die Entwicklung der sportlichen Technik, Probleme der psychischen Regeneration oder der mentalen Wettkampfvorbereitung sowie die Mannschaftspsychologie.
„Der Unterschied zu einem allgemeinen Psychologen besteht darin, dass wir Sportpsychologen uns mit gesunden, hochleistungsfähigen Menschen beschäftigen und ihnen helfen, diese Hochleistungsfähigkeit noch weiter auszuprägen. Der Allgemein-Psychologe bzw. Psychotherapeut muss sich dagegen häufig mit psychisch angeschlagenen Menschen beschäftigen und diese auf ihre normale Leistungsfähigkeit bringen“, erklärt Frester.
Sportpsychologen immer wichtiger
Frester betreut unter anderem die U20-Judo-Nationalmannschaft der Frauen – mit großem Erfolg. Foto: Wern L / www.flickr.com, CC-Lizenz (by)
Die Psychologie gewinne im Hochleistungssport weltweit an Bedeutung, da der Druck auf die Sportler in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gewachsen sei, erläutert Frester. Grund sei die angestiegene Leistungsdichte. „Heute können in manchen Disziplinen weltweit zehn oder sogar mehr Menschen Olympiasieger werden. Der Sportler muss also auf den Punkt topfit sein. Das ist heute noch wichtiger als früher, da alles mit viel Geld zusammenhängt“, erklärt Frester. Viele Trainer wollten dann Rezepte für den optimalen Erfolg, was oft eine unwissenschaftliche, überzogene Erwartungshaltung sei, kritisiert er.
Dabei ist der Einfluss von Sportpsychologen auf die Leistung der Athleten von Sportart zu Sportart und auch von Trainingsabschnitt zu Trainingsabschnitt unterschiedlich, so Frester. Genau beziffern ließe sich das nicht. „Ein Sportpsychologe darf einfach nicht zu viel versprechen“, mahnt er.
Arbeiten im Hintergrund
Erzielen „seine“ Sportler dann aber gute Ergebnisse, dann sind deren Erfolge zu einem gewissen Grad auch die von Frester. Allerdings wird dies nur selten von der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen. „Wenn die Athleten richtig gute Leistungen bringen, sind diese auch Ergebnis meiner psychologischen Arbeit. Aber sehr oft bleibt der Psychologe – im Gegensatz zu anderen Beteiligten – ungenannt.“
Dennoch entschädigen die Erfolge für viele Mühen. „Im November 2011 holten in Kapstadt bei den U20-Judo-Weltmeisterschaften drei von mir vor Ort betreute Sportlerinnen eine Silber- und zwei Bronze-Medaillen.“ erzählt Frester. „Da sind mir vor Freude die Tränen gekommen.“


