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Pro: Julian Die sinkende Kinderzahl und der unterschiedliche Berufserfolg von Männern und Frauen sind fest im Bewusstsein unserer Gesellschaft verankerte Probleme. „Social Freezing“ – also das Einfrieren von Eizellen aus sozialen Gründen – scheint hier Abhilfe schaffen zu können. Im Bewusstsein des Selbstbestimmungsrechts der Frau müssen wir es als gesellschaftlichen Auftrag ansehen, Persönlichkeitsrechte zu stärken Wir sollten „Social Freezing“ daher als neue Wahlmöglichkeit im Umgang mit Sexualität und Fortpflanzung begreifen, die das Selbstbestimmungsrecht unterstützt und stärkt. Die oftmals banalen Beweggründe für „Social Freezing“ lassen sich oft auf einen Umstand zurückführen: Es fehlt einfach der geeignete Partner. Die biologische Uhr tickt ununterbrochen und die Erfüllung des Kinderwunsches wird ab etwa Mitte 30 aus biologischen Gründen zunehmend schwieriger. „Social Freezing“ mag so vielen Paaren ein Kind schenken, das die Welt bei einem Verbot niemals erblickt hätte. Die Kostenübernahme durch Facebook, Apple & Co. hat „Social Freezing“ in das Licht bloßer Ausbeutung weiblicher Arbeitnehmer gerückt und zur Kritik als „ganz und gar unmoralisches Angebot“ (FAZ) und „pervers“ (Spiegel) geführt. „Social Freezing“ stellt jedoch eine freiwillige Maßnahme dar und mag das berufliche Machtgefälle zwischen Mann und Frau ebenfalls leicht verringern. Jede Arbeitnehmerin kann selbst darüber entscheiden, wann ihr der Beruf und wann ihr die Familie wichtiger ist. Als freiheitliche Gesellschaft sollten wir daher von einem Verbot von „Social Freezing“ absehen und diese Methode als Chance zur Selbstbestimmung wahrnehmen. Wir dürfen keinesfalls Frauen, die sich hierzu entscheiden, verurteilen, sondern sollten ihnen vielmehr zu ihrem Mut gratulieren, sich bewusst mit ihrer Lebensplanung auseinanderzusetzen. |
Contra: Britt-Marie Als die Pille in den 60er-Jahren eingeführt wurde, war das eine Revolution. Sie ebnete den Weg für neue Möglichkeiten der Familienplanung und Verhütung. Zurzeit erleben wir einen ähnlichen, wenn auch weniger revolutionär angehauchten Hype um die Vitrifikationsmethode, im allgemeinen Sprachgebrauch als “Social Freezing” bekannt. In unserer heutigen Gesellschaft geht es dem Einzelnen vor allem darum, das Beste aus sich zu machen. Das bedeutet für Frauen, Karriere zu machen und den eigenen Kinderwunsch hinten anzustellen. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass die genetischen Abweichungen bei Eizellen ab einem Alter der Frau von 35 Jahren stark zunehmen. Die medizinische Lösung: Frau lässt sich, sofern eine Pause im Beruf nicht in Frage kommt oder ein Vater nicht in Sicht ist, ihre Eizellen einfrieren – für circa 3000 Euro, hinzukommen jährliche Lagerungskosten. Ob es mit der Schwangerschaft mit 45 dann klappt, ist natürlich nicht garantiert. Zur Gebärfähigkeit einer Frau gehört schließlich mehr als eine junge, gesunde Eizelle und so liegen die Erfolgsquoten des Social Freezings momentan bei unter 50 Prozent. Denn auch Technologie kann versagen. Ebenso wie der menschliche Körper: Eine Schwangerschaft mit 40 birgt ganz andere Risiken als eine Schwangerschaft mit 30. Bei Frauen treten dann beispielsweise häufiger Gefäßerkrankungen oder hoher Blutdruck auf. “Social Freezing” wird wie die Pille vor rund 50 Jahren als Befreiung der Frau gefeiert. Dass es sich um keine Befreiung, sondern viel mehr um ein neues Druckmittel handelt, zeigt sich jetzt schon in Amerika, wo Unternehmen wie Facebook die Kosten für die Behandlung übernehmen. Damit wollen sie die Frauen im Unternehmen halten. Der Wunsch nach eigenen Kindern wird hinter andere Ansprüche zurückgestellt – Ausbildung, dann Karriere und irgendwann mal Kinder. Sollten wir nicht danach streben, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Karriere und Kinderkriegen miteinander vereinbar sind? |




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