Luka vor dem Migrations- und Flüchtlingsamt
Luka ist im zweiten Lehrjahr beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Foto: Sabine Halser

Eine Ausbildung im Öffentlichen Dienst, auch ohne deutschen Pass? Aber sicher! Schekker-Autorin Sabine hat den 20-jährigen Luka Brozovic getroffen, Auszubildender im zweiten Lehrjahr beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Mit ihm hat sie über seine Arbeit gesprochen und sich nach der Initiative „Wir sind bund“ der Bundesregierung erkundigt.

Imposante Mauern, ein ausgedehnter Innenhof, symmetrische Anordnung – auf den ersten Blick wirkt der im Südosten von Nürnberg gelegene Gebäudekomplex monumental und herrschaftlich. Doch handelt es sich hierbei nicht etwa um ein Barockschloss, sondern vielmehr um die ehemalige Südkaserne, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beherbergt.

Die eigenen Wurzeln als Grundlage

Das Zurechtfinden in den weit verzweigten Gängen ist allerdings auch fast das einzige, was Luka Brozovic einfällt, wenn man ihn fragt, welche Schwierigkeiten seine Arbeit beinhaltet. Freilich, im Vergleich zur Schule wird der Auszubildende zum Fachangestellten für Bürokommunikation hier mit ganz neuen Themengebieten konfrontiert. Das sei am Anfang schon eine krasse Umstellung für ihn gewesen: „Die Bereitschaft, Neues zu lernen, ein kontaktfreudiges Wesen und ein Interesse für die Themengebiete Migration, Integration und Asyl sind essentiell, wenn man sich für diese Ausbildung hier entscheidet“, so Luka.

Letzteres wurde dem jungen Mann mit kroatischen Wurzeln quasi in die Wiege gelegt. In Italien geboren, kam er als Grundschulkind nach Deutschland. Auch dank spezieller Förderkurse haben er und seine Eltern sich hier schnell zurechtgefunden. Es gelang ihm, gute Deutschkenntnisse zu entwickeln – was, wie er anmerkt, bei seiner Ausbildung unerlässlich ist.

Theorie und Praxis gehen Hand in Hand

Die Verwaltungsarbeit bildet den Schwerpunkt seiner Tätigkeit im Nürnberger Migrationsamt. Aber auch der direkte Kontakt mit Migranten fällt in sein Aufgabengebiet, zum Beispiel, wenn er mithilfe eines Dolmetschers die Personalien von Flüchtlingen aufnimmt.

Im Rahmen seiner Ausbildung wechselt Luka regelmäßig zwischen der Theorie in der Berufsschule und der Praxis im Amt. Dort durchläuft er verschiedene Fachreferate, um einen Überblick in die verschiedenen Aufgabengebiete des Bundesamtes zu bekommen. Auch interne, dienstbegleitende Schulungen, in denen vor allem speziell auf diese Behörde zugeschnittene Fachkompetenzen wie Haushalts- oder Beamtenrecht gelehrt werden, gehören zur Ausbildung. In der Berufsschule dagegen lernt Luka auch Sachkenntnisse und Fertigkeiten, die ebenso in der freien Marktwirtschaft gebraucht werden, wie beispielsweise Rechnungswesen.

Das Ausbildungsportal www.wir-sind-bund.de informiert über Karrieremöglichkeiten im öffentlichen Dienst und spricht mit dieser Kampagne besonders junge Leute an, die ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben. Die kulturelle Vielfalt in Deutschland soll sich künftig nämlich auch in der Verwaltung besser widerspiegeln. Das Portal bietet neben einer Ausbildungsplatzbörse auch Infos rund um eine Bewerbung im Öffentlichen Dienst, Zugangs-voraussetzungen oder die Frage der Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse.

Hautnah dabei

An seiner Arbeit schätzt Luka vor allem die Abwechslung und die Vielseitigkeit der Aufgaben. Mit strahlenden Augen schildert er das bisherige Highlight seiner Ausbildung: Im Mai dieses Jahres durfte er den Empfang syrischer Flüchtlinge in Hannover mitgestalten und den Kindern Plüschtiere überreichen. „Am Anfang, als die Flüchtlinge sich in einer neuen, fremden Umgebung wiederfanden, waren alle noch zurückhaltend und machten einen eher ängstlichen Eindruck. Durch das Verteilen der Plüschtiere an die Kinder und eine Ansprache mit sehr stärkenden und motivierenden Worten an die Eltern, hat sich die Stimmung jedoch aufgelockert“, berichtet Luka.

Da er zum damaligen Zeitpunkt im Fachreferat eingesetzt war, das auch die Website zur Initiative „Wir sind bund“ verwaltet, schrieb er dafür einen Tagebucheintrag, in dem er von diesem Erlebnis erzählte. Denn künftig soll es noch viel mehr Leute wie Luka im Öffentlichen Dienst geben. Die Bundesregierung wirbt derzeit mit Anzeigen für Nachwuchs im Öffentlichen Dienst. Unter dem Motto „Unser Land braucht viele Talente“ werden gerade auch motivierte junge Leute ohne deutschen Pass gesucht. 130 verschiedene Ausbildungsberufe gibt es.


Auch mit Anzeigen sucht der Bund derzeit nach Nachwuchs. Foto: Bundesregierung

Karriere machen

Solche Tagebucheinträge von Azubis auf der Internetseite von „Wir sind bund“ hat Luka selbst ebenfalls gelesen, als er sich über mögliche Ausbildungen informiert hat. Dadurch erhielt er einen umfangreichen Einblick, was für Tätigkeiten ihn während der Ausbildung erwarten würden – und hat sich schließlich dafür entschieden.

Nach dem Realschulabschluss entdeckte Lukas Vater eine Anzeige des Bundesamtes in der Zeitung. „Der öffentliche Dienst gilt als recht zukunftssicher. Außerdem finde ich es gut, durch die Ausbildung politikbezogenes Wissen dazuzugewinnen und so auch meine Allgemeinbildung zu verbessern“, erklärt Luka. Zudem seien für ihn, der selbst die italienische Staatsangehörigkeit besitzt, die Aufgaben des Amtes ein besonderer Anreiz gewesen – er könne sich in dieser Behörde gut wiederfinden.

Nach dem Abschluss seiner Ausbildung will Luka das Abitur nachholen, an der Fachhochschule Bund studieren und dann in das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zurückkehren.

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