Porträtfoto von Gabriel, 24
Gabriel fand nach seinem Weggang aus Venezuela sein privates wie berufliches Glück in Deutschland. Foto: Privat

Gabriel, 24, verließ nach seinem Studium sein Heimatland Venezuela und wollte in Europa Karriere machen. Warum er jetzt in Deutschland lebt und welche Chancen er hier für sich sieht, hat er Schekker-Autorin Julia erklärt.

Venezuela liegt nördlich von Brasilien, direkt am Karibischen Meer. Palmen, Strand, das ganze Jahr sommerliche Temperaturen. Damit wuchs Gabriel auf. Er entspricht ganz dem Bild, das man von einem Südamerikaner hat: mittelgroß, braun gebrannt mit braunen Augen, schwarzen Haaren und immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Aber von guter Laune und schönem Wetter kann man nicht leben. Deswegen packte Gabriel seine Sachen und zog ins 7000 Kilometer entfernte Madrid und später dann weiter nach Bamberg.

Dem jungen Venezolaner gefiel die Situation in seiner Heimat nicht mehr. Die Arbeitslosenquote lag 2010 laut offiziellen Angaben zwar bei sieben Prozent, doch befinden sich nur rund die Hälfte der Beschäftigten in einem regulären Arbeitsverhältnis. Der Rest der Beschäftigten arbeitet im sogenannten informellen Sektor. Für solche Jobs werden meiste keine Qualifikationen verlangt und dementsprechend auch nur gering bezahlt. „Auf den Straßen der Hauptstadt Caracas herrscht Gewalt, in den Häusern Armut und in den Köpfen Ignoranz.“, erklärt der 24-Jährige.

Auswanderung aus Perspektivlosigkeit

Nachdem er Ende 2009 sein Maschinenbaustudium abgeschlossen hatte, fand Gabriel keinen Job. Der Boom, den große Öleinnahmen und staatliche Ausbauprogramme 2004 gebracht hatten, war 2008 vorbei – ein Jahr vor Gabriels Abschluss an der Uni. Auch viele seiner Freunde plagten Zukunftssorgen. Wie sollten sie einen Job finden, wenn es mit der venezolanischen Wirtschaft gerade bergab ging? „Fast alle Absolventen meiner Uni sind gegangen. Viele davon nach Deutschland, Spanien oder in die USA, um dort weiter zu studieren.“

„Ich wollte nach Europa gehen, in welches Land wusste ich nicht. Ich dachte an Deutschland, aber leider konnte ich kein Deutsch und kannte dort auch niemanden.“ Gabriel hätte auch nach Italien gehen können, denn dort lebt ein Teil seiner Familie. Er entschied sich aber für die einfachste Lösung: Spanien. Schon zu Beginn 2009 hatte er für sechs Monate in Madrid gelebt, um ein Projekt für sein Studium zu absolvieren, außerdem lebt dort sein Bruder. Im Sommer 2010 packte Gabriel seine Tasche und zog nach Madrid, wo er gleich Arbeit fand.

Pech mit Jobs, Glück in der Liebe

Straßenszene: Mann trägt Plastiktüte, Frau steht an Hauseingang
Stillstand in Venezuela – nach Ende seines Studiums fand Gabriel keine Arbeit und entschloss sich deshalb, es in Europa zu probieren. Foto: Emelie Lenning / www.jugendfotos.de

Sprachlich war die größte Herausforderung der spanische Akzent, über den er sich gerne lustig macht. „Spanier klingen arrogant. Dabei können sie nicht mal richtig sprechen – sie lispeln doch immer.“ Eben die Stimmung aufgelockert, wird Gabriel wieder ernster: „Nach fünf Monaten war das Projekt, für das ich arbeitete, beendet, ich fand keinen neuen Job mehr und musste von meinen Ersparnissen leben.“

„In dieser Zeit lernte ich Victoria kennen.“, sagt er lächelnd. Sie arbeitete als Au-Pair in Madrid und lernte Gabriel auf einer Hausparty kennen. Das Drama folgte nach wenigen Monaten Beziehung: Victoria musste zurück nach Deutschland und Gabriel blieb ohne Job in Spanien. Nach zwei Monaten zog Gabriel dann zu Victoria nach Bamberg.

Optimistisch in die Zukunft

„Ich hatte schon gehört, dass in Deutschland viele Stellen für Ingenieure frei sind. Trotzdem war ich überrascht, wie schnell ich eine Arbeit gefunden habe. Ich hatte erst eineinhalb Monate Deutsch gelernt und konnte mich nur ganz schlecht ausdrücken.“, berichtet er stolz. „Hier in Deutschland gibt es drei bis vier Mal so viele Jobangebote wie in Venezuela. Außerdem kann ich mich hier beruflich weiterentwickeln.“

Aus Gabriel spricht der pure Optimismus: „Ich möchte bald richtig gut deutsch sprechen. In ein paar Jahren will ich meinen Master in Regenerative Energien machen. Danach will ich mein Italienisch aufbessern und vielleicht noch Französisch lernen. Das fand ich schon immer cool.“ Will er gar nicht mehr zurück nach Venezuela? „Natürlich würde ich gerne. Daheim ist die Situation aber sehr unsicher, es gibt zu viel Armut und Gewalt. In meinem Land muss noch viel getan werden. Ich denke, ich sollte auch etwas dafür tun. Deswegen fühle ich mich manchmal schuldig, dass ich weggegangen bin. Im Moment konzentriere ich mich aber nur auf meine Karriere in Deutschland.“

Kommentare

Sehr gut!!! =)

Neuen Kommentar schreiben

Lie__rbuch: