Vielerorts war in Zeiten der Friedlichen Revolution was los. Hier ein Überblick:
1. "Ihr löscht das Feuer mit Benzin. -
Ihr löscht den Brand nicht mehr."
Im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg kursiert am 2. Oktober auf einer Mahnwache der Gethsemanekirche ein Flugzettel mit diesem Zitat des Liedermachers Wolf Biermann. Der Ausspruch bezieht sich auf die erhitzte Lage in der DDR und ist eine Kritik an der damaligen Regierung. Diese hatte kein Verständnis für die vielen Republikflüchtlinge und versuchte mit aller Kraft dagegen vorzugehen.
2. „Das tritt nach meiner Kenntnis ...
ist das sofort, unverzüglich."
Am Abend des 9. November 1989 hielt Günter Schabowski als Mitglied des damaligen Politbüros der SED in Ostberlin eine Pressekonferenz ab, die live im DDR-Fernsehen übertragen wurde. Auf die Frage eines Journalisten, wann denn das zuvor erwähnte neue Reisegesetz in Kraft trete, antwortete Schabowski stotternd: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." Die neue Regelung sollte eigentlich erst am nächsten Tag bekannt gegeben werden, führte aber durch die frühzeitige Verkündung dazu, dass noch am selben Abend, auf Grund von massiven Forderungen, die Mauer geöffnet wurde.
Grafik: Annemarie Pfeiffer
3. Nikolaikirche
Die Nikolaikirche in Leipzig war ein wichtiger Ausgangspunkt für die friedliche Revolution im Herbst 1989. Aus den in der Kirche abgehaltenen Montagsgebeten entwickelten sich die Montagsdemonstrationen. Ende der 1980er Jahre gingen tausende Menschen während dieser Demonstrationen auf die Leipziger Straßen, um für Demokratie, freie Wahlen, Reisefreiheit und die Einheit Deutschlands zu demonstrieren.
4. Hof Hauptbahnhof
Züge mit insgesamt 17.000 Republik-Flüchtlingen fuhren ab Ende September von Prag und Warschau über die DDR in die Bundesrepublik. Die DDR-Führung wollte diese Fluchtversuche verhindern und schloss am 3. Oktober 1989 die Grenzen zur Tschechoslowakei. Als die noch fahrenden Züge am 4. Oktober den Dresdner Hauptbahnhof durchquerten, kam es zu schweren Ausschreitungen als tausende Menschen versuchten, auf die Züge aufzuspringen. Am 5. Oktober erreichten die Züge dann das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland mit Ankunft am Hofer Hauptbahnhof.
5. "Deutschland, Deutschland – Freiheit, Freiheit!"
Der Streckenverlauf für die letzten drei Flüchtlingszüge aus Prag wurde nach der Eskalation am Dresdner Hauptbahnhof spontan geändert. Um Dresden zu umgehen, wurden die Züge, mit einem längeren Aufenthalt in Plauen, über Böhmen geführt. Entlang der Zugstrecke kamen viele Menschen zusammen, um am Morgen des 5. Oktobers die Ausreisewilligen in den Zügen zu bejubeln: „Deutschland, Deutschland - Freiheit, Freiheit!“ Die Stimmung in Plauen war, trotz vieler Verwarnungen und Verhaftungen, begeistert und euphorisch.
6. Das Stasi-Gefängnis II
Menschen, die aus der Republik flüchten wollten oder Gegner der SED-Regierung wurden hier in Bautzen streng isoliert und unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten. Heute befindet sich in der ehemaligen Haftanstalt eine Gedenkstätte.
7. Der Markt in Halle
Halle gehört, neben Magdeburg, Dessau, Wittenberg, Naumburg, Rostock, Schwerin und Stendal, zu den größeren Städten, in denen es zu Massendemonstrationen kam. Ab dem 16. Oktober 1989 begannen auch hier die gewaltfreien Demos auf dem Markt. Zuvor gab es am 7. Oktober, dem 40. „Tag der Republik“, einzelne Proteste und Festnahmen und einen gewalttätigen Polizeieinsatz am 9. Oktober.
8. „In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört.“
„Aufbruch 89“ so hieß der Gründungsaufruf der Bürgerbewegung „Neues Forum“, der am 10. September 1989 in Berlin veröffentlicht wurde. Der Aufruf begann mit dem Satz „In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört“ und beschrieb dann in längerer Form die Verhältnisse in der DDR. Auch Kritikpunkte und Wünsche an die gesellschaftliche Entwicklung wurden aufgelistet, ohne dabei direkte politische Forderungen zu stellen. Das Neue Forum wollte mit dem Aufruf einen „demokratischen Dialog in aller Öffentlichkeit, gemeinsam und im ganzen Land“ schaffen und dafür als Plattform dienen. Alle Bürger waren aufgerufen, an der „Umgestaltung der Gesellschaft“ mitzuarbeiten.
9. Entführung im Auftrag der Regierung
Immer wieder hat die Stasi im Auftrag der SED-Regierung Menschen aus dem Westen in den Osten entführt. Gewaltsam und heimtückisch wurden bestimmte Personen vor allem aus West-Berlin, aber auch aus Westdeutschland in die DDR verschleppt. Einer der Entführten war Karl Wilhelm Fricke. Der Journalist sollte 1955 kalt gestellt werden, weil er bekannt für seine kritische Berichte über die DDR war. Wegen „Boykott- und Kriegshetze“ wurde Fricke vom Obersten Gericht der DDR zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Bautzen und Brandenburg verbüßen musste.
10. „Sie waren schon zwei Mal diese Woche an der Grenze.“
Ein Satz, wie ihn viele Bürger hörten, die in Orten nahe der Grenze wohnten. Zum Beispiel in der Gemeinde Großensee im thüringischen Wartburgkreis. Diese Gemeinde befand sich nach der Teilung Deutschlands nicht nur direkt im Sperrgebiet, sondern war auch noch auf drei Seiten vom Westen umschlossen. Aus dem Ort führte lediglich eine Straße hinaus nach Dankmarshausen. Dort lebte und predigte Pfarrer Fritz Ewald, der auch für die Kirchenmitglieder in Großensee zuständig war. Er hörte das Zitat aus der Überschrift öfter, wenn er mal wieder in eine andere Gemeinde musste.







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