Kapstadt ist mehr als nur WM-Austragungsort. Foto: Rainer Sturm, pixelio.de

Südafrika ist uns durch Nelson Mandela, das Kap der Guten Hoffnung und die nächste Fußball-WM ein Begriff. Doch Kapstadt ist mehr als das.

Die “Mutter” der Städte Afrikas

Alles begann 1652. Der Niederländer Jan van Riebeeck gründete in der Tafelbucht eine Versorgungsstation für Handelsschiffe, die sogenannte Vereenigde Oost-Indische Compagnie – VOC.

Aus Mangel an Arbeitern und Frauen wurden Sklaven aus verschiedenen Ländern geholt. Dies war der Ursprung der heutigen farbigen Bevölkerungsschicht. Nach einer 150-jährigen niederländischen Herrschaft war die VOC nahezu bankrott. 1814 eroberten Briten die erste in der Kolonialzeit Südafrikas gegründete Stadt. In dieser Zeit wurde die Sklaverei abgeschafft. Auch durch den erstmaligen Abbau von Diamanten und Gold veränderte sich die Stadt rasch. Noch heute ist das in Kapstadt gegründete Unternehmen „De Beers“ der größte Diamantenförderer der Welt. Im Jahre 1901 diente der Regierung die Beulenpest als Vorwand, die Rassentrennung einzuführen. Das Ergebnis waren nach Hautfarbe getrennte Wohnviertel und Stadtteile.

Die Apartheid


Die Folgen der Apartheid sind noch immer in den Townships zu sehen., Foto: Didipyramid, pixelio.de

Was ist Apartheid überhaupt? Vielleicht können einige von euch nichts mit diesem Begriff anfangen. Er beschreibt die Zeit der Rassentrennung von 1948 bis 1994, als die Nationalisten in Südafrika regierten und die bereits vorhandene Rassentrennung weiter bestärkten.

Jahrzehnte lang versuchte die weiße Regierung schwarze Elendssiedlungen zu entfernen. Das wohl berühmteste Beispiel ist der District Six, den man absichtlich verkommen ließ. Aufgrund „unhaltbarer hygienischer Zustände“ wurde er als Sanierungsgebiet deklariert. Doch die Rassentrennung war nicht vollständig durchzusetzen. Ein letzter Versuch wurde im Jahr 1986 unternommen, als etwa 70.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden sollten und dabei Hunderte starben. Da auch diese radikalen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führten, beugte sich die Regierung dem Druck der internationalen Staatengemeinschaft und begann, die Lebensverhältnisse in den Armenvierteln zu verbessern.

Noch heute ist Kapstadt geteilt


Noch immer ist das Gesundheitssystem nicht ausreichend., Foto: Ralf Maro

Noch immer dominieren Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Aids die Stadt. Die Mehrheit der Einwohner lebt noch heute in verarmten Stadtvierteln. Einziger Unterschied: Mehr als die Hautfarbe entscheiden heute die großen Einkommensunterschiede über das Leben in der Stadt.

Auch nach dem Ende der Apartheid änderten sich die Zustände in Kapstadt nur sehr langsam. Nach wie vor leiden die Bewohner unter wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Problemen.
Bloß einem kleinen Teil der damals benachteiligten Bevölkerungsgruppen ist es bisher gelungen, in die teureren weißen Wohngebiete umzuziehen.

Kapstadt ändert sich


Das South African Museum wirkt wie der Teil einer Traumstadt., Foto: Lothar Henke, pixelio.de

Am 11. Februar 1990 kündigte Nelson Mandela – nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis – von Kapstadt aus den Beginn einer neuen Ära in Südafrika an. Und auch die aktuelle Regierung arbeitet an Verbesserungen.

Auch wenn der regierende ANC – der African National Congress – nicht alle Erwartungen der Wähler erfüllen konnte: Überall im Land sind Fortschritte besonders im sozialen Bereich zu bemerken.

In Kapstadt hat sich schon vieles grundlegend geändert: Die hohe Kriminalitätsrate wurde gemildert und viele Stadtviertel wurden mittels Sanierungsprogrammen entwickelt.

Die Regierung hat sich für die laufende Legislaturperiode vor allem dem Abbau der historisch bedingten Ungleichheit, der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Armut, Unterentwicklung und Kriminalität sowie der Leistungssteigerung der öffentlichen Verwaltung verschrieben. Daher legt sie auf die schnelle Umsetzung der Regierungsprogramme auf Provinz- und Kommunalebene großen Wert.

Doch aufgrund von Geldmangel stockt die Entwicklung. Zwar wurde das Stadtinnere komplett neu erbaut und symbolisiert damit eine Traumstadt, doch außerhalb sieht es anders aus: Slums, in denen die Armen leben und die jeden Monat um 2.000 neue Bewohner anwachsen.

Ja, ich will!


Freiwillige Arbeit nützt vor allem den Kindern Kapstadts, Foto: Projekt Schwarz-Weiß e.V.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Wege, sich in und für Kapstadt einzusetzen. Immer mehr junge Menschen beschäftigen sich mit der Freiwilligenarbeit. Eine der größten Organisationen ist „No Limits Afrika“. Die Volontäre werden in Kinderheimen eingesetzt, da diese besonders auf Hilfe angewiesen sind.

„Von Tag zu Tag merke ich, wie wichtig meine Arbeit hier in Kapstadt ist. Auch wenn ich nur einen kleinen Teil zur Verbesserung der Ungerechtigkeit der Stadt beitrage, kommt es mir vor, als würde ich Welten bewegen“, so ein ehemaliger Freiwilligenhelfer. „Der einjährige Freiwilligendienst war die überwältigendste und faszinierendste Erfahrung meines ganzen Lebens. Noch nie zuvor wurde ich von so einem atemberaubenden Gefühl erfasst, wie ich es in Kapstadt erlebt habe.“ Wenn das euer Interesse geweckt hat, könnt ihr euch unter www.no-limits-afrika.de genauer zu der Hilfsorganisation informieren.

Auch in vollen Zügen genießbar


Haie zum Anfassen in Kapstadt., Foto: Kickaha Pfalz, pixelio.de

Schon einmal einen Einblick in die Unterwasserwelt gleich zweier Ozeane geworfen? Oder die Gefängnisinsel besichtigt, auf der der Nelson Mandela inhaftiert war? Kapstadt bietet eine große Anzahl an Sehenswürdigkeiten. Kein Wunder, die Stadt lebt schließlich vom Tourismus.

Eines der schönsten Aquarien weltweit: Das Two Oceans Aquarium bietet Einblicke aus dem Atlantischen und dem Indischen Ozean. Aber auch Leute, die gern einkaufen kommen hier nicht zu kurz: Der Canal Walk ist mit 400 Läden das größte Einkaufszentrum der Südhalbkugel. Oder doch lieber Geschichte? Die Gefängnisinsel Robben Island steht seit Mitte der 1990er Jahre offen zur Besichtigung. 1999 wurde sie sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Freuen können wir uns, bald auch im Fernsehen die Stadt zu erleben, denn die Fußball WM 2010 wird auch im Green-Point-Stadion in Kapstadt gespielt.

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