Jugendliche Argentinier mit Schekker-Autor Fabian Vögtle (Zweiter von rechts) vor dem Obelisk in Buenos Aires. Foto: Fabian Vögtle

„Die Argentinier sind Italiener, die Spanisch sprechen und gerne Engländer wären, die glauben, in Paris zu leben.“ So beschrieb einst der argentinische Schriftstellers Jorge Luis Borges seine Landsleute. Doch so interkulturell das Leben in Metropolen wie Buenos Aires sein mag, die Lebensqualität und Perspektiven lassen zu wünschen übrig – Argentinien steuert auf die nächste große Krise zu.

Man könnte meinen, in Buenos Aires würden fast alle der „Generation 18 plus“ Film, Theater und Tanz studieren. Jeder will in der Kunst- und Kulturszene durchstarten, doch nur wenige werden nach dem kostenlosen Studium ihres Hobbys tatsächlich Karriere machen. Zwar hatte sich das Land vom Staatsbankrott 2002 zwischenzeitlich gut erholt, vergangenen August sogar die letzten Schulden abbezahlt, doch zehn Jahre nach der Krise kehren Unzufriedenheit und Unruhen zurück.

Grund dafür ist unter anderem die hohe Inflation, die den Peso – die argentinische Währung – an den Rand der Bedeutungslosigkeit drängt und die Dollargeschäfte in der Metropole florieren lässt. Auch ausländische Studenten mischen hierbei mit, indem sie zum Tagesausflug ins Nachbarland Uruguay fahren, Dollarscheine abheben und in Argentinien gewinnbringend unters Volk bringen. Und während die Gehälter unter denen in Mitteleuropa liegen, übersteigen die argentinischen Preise für Miete, Lebensmittel und Kleidung sogar hin und wieder die aus Deutschland. Die Armut ist wieder allgegenwärtig.

Problem der Zuständigkeiten

Argentiniens Staatsoberhaupt, Präsidentin Cristina Férnandez Kirchner, deren Mann als Amtsvorgänger das Land einst aus der Krise führte, steht wegen ihrer Politik zunehmend in der Kritik. Buenos Aires erlebte vergangenen November die größten Demonstrationen der letzten Jahre. Der ständige Streit zwischen der Präsidentin, dem Provinzchef, Buenos Aires’ Bürgermeister und den Gewerkschaften über Zuständigkeiten wirkt sich immer wieder auf den Alltag in der Millionenmetropole und im ganzen Land aus. Im vergangenen August streikte etwa die U-Bahn zehn Tage lang und das Verkehrschaos sowie Gewalt gehören mittlerweile zum üblichen Stadtbild. Die Staatschefin baut indessen ihre Macht im Land durch zahlreiche Gesetze zu ihren Gunsten kräftig aus – viele Beobachter sehen Parallelen zu Hugo Chavez’ Weg in Venezuela, was etwa Staatsinterventionen und Teilverstaatlichungen betrifft.

Viel Kritik an Kirchner


Sogenannte Cartoneros sammeln
Müll, um irgendwie Geld zu
verdienen. Foto: Fabian Vögtle

Medienunternehmen wie „Clarín“, die kritisch über die Regierungsarbeit berichten, werden seit Anfang Dezember durch ein Gesetz dazu gezwungen, ihre hohen Anteile an Zeitungen und Rundfunkmedien deutlich zu reduzieren. Man könnte darin vorbildliche Monopol-Kontrolle sehen. Doch Kirchners Gründe liegen wohl weniger in einem offenen, liberalen Mediensystem, als vielmehr in der Eindämmung kritischer Berichterstattung.

Schärfster Kritikpunkt ihrer Gegner ist allerdings eine Verfassungsreform, die Kirchner ermöglichen soll, 2015 zum dritten Mal gewählt zu werden. Dieses Ansinnen wird mit populistischen Vorschlägen wie der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre flankiert. Denn gerade junge Argentinier halten laut Umfragen noch eher zur Präsidentin als ihre Elterngeneration. Diese könnten mit ihrer Stimme bei den Parlamentswahlen in diesem Jahr für Kirchners Leute den Weg ins Casa Rosada, den argentinischen Präsidentenpalast, zwei Jahre später ebnen.

In Europa und Deutschland bekommt man davon kaum etwas mit. Zu stark ist die Konzentration auf die Probleme der europäischen Mutterländer Argentiniens wie Spanien und Italien. Doch in naher Zukunft wird es auch hier zur politischen und wirtschaftlichen Krise kommen. Die Anzeichen sind da und alles andere als ein großes Gewitter wäre ein Wunder.

Die neue Generation

Aus dem Einwanderungsland Argentinien sind seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute viele in ihre europäische Heimat zurückgekehrt – erneut geflohen vor Militärdiktaturen und Wirtschaftskrisen. Bei den Menschen wächst die Distanz zu ihrer Heimat. Während sich die Kinder der damaligen Einwanderer immer wieder die Frage stellten, wo ihre wahre Heimat ist und welcher Nationalität sie angehören, verbindet die Enkel meist nicht mehr als ihr Nachname mit dem ursprünglichen Herkunftsland der Familie. Die Krise in den europäischen Ländern, deren Sprachen sie sprechen oder zumindest verstehen, sowie die neuen Ausreisebeschränkungen für Argentinier, machen es nicht einfach nach Europa auszuwandern. Einige versuchen dennoch einen Neustart und kommen etwa nach Deutschland, andere suchen ihr Glück oft in südamerikanischen Nachbarländern. Doch das löst die Probleme oftmals weder für sie selbst noch für das Land. So stellen sich die meisten jungen Argentinier den kommenden Konflikten in Argentinien und hoffen auch ein bisschen auf ein argentinisches Wunder.

Kommentare

Parece mentira que haya gente que esté de acuerdo con gobiernos del talante argentino en los que los jovenes no tienen ningún futuro ni esperanza, lo peor es que en Europa se está llegando al mismo resultado, vease el resultado de las elecciones italianas que son inconcebibles, me parece excelente estos artículos que llamen la atención de la opinión pública para que medite como quiere que su futuro se desarrolle.
Lieber Herr Vögtle, ich bin leider kein Fußballfan, danke Ihnen aber trotzdem für den Bericht. Ich gönne Maradona seinen Aufstieg, er ist sicher gottbegnadet, aber ich denke bei Fußball immer an den 147. Psalm: Gott hat kein Gefallen an den Schenkeln des Mannes ….., angesichts des immer größer werdenden Personenkults um Stars und Prominente, denn der größte Teil der Menschen heute beurteilt die andern nach ihrer körperlichen Erscheinung und nach ihrem Auftreten. Gott prüft das Herz! Bis zum nächsten Bericht alles Gute Ihnen und herzliche Grüße Gertrud Stenzel
Herrlich der Bericht über Maradonna, vielen Dank. Und Argentinien ist sicher mal eine Reise wert. Luigi
Die letzten Schulden abgezahlt ?? Sie sollten mal richtig recherchieren. Argentinien ist von den Finanzmärkten abgeschnitten, da weltweit Pfändungsbeschlüsse und Titel aufgrund verlorener Prozesse weltweit vorliegen. Die Präsidentin muss im gemieteten Flugzeug nach Europa fliegen, weil sie Angst daß man ihr das Flugzeug unter dem Hintern wegpfändet. Sie verscht die Bundesgerichte zu unterwandern und zu entmachten. Argentinien ist auf dem besten weg zur Diktatur.

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