Den Großteil des Tages findet man Carinas hier: hinter dem Bankschalter. Foto: Felix Scheidl

Kundenkontakt, Kontoführung, Controlling – Carinas Ausbildung zur Bankkauffrau ist keineswegs so langweilig wie manche ihrer Freunde denken. Vom Geschäftsmann bis zur älteren Dame, die die Wirtschaftskrise 1929 miterlebt hat, muss sie jeden Kunden richtig beraten. Und nebenbei noch Rechnungswesen pauken.

Dunkelblondes Haar, Rollkragenpulli mit grauer Weste, matter Lippenstift: Carinas Foto könnte im Lehrbuch für Bankangestellte zu finden sein. Die 20-Jährige macht eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei den Vereinigten Sparkassen Weilheim. Und ein seriöses Auftreten ist dabei absolute Pflicht.

Nur hinter einem Schalter stehen? - Von wegen!

Sie steht hinter einem hölzernen Schalter. Im Kundenbereich der Sparkasse hat sich eine kleine Warteschlange gebildet. Mit einem Lächeln begrüßt Carina einen älteren Herrn, der eine Überweisung abgeben will. Die beiden kennen sich, tauschen ein paar Worte aus. Carina klingt freundlich und gut gelaunt, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Ich würde mich glatt von ihr zu einem Bausparvertrag überreden lassen.
Was für viele nach einem schnöden Langweilerjob klingt, macht Carina Spaß – bringt sie aber auch manchmal ins Schwitzen. „Der freundliche Kundenumgang fällt mir leicht“, sagt sie. „Aber das ist nur ein Aspekt meines Jobs. Ich muss zum Beispiel auch immer darüber informiert sein, was in der Finanzwelt passiert: Die Kunden wollen wissen, was es mit der neuen Abgeltungssteuer und der Finanzmarktkrise auf sich hat.“

Kontoführung, Marketing, Controlling – der etwas andere Stundenplan

Carina ist im letzten ihrer drei Lehrjahre zur Bankkauffrau. Vier Tage in der Woche steht sie hinter dem Bankschalter oder an der Kasse, berät Kunden, zahlt Geld aus und nimmt Überweisungen entgegen. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Aufgabenfelder, an die die Azubis im Laufe ihrer Ausbildung herangeführt werden: Konteneröffnung und –verwaltung, Vermögensberatung, Marketing. In der Berufsschule geht es naturgemäß sehr theoretisch zu. Die Azubis pauken Rechnungswesen: Bankleistungen, Kontoführung, Zahlungsverkehr, Geld- und Vermögensanlage sowie das Kreditgeschäft stehen auf dem Stundenplan. Auch Controlling, Organisation und Datenverarbeitung, Personalwesen, Revision sowie Marketing müssen die 45 angehenden Bankkauffrauen und -männer bei den Vereinigten Sparkassen Weilheim erlernen. Denn die späteren Einsatzmöglichkeiten in einer Bank sind vielschichtig.

Bankkauffrau war für Carina keine Berufswahl aus Verlegenheit, sondern eine sehr bewusste Entscheidung. „Auch meine Mutter arbeitet als Bankkauffrau. In der 11. Klasse am Gymnasium hat sich mein Berufswunsch gefestigt“, erzählt sie. Anfangs fanden Carinas Freunde ihren Berufswunsch spießig. Inzwischen nehmen sie ihr Wissen gerne in Anspruch: „Heute kommen viele Bekannte zu mir und wollen wissen, wie sie einen Teil ihres Lohnes am besten anlegen.“

Abwechslung garantiert - auch bei den Kunden

Wirft man einen Blick in den Kundenbereich der Bank, in der Carina arbeitet, so sieht man junge und alte Kunden, wohlhabende Geschäftsmänner und Leute, die nicht so viel verdienen. „Alle wollen natürlich ordentlich beraten werden“, sagt Carina. Und genau das mache den Job so abwechslungsreich. Neulich sei sie im Gespräch mit einer alten Dame gewesen: „Sie hatte ernsthafte Sorgen, dass ihr Geld nach der Finanzkrise bei unserer Bank nicht mehr sicher ist“, erzählt sie. Kein Wunder: Die Dame hatte die Wirtschaftskrise von 1929 miterlebt. Trotzdem ist es Carina und einem Berater gelungen, sie zu beruhigen und letztlich zu überzeugen, dass ihr Erspartes sicher ist. Schließlich gibt es den so genannten Einlagensicherungsfonds der Banken, der sicher stellt, dass das ersparte Geld der Bankkunden in einer Krise nicht verloren geht. Und darüber hinaus hat die Bundesregierung im Oktober 2008 eine unbeschränkte Garantie für jeden in Deutschland gesparten Euro gegeben. Sprich: Selbst im – unwahrscheinlichen – extremen Krisenfall verliert in Deutschland kein Sparer auch nur einen Cent.

Hausmeister, Aktienanalyst, Psychologe

Das Beratungsgespräch mit Kunden stellt Carina immer wieder vor neue Herausforderungen. „Im Moment bin ich in einer recht großen Filiale, in der die Berater auf verschiedene Bereiche spezialisiert sind“, erklärt Carina. Besonders in den kleineren Filialen der Sparkasse mit weniger Mitarbeitern sei das oft anders: „Da bist du der einzige Anlaufpunkt für den Kunden und als Bankkaufmann alles: vom Hausmeister über den Aktienanalysten bis zum Psychologen“, sagt Carina.

Nach den Abschlussprüfungen im März hat Carina große Pläne: „Ich werde an der bankinternen Uni BWL studieren. So habe ich im Unternehmen bessere Aufstiegschancen und einen anerkannten Bachelor-Abschluss“, erklärt sie. Knapp ein Viertel ihres Jahrgangs gehen nach dem Abschluss mit ihr auf die Uni. Aber auch während des Studiums wird Carina hinter dem Bankschalter stehen. „Ich würde auch nach dem Studium gerne weiter am Markt, also mit den Kunden arbeiten. Dann aber eher in der Firmenkunden- oder Vermögensberatung“, meint Carina.
Langsam muss sie los. Die Kundschaft wartet. Meine Kontoauszüge hätte ich mir gerne persönlich bei ihr abgeholt. Geht aber leider nicht. Die gibt es nur am Automaten – schade eigentlich, denn der lächelt eher selten.

Fotos: Felix Scheidl

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