Frankfurt bietet mehr, als eine tolle Skyline. Foto: picture-alliance/Sander

Sandra, 19, studiert in Deutschlands Geld-Metropole Betriebswirtschaft. Nebenbei verdient sie sich ihr Geld für die Miete. Und wo? Natürlich in einer Bank.

Die Finanzkrise in Frankfurt

Als die Finanzkrise ins Rollen kam, war Frankfurt eine andere Stadt.

Die Bilder von den Brokern aus New York, die nach ihrer Kündigung mit Pappkartons nach Hause gingen, waren das Thema Nummer eins auch in unserer WG-Küche. Und jeden Abend neue Nachrichten. Eigentlich alles weit weg und trotzdem sehr nah. Viele Freunde und Mitstudenten erzählten ihre ganz persönlichen Geschichten. Die Krise war auch bei ihnen angekommen. Bankabteilungen wurden geschlossen, Mitarbeiter versetzt, ein Austauschstudent aus London verlor seinen Nebenjob. Da bekommen die Bilder aus der Tagesschau plötzlich eine ungewollte Anschaulichkeit. Bulle und Bär, die zwei Wahrzeichen fürs Auf und Ab der Kurse, die vor der Frankfurter Börse in Bronze gegossen sind, haben in diesen Tagen ihren Glanz verloren...

Frankfurt ist meine Stadt

Skyline von Frankfurt am Main.
Frankfurt ist nicht nur anonyme Großstadt. Auch wenn die Skyline es vermuten lässt. Foto: picture-alliance/Huber/Gräfenhain

Die aufregendste Großstadt Deutschlands. Das beliebte Klischee, Wohnen in der Metropole sei Leben in der Anonymität, will ich nicht gelten lassen.

 Ich bin schließlich der Gegenbeweis. In meiner WG fühle ich mich pudelwohl. Meine Mitbewohner sind Studenten, Berufseinsteiger und Praktikanten. Sie kommen aus Deutschland, England und Schweden. Die Miete teilen wir uns natürlich. Von den Mieten in Frankfurt war ich zuerst geschockt, sie liegen deutlich über dem durchschnittlichen Mietpreis in Deutschland. Ich studiere im ersten Semester Betriebswirtschaftslehre und jobbe nebenbei im Direktmarketing einer Bank. Auch alle meine Mitbewohner beschäftigen sich beruflich mit Money, Moos und Schotter. – Kein Wunder in Deutschlands Geld-Metropole...

Technohochburg der 90er Jahre

Tanzende Menge im Club U-60311.
Der Club U-60311 ist eigentlich immer voll. Und nach dem Anstehen macht er auch eine Menge Spaß. Foto: Patric Roth/U-60311

In den 90er Jahren war Frankfurt nicht nur Geld-Metropole, sondern auch eine Hochburg der Techno-Musik.

Die Spuren lassen sich heute noch finden. Zum Beispiel im legendären Club U-60311, der nach seiner Postleitzahl benannt wurde. Oder da, wo der DJ-Gott der Neunziger, Sven Väth, heute noch auflegt, im Cocoon im Ostend. Die Partys haben nichts mehr mit den halblegalen Treffpunkten der 90er in Tiefgaragen und alten Fabriken zu tun. Das merkt man leider auch an der Tür. Die wird von unfreundlichen Türstehern regiert. Dafür dürfte der Club der beste der Welt sein, auf jeden Fall ist es der teuerste, selbst für Frankfurter Verhältnisse...

Das offizielle Gesicht Frankfurts

Meinen Eltern zeige ich eher das offizielle Gesicht Frankfurts. Für Mama und Papa gibt es immer das große Touristenprogramm.

Vorbei an der Alten Oper und durchs Bankenviertel, zum Römer und zum Dom. Die Zeil ist Frankfurts berühmte Einkaufsstraße. Vom 22. Stock des Maintowers hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Zwischen Hauptwache und Konstablerwache kann man einen Monatslohn ohne Probleme für ein paar Schuhe ausgeben. Aber nicht jeder, der in einer Bank arbeitet, ist automatisch reich. Macht aber nichts, manches ist auch in dieser Stadt günstig – zum Beispiel die Frankfurter Küche. Einen Apfelwein gibt es überall und dazu den berühmten „Handkäse mit Musik“. Den sollten man nicht verpassen, für kein Geld der Welt...

Als ich das erste Mal in Frankfurt war, herrschte Ausnahmezustand

Ein Mann läuft an einem Plakat mit vielen Büchern vorbei.
Da sieht man den Wald vor lauter Beinen nicht: Frankfurt zur Buchmesse. Foto: picture-alliance/dpa/May

Die Buchmesse ist selbst für diese Stadt etwas Großes. 280.000 Besucher strömen jedes Jahr zu diesem Anlass in die Stadt.

Die Buchmesse ist selbst für diese Stadt etwas Großes. 280.000 Besucher strömen jedes Jahr zu diesem Anlass in die Stadt.

Mit allen Nebenwirkungen: Die Straßen sind verstopft, die Parkhäuser dicht und die Hotels überbucht. Ich kam damals bei einer Freundin unter. Ihre Mitbewohner waren nicht zu Hause. Nicht ganz zufällig, sondern gewinnbringend geplant. Während der Tage im Oktober wohnen nämlich Messebesucher in den WG-Zimmern. Was ich vorher nicht wusste: Viele Studierende und Berufsstarter vermieten in dieser Zeit einfach ihre Unterkunft und kassieren für ein paar Tage ein mittelgroßes Taschengeld. Sie selbst ziehen so lange zu ihren Eltern oder zu Freunden...

Frankfurt ist nicht nur schön

Wenn ich vom Hauptbahnhof in Richtung Bankenviertel laufe, begegne ich der weniger sympathischen Seite Frankfurts und meinem flauen Bauchgefühl.

In der Moselstraße reiht sich ein Sexladen an den anderen. Das Bild der Straßen ist nicht von hektischen Bankern geprägt, sondern von Armut und Obdachlosen, die mich jeden Tag um ein paar Euro anbetteln. Drogenhändler machen hier großes Geschäft. Die Stadt will aufräumen und das vernachlässigte Gründerzeitviertel wieder lebenswert machen. Wohnungen werden saniert und Büroflächen geschaffen. Schön soll es werden, das Bahnhofsviertel. Und am Ende soll es eben wieder das Geld richten: Zehn Millionen Euro will der Frankfurter Magistrat insgesamt zur Verfügung stellen...

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