Sparkasse, Volksbank, Commerzbank, Deutsche Bank – Geldinstitute gibt es bei uns und dem Rest der Welt massenhaft. Und doch geistert ein spezielles Kreditinstitut durch Tageszeitungen und Fernsehnachrichten: die Weltbank. Was macht diese Bank so besonders? Wofür brauchen wir sie überhaupt? Schekker-Autor Christoph klärt euch über Sinn und Zweck dieser Bank auf.
„Weltbank“ – der Name allein klingt schon beeindruckend nach globaler Dominanz und weltumfassender Zuständigkeit. Man könnte angesichts des Namens meinen, die Weltbank schwebe über herkömmlichen Kreditinstituten.
Auftrag: Wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben
Viele Staaten der Erde, insbesondere die Entwicklungsländer, sind dringend auf die Leistungen der Weltbank angewiesen. Seit ihrer Gründung 1945 tritt diese Sonderorganisation der Vereinten Nationen als Helferin für in Not geratene Staaten auf. Ihr offizieller Name lautet „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“, und ihr Ursprungsauftrag war es, am Wiederaufbau des vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Westeuropa mitzuwirken. Deutschland ist ihr 1952 beigetreten. Als ihre Hilfe hier nicht mehr benötigt wurde, konzentrierte sich die Weltbank zunehmend auf die Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern.
Kredite im Tausch für Reformen
Die World Bank hat ihren Hauptsitz in Washington D.C., weltweit hat sich noch mehr als 100 Büros. Foto: World Bank Photo Collection / www.Flickr.com, CC-Lizenz (by-nc-nd)
Sie greift also hilfsbedürftigen Staaten zum Beispiel finanziell unter die Arme, um diesen Ländern einen Weg aus der Armut zu bahnen. Dies geschieht meistens in Form von langfristigen Krediten, die oft mit günstigen Zinsen versehen sind. So sollen die nationalen Volkswirtschaften wieder in Schwung gebracht werden. Aber es gibt keine Leistung ohne Gegenleistung: Im Gegenzug für die Hilfsgelder verpflichten sich die geförderten Staaten dazu, vorher abgesprochene Reformen im Landesinneren durchzusetzen, um eine möglichst produktive Wirtschaft voranzutreiben. Daher betreibt die Weltbank nicht nur globale Sozialhilfe, sondern gleichzeitig auch ein gutes Stück Entwicklungsarbeit.
Mittlerweile sind bis auf sieben Länder alle Staaten der Erde Mitglied der Weltbank. Jedes Land zahlt einen bestimmten finanziellen Beitrag an die Weltbank, so dass diese über ein erhebliches Budget verfügt, um notleidende Staaten zu unterstützen: So stellte die Weltbank in diesem Jahr beispielsweise 500 Millionen US-Dollar an Hilfsmitteln bereit, um die Hungersnot in Afrika zu lindern. Drei Millionen Lehrerinnen und Lehrer ließ die „International Development Association“ (Weltbank-Fonds für die Ärmsten) ausbilden, 310 Millionen Kinder impfen, 118.000 Kilometer Straßen bauen und verbessern.1 Neuerdings denkt die Institution auch über Hilfszahlungen an schwächelnde Industriestaaten wie Griechenland nach.
Kritik an der Weltbank
Die Weltbank ist an vielen Fronten aktiv. So stellt sie z.B. 500 Millionen US-Dollar an Hilfsmitteln bereit, um die Hungersnot in Afrika zu lindern. Foto: World Bank Photo Collection / www.Flickr.com, CC-Lizenz (by-nc-nd)
Allerdings werden der Idealismus und Entwicklungshilfe-Aktivismus der Weltbank auch kritisch hinterfragt: Viele Nichtregierungsorganisationen sehen in den Hilfsmaßnahmen der Weltbank eher ein Mittel, den Industriestaaten neue Absatzmärkte zu erschließen, als die Entwicklungs- und Schwellenländer nachhaltig zu fördern.
Die hilfsbedürftigen Länder würden durch die Kredite finanziell abhängig von den Geldgebern, so der Vorwurf. Die Industriestaaten könnten die an die Kredite gekoppelten Reformen dann in eine für sie willkommene Richtung lenken – zum Beispiel indem sie auf eine Liberalisierung der Märkte drängen, auf denen sie dann ihre Produkte anbieten können. Das Eigeninteresse der Industriestaaten, so der Vorwurf, scheine hier manchem der größere Motivator zu sein, als zwischenmenschliche globale Mildtätigkeit.
Diese Ansicht teilt die Weltbank nicht. Immerhin gelte bei den Entscheidungen innerhalb der Weltbank ein ausgeglichenes Abstimmungsverhältnis: Zur einen Hälfte bestimmen Industriestaaten über die finanziellen Ausgaben, zur anderen die teilnehmenden Entwicklungsstaaten, die laut der Weltbank auch ihre Projekte selbst planen und in Angriff nehmen: „Die Hoheit hat das betreffende Land“.


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