Palmen, Sonnenschein und fremde Länder – diese Bilder gehen uns durch den Kopf, wenn wir uns einen Beruf in der Tourismusbranche vorstellen. Doch die Auszubildende Sarah (21) denkt selten an Entspannung, wenn sie hinter der Rezeption im Ferienpark alle Hände voll zu tun hat: Als Kauffrau für Tourismus und Freizeit ist es ihre Aufgabe, anderen Menschen den Urlaub so erholsam wie möglich zu gestalten.
Sarah wollte schon immer gerne mit Menschen arbeiten. Urlaub ist bei den meisten von uns mit positiven Gefühlen verbunden. Das waren Gründe, warum sich die Fachabiturientin vor zwei Jahren dazu entschloss, im Tourismus Fuß zu fassen. In einem Reisebüro begann sie zunächst eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau.
„Die Reiseverkehrskauffrau gibt es nicht mehr. Der Beruf wurde 2011 umbenannt“, erklärt Sarah. Aber auch wenn Sarah zunächst die Reisen nach Rhodos oder Mallorca selbst testen durfte, so fehlte ihr im Reisebüro doch die persönliche Bindung zu den Menschen. „Die Kunden kamen oftmals nur, um einen Katalog abzuholen oder sich ein Angebot geben zu lassen“, beklagt die 21-jährige im Nachhinein.
Der Gast ist König
Deshalb schaute sie sich nach anderen Möglichkeiten um und wurde fündig: „Ich hatte Glück und konnte in einem Ferienpark nahtlos im zweiten Lehrjahr weiterarbeiten, und das im gleichen Berufsfeld“, freut sich Sarah. Als Kauffrau für Tourismus und Freizeit, kurz KTF, sorgt sie nun dafür, dass die Urlauber ihren Aufenthalt am Urlaubsort genießen können.
Dabei ist die Rezeption stets der Fokus des Arbeitsalltages: „Das ist nicht nur der Ort zum Ein- und Auschecken, es ist der Mittelpunkt des Geschehens. Die Parkgäste kommen mit Fragen, Wünschen und Problemen hierher“, erklärt sie. Damit die Gäste sich jederzeit willkommen fühlen, lässt Sarah die Arbeit am PC links liegen, und steht bereits lächelnd hinter der langen Theke bereit. Die oberste Prämisse: „Wir warten auf den Gast, nicht der Gast auf uns“.
Ein Job für Multitasking-Talente
Als Kauffrau für Tourismus und Freizeit gehört auch das Planen von Ausflügen zum Berufsbild. Foto: Lisa Jäger
Die meisten KTF arbeiten in Touristeninformationen. Auch im Ferienpark bespricht Sarah mit ihren Gästen zwischen Infowänden und Karten Wanderrouten und Radwege, empfiehlt Restaurants oder berichtet von regionalen Veranstaltungen.
Doch der Rundum-Service innerhalb des Parks ist der entscheidende Unterschied. Meistens reisen die Gäste mittags an. Nach dem Einchecken müssen die Bungalows zugewiesen und alles rund um den Park erklärt und gezeigt werden: Wann Bäcker und Schwimmbad geöffnet sind, wo Minigolf gespielt wird und was der Camper in der freien Natur alles beachten muss. Wenn dann zwischendurch das Telefon für eine neue Buchung klingelt oder der Postbote einen Karton mit Plakaten bringt, muss die Bestellung der Bettwäsche eben einmal hinten angestellt werden.
Nett lächeln und winken!
Eines ist bei der Arbeit im Ferienpark gewiss kein Zuckerschlecken – die saisonalen Arbeitszeiten. „Bei mehr als 2.000 Gästen kommt man im Sommer hinter der vollbesetzten Theke manchmal ganz schön ins Strudeln. Hinzu kommt, dass eine Rezeption den ganzen Tag über geöffnet sein muss. Die Gäste können ja nicht alle um Punkt halb elf auf der Matte stehen. Deshalb gilt: Feiertage und Wochenenden gibt es nicht“, sagt mir Sarah mit einem Augenzwinkern.
Es kommt vor, dass die Auszubildende freitagabends manchmal noch um halb zehn darauf wartet, dass verspätete Gäste eintreffen. Doch das ist schnell vergessen, wenn die Gäste sich am nächsten Tag mit einer Tafel Schokolade bei ihr bedanken, schmunzelt die Auszubildende. Genau diese Dankbarkeit und das positive Feedback weiß sie an ihrem Arbeitsplatz sehr zu schätzen.
Verständigungsprobleme versucht Sarah mit einem Wörterbuch zu überwinden. Foto: Lisa Jäger
Nicht ganz so einfach ist es für Sarah, wenn Gäste kein Deutsch oder Englisch sprechen. Da der Park in Rheinland-Pfalz an der Grenze zur Benelux Region gelegen ist, kommen vor allem Touristen aus dieser Gegend in die Ferienanlage. Die Zahlen „een“, „twee“ oder „drie“ auf niederländisch hatte die angehende Kauffrau für Tourismus und Freizeit direkt im Kopf und nach einem Jahr Ausbildung versteht sie das meiste Gesprochene auch. Doch manchmal muss sie passen. „Manchmal ist es dann schon notwendig, dass die Gäste von jemanden bedient werden, der die Sprache auch fließend spricht. Dann muss ich meine Kollegen zu Hilfe rufen“, bedauert Sarah, „aber was nicht ist, kann ja noch werden!“
Von allem etwas
Derzeit organisiert Sarah gemeinsam mit anderen Auszubildenden ihr erstes Event – ein großes Dinner für Auszubildende. Da sie in der Berufsschule nicht nur Rechnungswesen und Länderkunde lernt, sondern auch Eventmanagement, ist dies die Feuerprobe: Von der Einladung übers Budget bis hin zur Veranstaltung selbst muss alles geplant werden. Schließlich möchte die Auszubildende zeigen, dass sie nicht nur ein Händchen für den ein oder anderen temperamentvollen Gast hat: Sie kennt sich auch bestens in dem regionalen Gastgewerbe aus und wird zu einem Organisationstalent ausgebildet.
Regionaler Tourismus als Steckenpferd
In ihrem weißen Arbeitsshirt fühlt sich die 21-jährige Sarah neben Gästen und Wanderkarten sichtlich wohl. „ Auch wenn die Berufsbezeichnungen Tourismuskauffrau und Kauffrau für Tourismus und Freizeit wegen ihrer Ähnlichkeit oft zu Verwirrung führen, die Arbeit an der Rezeption ist ganz anders als das, was man im Reisebüro macht“, betont sie.
Sie selbst konnte davon profitieren, dass die Region, in der sie lebt, sehr touristisch ausgelegt ist. „Die Anzahl der Ausbildungsplätze hängt natürlich sehr davon ab. Ferienparks und Touristeninformationen gibt es in kleineren Städten nicht wie Sand am Meer“, weiß Sarah. Doch darüber macht sie sich erst einmal keine Gedanken. Die angehende Kauffrau für Tourismus und Freizeit möchte ihrem Beruf und Arbeitsplatz im Park auch nach der Ausbildung treu bleiben, weiterhin gute Laune verbreiten und vielleicht irgendwann ein paar Sprachen mehr beherrschen.



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