Der Chaos Computer Club (CCC) ist Deutschlands bekanntester Hacker-Verein. Sie knacken jeden Code und werden so zum Wächter des Datenschutzes. Wie funktioniert das und was steckt dahinter? Schekker-Autorin Veronika hat sich mal schlau gemacht.
Man schreibt das Jahr 1981. Gerade werden Personal Computer (PCs) populär und das Internet ist nicht mehr als ein Datennetzwerk auf Basis von Telefonleitungen. Doch in Redaktionsräumen der Berliner „tageszeitung“ (taz) treffen sich am 12. September Hacker und Computerfreaks und erkennen die gesellschaftliche Brisanz des dämmernden digitalen Zeitalters – sie gründen den Chaos Computer Club.
IT-Sicherheit, Informationsfreiheit, Netzneutralität und ein Menschenrecht auf Kommunikation: Was der Chaos Computer Club schon damals forderte, ist heute aktueller denn je. Er sieht sich laut Vereinssatzung als Club, der sich „grenzüberschreitend für Informationsfreiheit einsetzt“ und sich mit den „Auswirkungen von Technologien auf die Gesellschaft sowie das einzelne Lebewesen beschäftigt“. Mittlerweile zählt der Verein etwa 3.000 Mitglieder.
Der CCC: Watchdog für Datensicherheit
Zum Chaos Communication Camp kommen alle vier Jahre Hacker aus verschiedenen Ländern in Berlin zusammen, um sich über Themen aus Technik und Gesellschaft auszutauschen. Foto: cosmo flash / www.flickr.com unter cc-Lizenz
Die erste große Aktion des Clubs begründete seine Bekanntheit: 1984 hackte sich der CCC in das BTX-System der Bundespost; ein System, bei dem man Informationen über die Telefonleitung abrufen und dann auf einem Bildschirm darstellen konnte – also ein bisschen wie ein frühes Internet. Beim BTX-Hack knackten die Aktivisten das Sicherheitssystem und überwiesen sich Geld von einem Konto der Hamburger Sparkasse. Sie machten diesen Fall eines digitalen Bankraubs öffentlich, gaben das Geld zurück und machten so auf die Sicherheitslücken im System der Bundespost aufmerksam.
Auch danach landete der Club mit seinen Aktionen immer wieder in den Schlagzeilen: Die CCCler hackten unsichere Wahlcomputer und erreichten so, dass das Bundesverfassungsgericht diese für unzulässig erklärte. Sie veröffentlichten 2008 einen Fingerabdruck von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), um gegen die Verwendung biometrischer Daten zu protestieren. Zuletzt sorgte der CCC mit seiner Analyse des sogenannten Staatstrojaners für Aufsehen.
Mit Hacker-Spielregeln zu öffentlichem Ansehen
Die Aktivisten des CCC genießen hohes Ansehen. „Der CCC ist eine Instanz“, sagt FDP-Internetexperte Jimmy Schulz. Er ist Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und Digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages. Zu den 17 Sachverständigen, die die Abgeordneten beraten, gehören auch zwei CCC-Aktivisten.
Trotzdem bleibt der CCC unabhängig und entscheidet selbst, bei wem die nächste Sicherheitslücke aufgedeckt wird. „Der CCC ist kein TÜV. Wir lassen uns nicht vereinnahmen“, sagte Vorstandsmitglied Andy Müller-Maguhn dem SPIEGEL. Für die Mitglieder gilt die Hacker-Ethik: Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen.
Constanze Kurz, ehrenamtliche Sprecherin des CCC und Sachverständige der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags. Foto: re:publica 2012 / flickr.com unter cc-Lizenz
Daher verurteilen sie auch umfangreichen Klau privater Daten, wie ihn beispielsweise das Hacker-Kollektiv Anonymus betreibt: So veröffentlichte Anonymus im Dezember 2011 eine Kundenliste des privaten amerikanischen Nachrichtendienstes Stratfor mit rund 4000 Einträgen , darunter auch deren Kreditkartendaten. Diese wurden anschließend dazu genutzt, um insgesamt eine Million US-Dollar an verschiedene Einrichtungen zu spenden. CCC-Sprecherin Constanze Kurz kommentierte den Vorgang: „Hier ist klar ein Missbrauch passiert.”
31 Jahre ist der CCC nun alt. Das Internet hat sich zum Web 2.0 gewandelt und Netzpolitik ist längst kein Randthema mehr. Dennoch gibt es noch immer keine Antworten auf viele Fragen zwischen Datensicherheit und Informationsfreiheit. So werden die Computer-Chaoten wohl auch in Zukunft mit ihren Hacks zumindest für ein Stückchen Ordnung in der digitalen Gesellschaft sorgen.


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