So schön und praktisch das Wohnen im Hotel Mama ist, irgendwann sollte jeder raus in die Welt und seinen eigenen Weg gehen. Damit dein Auszug reibungslos abläuft, hat dir Schekker-Autor Julius hier alles aufgelistet, was du über die ersten Schritte ins eigenständige Leben wissen musst.
Wohnungssuche
Aller Anfang ist die Suche, doch wo beginnen?
Internet: Auf Seiten wie wg-gesucht.de (oft provisionsfrei), immobilienscout24.de (meist Provision!) und zwischenmiete.de findest du Wohnungen aller Art und Lage. Stell dich aber auf eine lange Suche ein, schließlich sucht fast jeder im Netz nach Wohnungen. Gut möglich, dass du nie einen Fuß in deine Wunschwohnung setzen wirst, da sie schon längst wieder vergeben ist.
Zeitung: Klingt altmodisch – ist es auch, dafür aber clever. Immerhin durchforstest du die Zeitung und wirst so auf vielversprechende Anzeigen aufmerksam, während sich alle im Netz herumtreiben und über vergebene Wohnungen ärgern.
Vitamin B: Nutze dein soziales Netzwerk, offline und vor allem online. Einfach auf Facebook all deine Freunde anfragen, ob sie etwas Hilfreiches wissen oder ob sie Freunde haben, die welche kennen, die einen heißen Tipp haben. Damit erreichst du viele Menschen und hast bereits den ersten Kontakt zu deinen möglichen, neuen Mitbewohnern hergestellt.
Immobilienmakler: Zurzeit sieht‘s auf dem Wohnungsmarkt für junge Menschen schlecht aus: In Städten wie Berlin oder Hamburg sind die Wohnungen in den hippen Vierteln längst vergeben oder vollkommen überteuert. Wenn dich der Preis nicht abschreckt, dann ist der Weg zum Makler der richtige. Du sagst ihm, was du für eine Wohnung willst und er sucht Beispielwohnungen heraus und besichtigt sie mit dir. Dafür bekommt er die Provision, welche in der Regel zwei Kaltmieten inklusive Mehrwertsteuer beträgt.
Lexikon der Wohnungssuche
Damit ihr nicht gleich über diese Wörter stolpert: Hier eine kleine Übersetzung des Vermieter-Chinesisch.
Courtage: Ist ein anderer Begriff für Provision. Sie beträgt meist zwei Kaltmieten. Die musst du definitiv bezahlen, wenn du einen Immobilienmakler engagiert hast. Oftmals wird aber auch eine Courtage fällig, wenn du dir selbst eine Wohnung gesucht hast. Im Gegensatz zur Kaution bekommst du die Courtage nicht zurück. Frag also am besten immer nach, ob du mit einer Courtage zu rechnen hast und wie hoch diese ist.
Kaltmiete: Kosten für die Miete der Wohnräume ohne jegliche Nebenkosten. Also Heizung, Strom, Gas und ggf. TV und Internet müssten noch extra bezahlt werden
Kaution: Die Kaution stellt eine Art Pfand dar. Du zahlst vor dem Einzug eine Summe von maximal drei Kaltmieten auf das Konto des Vermieters. Falls du Schaden anrichtest und diesen vor dem Auszug nicht behebst, kann der Vermieter dieses Geld nutzen, um die anfallenden Kosten zu begleichen. Sollte allerdings alles in Ordnung sein, bekommst du die volle Kaution nach dem Auszug wieder zurück.
Makler: Dienstleister, der von dir beauftragt werden kann, eine Wohnung zu suchen. Oft werden auch Wohnungen, die du selbst im Internet gefunden hast, dann doch wieder von Maklern vermittelt. Die Provision musst du bezahlen, selbst wenn du den Makler nicht ausdrücklich beauftragt hast (siehe Courtage).
Parterre (Erdgeschoss): Eine Wohnung, welche auf gleicher Ebene wie der Erdboden drumherum liegt. Besondere Formen sind Souterrain (Wohnung liegt unter dem Erdboden) und Hoch-Parterre (Wohnung liegt über dem Erdboden).
Warmmiete: Kosten für die Miete der Wohnräume plus Nebenkosten.
Wohnformen
Du willst raus in die Welt, aber wie willst du wohnen? Darüber solltest du dir klar werden, bevor die große Suche losgeht.
Wohnheim: Du bist kontaktfreudig und hast eher wenig Anspruch an eine Wohnung? Dann ist ein Wohnheim genau das Richtige für dich. Schließlich wohnen hier auf engem Raum viele junge Menschen zusammen. Die kleinen Einzel- oder Wohngemeinschaften sind meist möbliert, Internet, TV und Strom/Gas schon angeschlossen.
Pro: Du kannst dich auf günstige Mietkosten und den Kontakt mit vielen jungen Menschen freuen.
Contra: Es gibt immer was zu feiern, pass also auf, dass deine Arbeit oder Uni nicht darunter leiden!
Wohngemeinschaft (WG): Die kleine Schwester des Wohnheims bietet meist eine große Wohnung mit überschaubar vielen Mitbewohnern, die zu deinen besten Freunden werden können. Es sei denn ihr könnt euch nicht über Putzpläne oder Ruhezeiten einigen, dann wird aus dem ersten Zuhause schnell ein Albtraum.
Eine WG lebt von Kompromissen – auch beim Abwasch- und Putzplan. Foto: Annette Bouvain, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-NC-ND 2.0)
Pro: Du kannst dich in dein Zimmer zurückziehen oder mit den Mitbewohner feiern, ganz wie du willst. Küche und Bad sind meist schon möbliert, Kosten für Internet und Co. werden mit allen Mitbewohner geteilt.
Contra: Das schöne WG-Leben steht und fällt mit deinen Mitbewohnern – Versteht ihr euch und packt gemeinsam an oder herrscht in eurer WG Kriegszustand?
Eigene Wohnung: Aus dem Hotel Mama in eine eigene Wohnung zu ziehen, gleicht einem kalten Entzug. Du regelst alles selbst, musst selbst den Haushalt schmeißen und bist meistens auf dich allein gestellt.
Pro: Du bist für deine Wohnung verantwortlich – Im Guten wie im Schlechten. Wie du die Wohnung einrichtest, ist ganz deine Sache und laute und unordentliche Mitbewohner vermiesen dir nicht den Tag.
Contra: Nur was für Leute, die gut alleine sein können. Die Miete kann teuer werden, zudem musst du alles komplett neu einrichten.
Wohnung gefunden, also her mit den Schlüsseln
Diese Fragen solltest du dir bei der Wohnungsübergabe auf jeden Fall stellen.
- Sind die Fenster/Türen dicht und lassen sich problemlos öffnen?
- Sind Spuren von Feuchtigkeit oder Schimmel an den Wänden zu sehen?
- Gibt es Schäden auf dem Fußboden?
- Gibt es Sprünge im Waschbecken oder in der Badewanne?
- Wie ist der Zustand der übernommenen Objekte? (z.B. Einbauküche)
- Was zeigt der Strom- und Wasserzähler an?
- Muss ich Mängel dokumentieren? (Fotos schießen und im Übergabeprotokoll vermerken)
- Halte ich alle Schlüssel in meiner Hand?
Tipp am Rande: Unter www.mieterbund.de/download.html kannst du dir ein umfangreiches Übergabeprotokoll herunterladen.
Rechtliches – Gut zu wissen
Bevor man einen Mietvertrag unterschreibt, sollte man ihn den Eltern oder Bekannten zum Durchlesen geben. Die haben oft noch einen guten Rat. Foto: fk-foto, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-NC-SA 2.0)
Mietvertrag: Bloß nicht vom Umfang eines Mietvertrages abschrecken lassen. Lies dir lieber zweimal jeden Punkt genau durch und achtet auf versteckte Klauseln, z.B. überhöhte Kautionsforderungen. Wenn du unsicher bist, frag auf jeden Fall deine Eltern oder Bekannte um Rat, bevor du den Vertrag unterzeichnest.
Mieterhöhung: Kaum eingezogen, schon erhöht dein Vermieter die Miete? Dann solltest du prüfen, ob die Miete im letzten Jahr bereits einmal erhöht wurde und ob in den letzten drei Jahren die Miete bereits über 20 % erhöht wurde. Falls ja, hat dein Vermieter kein Recht auf eine Erhöhung.
Tipp am Rande: Mehr Informationen rund ums Thema Mieten findest du auch auf der Seite des Mieterschutzbundes www.mieterschutzbund.de
Endlich in der neuen Wohnung – und jetzt?
Bevor du dich gemütlich zurücklehnen kannst, musst du noch ein wenig Papierkram erledigen. Hier ist eine Checkliste:
- Du musst dich innerhalb der ersten sieben Tage beim Einwohnermeldeamt ummelden.
- Du musst Strom und Gas bei den Versorgungswerken anmelden.
Tipp am Rande: Unter www.verifox.de kannst du verschiedene Anbieter (Strom, Gas, DSL, Kfz-Versicherung) miteinander vergleichen und den für dich günstigsten Tarif heraussuchen.
- Du musst einen Telefon- und Internetanschluss anmelden.
- Du musst dem Rundfunkbeitragsservice deine neue Adresse mitteilen.
Tipp am Rande: Empfänger von Ausbildungsförderung können vom Rundfunkbeitrag (ehemals GEZ) befreit werden. Dafür musst du einen Antrag auf Befreiung stellen. Mehr Infos bekommst du auf der Seite www.rundfunkbeitrag.de.
Außerdem darfst du nicht vergessen, folgende Stellen über deinen Umzug zu informieren!
- Arbeitgeber
- Ausbildungsstätte/Hochschule
- Mobilfunkanbieter
- Fitnessstudio oder andere Vereine
- Banken/Sparkassen
- Abonnements
- Bafög/Kindergeldstelle
- Kfz-Zulassungsstelle
- Versicherungen



Neuen Kommentar schreiben