Zollobersekrtärin Oxana Richter bei einer Präsentation im Jahr 2012
Vor ihrer Stelle als Zollobersekrtärin arbeitete Roxana unter anderem in der Überwachungsgruppe am Flughafen Leipzig/Halle. Foto: privat

Bevor sie in den Urlaub fährt, achtet Oxana Richter genau darauf, was sie alles einpackt. Die Zollobersekretärin hat jahrelang fremde Gepäckstücke kontrolliert, bevor sie in den Pressebereich wechselte. Damals machte sie sogar einen Millionen-Fund.

Zollbeamter? Die haben doch im vereinten Europa ohne Kontrollen an den Grenzen zwischen EU-Ländern gar nichts mehr zu tun, oder? Weit gefehlt. Knapp 40.000 Zollbeamtinnen und –beamte gibt es in Deutschland und ihre Aufgaben sind vielfältig. Die Kontrolle von mitgebrachten Waren aus dem Ausland am Flughafen gehört ebenso dazu wie der Kampf gegen Produktpiraterie oder gegen Schwarzarbeit.

Oxana Richter ist eine der Zollbeamtinnen und –beamten. Vor einem Jahr hat sie die Arbeit an Zollstellen wie dem Flughafen gegen ihren Schreibtisch bei der Pressestelle des Hauptzollamtes Dresden eingetauscht. Der Griff an den Powerknopf ihres Computers ist seitdem morgens das Erste und abends das Letzte, was sie macht. Nach draußen kommt die heute 34-jährige trotzdem noch. Zum Beispiel, wenn sie auf Messen fährt und dort nach geeigneten Nachwuchskräften Ausschau hält.

Zeigt her eure Koffer und Autos

Ihre aktuelle Stelle ist nur eine Station ihrer bisherigen Karriere beim Zoll. Die gebürtige Dresdnerin arbeitete bis zum Sommer 2004 am Grenzübergang Altenberg, wo sie Autos, Waren und Personen kontrollierte, die aus der benachbarten Tschechischen Republik kamen.

Als am 1. Mai 2004 die Grenzen zu Polen und Tschechien offiziell Geschichte waren, wechselte sie nach Leipzig. Dort erledigte sie denselben Job bis auf den Unterschied, dass sie die Autos nicht mehr an der Grenze, sondern im Inland anhielt und kontrollierte.

51 Kilogramm für 3,5 Millionen Euro


Oxana hat als Zollbeamtin schon viel erlebt. Foto: privat

Ihr nächster Posten war der Flughafen Leipzig/Halle. „Das war für mich das Spannendste, was ich in meiner Laufbahn bisher erlebt habe“, verrät sie mir. Am Luftfrachtdrehkreuz, also dem Ort, wo die gesamte Post ankommt und weiterversendet wird, kontrollierte die Zollbeamtin Pakete und Briefe nach Rauschgift. „Es war sehr anstrengend, aus der Flut an Sendungen die Pakete herauszufischen, in denen wir Drogen vermuteten.“

Einmal machte sie dabei einen millionenschweren Fund. In neun Surfbrettern, die gerade aus Chile kamen, fand sie satte 51 Kilogramm Kokain. Damit verhinderte Oxana nicht nur, dass das Rauschgift auf den deutschen Schwarzmarkt kam, sondern hielt umgerechnet 3,5 Millionen Euro in den Händen.

Ohne Waffen geht nichts

Aber wie kam sie eigentlich zum Zoll? Schon als Kind hat sie fasziniert dabei zugesehen, wie Zöllner Autos und Gepäck kontrolliert haben. „Deshalb habe ich mich nach der 10. Klasse auch gleich beim Zoll beworben“, verrät die junge Frau. Außerdem wollte sie einen interessanten und abwechslungsreichen Job erlernen. „Allein schon die Herausforderungen bei den Einstellungskriterien haben mich gereizt“, erzählt Oxana weiter.


Letztes Jahr war Oxana auf der Messe Modell-Hobby-Spiel unterwegs, um über ihre Arbeit zu berichten. Foto: privat.

Denen müssen sich noch heute alle Bewerber stellen. Nach einer schriftlichen und mündlichen Prüfung, gilt es auch noch den Sporttest zu durchlaufen. Wer alles gemeistert hat, auf den wartet eine abwechslungsreiche Ausbildung, die insgesamt zwei Jahre dauert und dual abläuft. Das heißt, dass die Zollbeamten in spe neben reiner Theorie auch praktische Erfahrung sammeln sollen, so auch Oxana. „Ich konnte an vielen Dienststellen ein Praktikum machen“, berichtet die Zollbeamtin. Spannend fand sie, den Umgang mit der Waffe zu lernen: Wie geht man mit einer Waffe um? Aber auch: Wie kann man sich ohne Waffe selber verteidigen?

Allgemein sollte man keine Angst vor Waffen haben, denn die gehören nun mal zum Job. Genauso wie die Dienstkleidung. Wer am Flughafen oder Grenzübergängen das Gepäck der Passagiere oder die Autos der Reisenden kontrolliert, brauche in den Augen der Zollbeamtin viel Fingerspitzengefühl, Verständnis und müsse diplomatisch verhandeln können. „So richtig brenzlig wurde es bei meiner Arbeit bisher nie“, erzählt die erfahrene Zollbeamtin. Sie hat über die Jahre gelernt, rechtzeitig die Situation zu entschärfen und immer die Ruhe zu bewahren.

Jedes Jahr warten Ausbildungsplätze

„Wir sind immer auf der Suche nach jungen interessierten Leuten“, so Oxana weiter. Bewerben könnt ihr euch dieses Jahr bis zum 26. September.

Aber wie machen Zollbeamte eigentlich Urlaub? Als Zöllner wisse man ganz genau, wann man gegen Gesetze verstößt. „Ich achte besonders darauf, was ich in den Koffer packe“, verrät Oxana. Dabei spiele es keine Rolle, ob es in den Urlaub oder wieder zurückgehe.

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