Verhilft eine Frauenquote den Frauen zu mehr Gleichberichtigung und Karrierechancen? David sagt ja, Sabine hält dagegen. Eine Pro-Kontra-Debatte.

David: Pro

Zwar gibt es immer mehr Frauen in Führungspositionen, aber trotzdem bleiben diese zum großen Teil fest in Männerhand. Dass eine Kanzlerin das Land regiert, ist die prominente Ausnahme. Eine Vielzahl qualifizierter Frauen wird noch nicht eingesetzt. Viele fühlen sich im Kampf auf der Karriereleiter und als oftmals einzige Frau ganz einfach unsicher. Oft werden Frauen nicht in Führungspositionen eingesetzt, weil sie wegen Schwangerschaft ausfallen könnten oder es ihnen ihre Arbeitgeber einfach nicht zutrauen.

Frauen verdienen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer, bei gleicher formaler Qualifikation zwölf Prozent. 64 Prozent aller Frauen sind erwerbstätig, der größte Teil davon besteht aus Niedrigverdienerinnen und ein Drittel von ihnen arbeitet in Teilzeit.

Durch den Fachkräftemangel, der sich in Zukunft verschärfen wird, müssen die Arbeitgeber schon aus reinem Eigeninteresse Frauen einstellen. Und Frauen müssen das Gefühl haben, dass sich eine hohe Qualifikation für sie lohnt.

Viele Frauen möchten ganz nach oben und haben auch das Zeug dazu. Sie wissen jedoch nicht so recht, wie sie es dorthin schaffen sollen. Eine Frauenquote würde effizient helfen, das Ungleichgewicht zu reduzieren. Durch die Regelung würden alte Denkmuster durchbrochen und dadurch mehr Gerechtigkeit geschaffen.

Sabine: Contra

Ist das die Rache der Frauenbewegung? Wer eine Frauenquote fordert und meint, damit lösen sich Probleme um gleiche Lohnzahlung, Büroklima oder Gleichberechtigung in Luft auf, der täuscht sich. Generell denke ich: Wer ganz nach oben will, der erreicht die Top-Position. Es braucht nur Engagement, Initiative und Selbstbewusstsein – das sagt jeder Karriereführer. Will eine Frau den Managerposten mit Herz und Seele, wird sie alles dafür geben und sich am Ende durchsetzen.

Argumente wie Gleichberechtigung sind ohnehin nur vorgeschoben: Eine Quote benachteiligt das männliche Geschlecht. Voilà, da haben wir den umgekehrten Fall und fordern sogleich eine Männerquote. Alles ganz großer Humbug. Wir Frauen werden sowieso immer mehr im Glauben gelassen, wir würden nur mit einem Gesetz die Karriereleiter hinaufklettern. Irgendwann ist man(n) davon wirklich überzeugt und frau setzt sich kaum für die eigenen Stärken, wie Teamfähigkeit oder Multitasking ein. Nebenbei hat wohl keine moderne Frau Lust, sich als „Quotenfrau“ beschimpfen zu lassen. Das nagt nur am Selbstbewusstsein.

Apropos Selbstbewusstsein: In der Diskussion heißt es wiederholt, es habe sich eine männerlastige Kultur in der Wirtschaft etabliert. Stimmt. Fakt ist jedoch, dass Kulturen sich immer nur dann durchsetzen, wenn sie Nutzen haben. Männer sind oft bestimmter als ständig in Frage stellende weibliche Angestellte. Der bessere Weg wäre es doch, Arbeitsverhältnisse familienfreundlicher zu gestalten. So hätten Frauen zumindest die gleichen Arbeitsbedingungen wie ihre männlichen Kollegen.

Teaserfoto: Jens Komossa