Große Müdigkeit, Schlafstörungen und häufige Kopfschmerzen können Symptome von Burn-Out sein. Foto: Gerd Altmann / www.pixelio.de

Michael Sander* hat einen weiten Weg hinter sich. Er arbeitete sich hoch bis zu einem Abteilungsleiterposten bei einer Landessparkasse. Dann kam der Absturz. Mit Schekker-Autor Patrick sprach er über seine Erfahrungen, seinen Zusammenbruch und letztlich seinen Absprung aus dem Stress.

Michael Sander kann nicht warten. Nervös blickt er auf seine Armbanduhr. Auch nach seinem Ausstieg aus dem alten Job fehle ihm die Zeit – das sei noch wie früher. Einst gehetzt von zahllosen Besprechungen und Dienstreisen, halten ihn heute seine Familie und die neuen Hobbys auf Trab. Er fährt seit langem Motorrad, eine Chopper, und bemüht sich nun auch noch um eine Lizenz zum Segelfliegen.

„Es war eine tolle Zeit und nun beginnt ein noch besserer Abschnitt“, eröffnet er das Gespräch. Der große, kräftige Mittvierziger umklammert sein Glas: „Letztlich war es keine einfache Entscheidung, doch es musste sein.“

Der Vater zweier Söhne war einst erfolgreich. Schnell kletterte er die Karriereleiter empor. Vom einfachen Kundenberater auf dem Dorf gelang ihm der Aufstieg zum Abteilungsleiter in einer großen Stadt. Er verdiente gut. Durch sein üppiges Einkommen war mancher Luxus drin, etwa ein kostspieliger Jahresurlaub oder ein Oberklassewagen samt Carport.

Routinierter Alltag

Es war ein scheinbar sorgloses Dasein. „Mein Alltag war bestimmt von Routine, der Tagesablauf klar geregelt. Das bedeutete früh aufzustehen und lange im Büro zu bleiben. Dazu kamen häufig noch Überstunden.“ Bereits in dieser Zeit begann der Familienvater mit lichtem Haar die Folgen dieser Routine zu spüren. Er fühlte sich schon erschöpft, wenn er zur Arbeit ging und kehrte abends ermüdet zurück. Es fiel ihm außerdem immer schwerer, sich für etwas zu motivieren.

Trotz dieses Gefühls änderte er nichts, eine Alternative zu seiner Arbeit sah er zu jener Zeit nicht. Denn die vielen Überstunden hatten ihren Grund. „Dem Unternehmen ging es damals schlecht.“ Viele Stellen wurden gestrichen und auch Sander musste um seinen Job fürchten. Sein Versuch, diese Belastung zu verdrängen, gelang anfangs. Aber damit befand er sich bereits auf der ersten Stufe des später festgestellten „Burn-outs“ – eine emotionale Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit.

Böses Erwachen

Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem Michael Sanders Körper aber nicht mehr mitspielte. „Meine Frau weckte mich, ich hatte bereits den Wecker überhört. Sie verließ wieder unser Schlafzimmer und ging zu den Jungs in die Küche.“, erzählt er. „Nur mit Mühe konnte ich überhaupt aufstehen. Doch nach ein paar Schritten sackte ich zusammen.“ Einige Minuten habe er auf dem Boden gelegen, ehe ihn seine Frau schließlich fand. Dem Schock am Morgen folgten mehrere Tage im Krankenhaus.

Ein Neuanfang

„Das war dann auch der Punkt, an dem mir klar war: Jetzt muss ich was ändern!“ Sander wurde für einige Wochen krankgeschrieben, die er zu Hause verbrachte. Die Ursache der Belastung war schnell gefunden: Der hohe Stress bei der Arbeit. Die Rationalisierungsmaßnahmen kamen ihm dann fast recht. Mitarbeiter wurden durch hohe Abfindungen zur Kündigung bewegt. Sander nahm solch eine Abfindung an und verließ seine Arbeitsstelle.

Daheim sitzen wollte er dann aber auch nicht. „Meine Söhne brachten mich schließlich auf die Idee: Bereits im Studium habe ich Jugendliche betreut. Das hat mir immer viel Spaß gemacht. Ich habe dies dann wieder aufgegriffen.“ Er begann ehrenamtlich in einem Jugendzentrum zu arbeiten. Durch die neu gewonnene Zeit widmete er sich stärker seiner Familie. Vor allem seine Frau habe dies begrüßt.

Mittlerweile arbeitet Michael Sander halbtags in dem Jugendzentrum. Dort kocht der ehemalige Finanzberater mit Jugendlichen und widmet sich ihrer Freizeitgestaltung. Seinen Ausstieg bereut Michael Sander nicht: „Zwar muss ich nun manchen Luxus zurückstellen, aber es war eine gute Entscheidung. Ich möchte mir nicht ausmalen, was sonst noch passiert wäre.“

* Name geändert

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