Ist Ehrenamt gut oder schlecht? Überflüssig oder sinnvoll? Lobenswert oder lächerlich? Diese Fragen sind unnötig, denn Ehrenamt kann nur eines sein: absolut selbstverständlich!
Zunächst sollte man einmal klären was man überhaupt unter dem Begriff des Ehrenamtes versteht. Das Interessante: Es gibt keine allgemeingültige Definition und der Begriff wird im Volksmund langsam aber sicher von der Bezeichnung „freiwilliges Engagement“ abgelöst. Mit Ehrenamt meinen wir also eigentlich freiwilliges Engagement und unter diesem Begriff lässt sich fast alles auflisten: der ehrenamtliche Bürgermeister, die ehrenamtlichen Betreuer von Behinderten und der freiwillige Pommesverkäufer auf der Dorfkirmes. Genau so unterschiedlich, wie die freiwilligen Tätigkeiten, sind die Motive, die dahinter stehen. Dazu gehört beispielsweise die verlockende Aussicht, für ein paar Handgriffe am Grill einen geselligen Abend mit kostenlosem Bier und Fritten zu genießen. Manche erwarten aber auch bessere Jobchancen durch ihr Ehrenamt. Und für einige ist der Wunsch, eine soziale und gerechte Gesellschaft aufzubauen der Antrieb für das Engagement. Doch so unterschiedlich die Möglichkeiten des Engagements auch sind, sie haben drei Gemeinsamkeiten: Sie sind freiwillig, dienen dem Gemeinwohl und sind unentgeltlich.
Denkt man diesen Ansatz weiter und überträgt ihn auf sein eigenes Leben, dann muss man feststellen, dass man sich an ganz vielen Stellen freiwillig engagiert – sogar ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Die besten Beispiele dafür sind kleine Nachbarschaftsdienste, Gefälligkeiten unter Freunden und das Pflegen der Großmutter. Es wäre vollkommener Blödsinn das alljährliche Brutzeln von Bratwürstchen als freiwilliges Engagement in den Himmel zu heben, dafür aber das Versorgen der Oma als Normalität hinzustellen.
Viele werden jetzt merken, dass sie deutlich engagierter sind als sie dachten. Die Gesellschaft ist an vielen Stellen sehr sozial, und das ist auch verdammt gut so! Man stelle sich vor, alle würden eine Gegenleistungen für ihr Engagement verlangen und es damit zur Dienstleistung degradieren. Der Nachbar würde für den Hammer Miete oder die Eltern eine angemessene Bezahlung für die Erziehung verlangen. Unser komplettes gesellschaftliches Leben würde zusammenbrechen, denn die Arbeit, die freiwillig verrichtet wird, könnte niemals von Staat und Wirtschaft kompensiert werden.
Auch die Bundesregierung fördert das freiwillige Engagement, zum Beispiel durch Programme wie den Generationenübergreifenden Freiwilligendienst oder das Projekt „weltwärts“, das Jugendlichen ermöglicht, freiwillig im Ausland zu arbeiten .
Doch trotz allem wird es gerade für Schüler und Studenten schwieriger, sich dauerhaft zu engagieren. In der Schule und im Studium wird den jungen Leuten immer wieder eingetrichtert, dass sie so schnell wie möglich einen festen und gutbezahlten Job brauchen. Die Einführungen von G8 und dem Bachelor-Master-System macht Schülern und Studenten ein Engagement nebenher nicht gerade leichter. Auch beim freiwilligen Engagement gilt, so viel persönlichen Erfolg wie möglich zu erzielen, das Ehrenamt hat dann oft die Funktion den Lebenslauf aufzupolieren. Bestätigen kann das die 15. Shell Jugendstudie.
Jeder wird zu dem Schluss kommen, dass freiwilliges Engagement, sei es für behinderte Menschen oder eine gelungene Dorfkirmes, die Grundlage für unser soziales Zusammenleben ist und sich dadurch alle Fragen nach Nutzen oder Sinn erübrigen. Die einzigen Fragen sind eigentlich, wo und wie man sich engagieren kann.


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