Gemeinsame Aktionen sind wichtig. Foto: Mandy Gnauck

Jungendarbeit. Streetworker. Sozialpädagogen. Schekker Autorin Sophia hat eine junge Frau getroffen, die diese Begriffe mit Leben füllt. Sie sprach mit der 31-jährigen Sozialarbeiterin Mandy über Herzblut und Ernüchterung.

Die 31-jährige Mandy Gnauck ist eine derjenigen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, wenn Familie oder Schule überfordert sind. Seit über 10 Jahren ist sie in der Jugendarbeit aktiv. Zunächst sammelte sie Erfahrungen in ehrenamtlichen Tätigkeiten, Praktika und einem Freiwilligen Sozialen Jahr. Seit 2007 arbeitet sie als Sozialarbeiterin in Jugend-einrichtungen. Sie kennt die Höhen und Tiefen. „Natürlich haben wir einen Bedarf an guter Jugendarbeit. In der Gesellschaft gibt es genug Herausforderungen. Wenn Vati auf Montage ist und Mutti bis 22 Uhr an der Kasse sitzt, kommen selbst die Eltern, die ihren Kindern etwas bieten wollen, an ihre Grenzen“, erzählt sie aus dem Alltag. Die Jugendarbeit dürfe aber nicht erst anfangen, wenn sich bereits Probleme aufgetan haben. „Wir sind keine Feuerwehr“, ergänzt Mandy.

Mandy zog im vergangenen Jahr der Liebe wegen aus Berlin in die sächsische Provinz. Sie vermisst Berlin, das bunte Treiben und ihre Freunde. „Doch der Job bringt immer neue Herausforderungen mit sich. Das ist, was ich daran liebe“, meint Mandy, die nun im sächsischen Burgstädt in einem Jugendclub arbeitet.

Futter fürs Gehirn

Mandy war in jungen Jahren in Gruppen unterwegs, die sie selbst als eher auffällig bezeichnet. „Wir waren bunt, wir waren auch nicht konform und ganz gewiss nicht einfach. Meinen Bezug zur sozialen Arbeit habe ich so das erste Mal über einen Jugendpfarrer bekommen“, erzählt sie aus ihrem Leben als 17-jährige. Dieser Pfarrer hat Jugendliche unterschiedlicher Gesinnung zusammen an einen Tisch geholt und über ein Fotoprojekt mehrere Jahre begleitet. „Hier habe ich das erste Mal erfahren, was es bedeutet, Teil eines Projektes zu sein. Es selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten.“

Deshalb ist es ihr heute wichtig, „ihre“ Jugendlichen in die Entscheidungen mit einzubeziehen. Jugendbeteiligung nennt man das. „Denn“, so Mandy, „eine Jugend, die keinen Bock hat, gibt es nicht.“ Jungen Leuten werde oft die Fähigkeit abgesprochen, Dinge in die Hand zu nehmen. Deshalb sei es so wichtig, sie zu fördern. „Ein Teil meiner Arbeit ist es, ihnen was zum Denken zu geben. Futter für das Gehirn. Sie zu einem Teil der Pläne zu machen“, erzählt Mandy weiter. So wechseln sich Projekte zur Sexualaufklärung, zum Extremismus und internationalem Jugendaustausch mit einem ganz normalen Freizeitangebot im Jungendclub ab.


Die Jungendlichen einbeziehen – darauf legt Mandy wert. Foto: Mandy Gnauck

Ein steiniger Weg

Mit Menschen zusammenzuarbeiten. Etwas bewegen. Veränderungen herbeiführen. Das sind Dinge, die Mandy häufig hört, wenn sie nach den Intentionen fragt, den Beruf zu ergreifen. „Doch nichts davon ist ein Garant dafür, später gut in seinem Job zu sein“, so Mandy über die oftmals zu idealisierten Vorstellungen. Die Arbeit mit Jugendlichen ist unbeständig. „Manchmal funktioniert es einfach nicht. Ich habe ein Jahr lang mit einem Mädel sehr intensiv zusammen gearbeitet. Und dann, durch unglückliche Zufälle, Drogen und Querschläge, war innerhalb von zwei Wochen jegliche Bemühung hinüber.“

Innerlich aufgeräumt muss man sein. Das betont sie immer wieder. Und je mehr ich mich mit Mandy unterhalte, umso nüchterner wird das Bild, das sie mir von der täglichen Arbeit zeichnet. „Irgendwann kommt man vom Studium. Hat einiges erlebt und gelernt, nur um zu erkennen, dass selbst nach Jahren der Erfahrung die Dinge nicht vorhersehbar sind.“

Kleine Fortschritte zählen

Umso wichtiger scheint es, loslassen zu können. Schicksale nicht mit nach Hause zu nehmen. „Wir arbeiten mitunter in schwierigen Verhältnissen. Man braucht Geduld und muss die kleinen Fortschritte schätzen lernen. Und: Nicht nur die Klientel, auch die Strukturen setzen uns Grenzen.“


Kochen bei der 48-Stunden-Aktion. Foto: Mandy Gnauck

Trotz alledem: Jeder Erfolg, jeder Fortschritt, jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung ist ein Highlight in der Arbeit. Nach einem Jahr in Burgstädt fühle sie sich jetzt angekommen. Die Basis für viele Projekte sei gelegt: „Ich schaue positiv in die Zukunft. Ich mag meine Jugendlichen und das Engagement, das sie einbringen.“ Auf deren Initiative wurde im vergangenen Jahr beispielsweise der Jugendclub in einer 48-Stunden-Aktion renoviert, die Laternen der Stadt von Aufklebern gesäubert und ein Clubrat gegründet. „In der Arbeit hat man es mit so unterschiedlichen Aspekten und Charakteren zu tun. Diese Abwechslung macht mir Spaß und ist eine Herausforderung.“

Schlecht bezahlt

Bei aller Liebe zum Beruf, muss man sich der Realität des Arbeitsmarktes stellen. Fakt ist, dass Stellen in der sozialen Arbeit vielfach an Studierte gehen. Und für die Qualifikationen sind die Jobangebote oftmals unterbezahlt. Ein Nettogehalt von plus-minus 1.400 Euro ist die Regel, abhängig vom Tarifvertrag und der Region. Auch sind viele der Stellen in Teilzeit ausgeschrieben, was sich häufig durch den realen Arbeitsaufwand schwer mit einem anderen Job verbinden lässt.

Berufung und Herzblut

Die Frage, was Mandy ihren Jugendlichen mit auf dem Weg geben möchte, fällt ihr sichtlich schwer: „Das kann man nicht pauschal sagen. Dem gewalttätigen Jungen kann ich nicht sagen, im Leben müsse man sich durchsetzen; für das zierliche Mädchen in der Förderschule wäre es hingegen genau das Richtige. Das Leben ist keine Generalprobe. Man kann seine Wege gehen, aber dabei muss man sich immer die Konsequenzen bewusst machen.“

Mandy weiß wovon sie spricht. Es sind keine leeren Floskeln, wenn man sich mit ihr über die Wünsche ihrer Jugendlichen unterhält. Sie ist gewachsen in und an ihrem Beruf, der vielmehr eine Berufung scheint, als ein alltägliches Geldverdienen. „Herzblut. Das muss man haben“, ergänzt sie.

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