Hybridantriebe, Plug-In-Fahrzeuge, vollelektrische Autos? In einem Jahrzehnt soll das alles auf deutschen Straßen rollen und in 40 Jahren soll zumindest der städtische Verkehr brennstofffrei werden. Dafür hat die Bundesregierung den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität ausgerufen.
Spätestens seit der Ölkatastrophe in den USA dürfte jedem einleuchten, dass das schwarze Gold für die Zukunft weder eine finanzielle noch ökologisch akzeptable Option sein wird. Es ist also Zeit, dass sich nach 100 Jahren Verbrennungsmotor ein neuer Weg der Mobilität öffnet: „Weg vom Öl“ und hin zu alternativen Antrieben ist die neue Perspektive. Gut, dass Politik, Industrie, Wissenschaft und Verbraucherverbände schon fleißig daran arbeiten, bis Ende des Jahres einen ersten Fahrplan zur Elektromobilität zu erarbeiten.
Ein Elektrosmart als Dienstwagen
„Das Fahrgefühl ist ganz anders“, erzählt Andreas Scheuer im Focus-Interview von seinen Probefahrten mit elektrischen Autos. Als Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gehört es zu seinem Arbeitsalltag, die neuesten Produkte von Autoherstellern zu testen: „Von der Mercedes B-Klasse mit Brennstoffzellen-Antrieb über den Elektro-Mini von BMW oder den E3 von Karmann habe ich schon einiges ausprobiert. Seit Mitte Mai fahre ich auch häufig den neuen Dienstwagen des Ministeriums: Einen Elektro-Smart, den wir mit Ökostrom betanken.“
Doch nicht nur die großen Hersteller sind am Tüfteln. Mithilfe von 115 Millionen Euro Fördergeldern werden in über 200 Einzelprojekten zum Beispiel Hybridbusse getestet. Sie besitzen sowohl einen Diesel- als auch einen Elektromotor und werden an Haltestellen durch Induktion – also ohne Stecker – aufgeladen, eine wesentlich preiswertere und flexiblere Lösung als klassische Oberleitungsbusse.
Eine Million E-Fahrzeuge für Deutschland
Die genauen Ziele und Wege zur Elektromobilität finden sich im Nationalen Entwicklungsplan. Bis 2020 will die Bundesregierung mindestens eine Million E-Fahrzeuge mit Batterie und Brennstoffzelle auf die Straßen bringen – ist das realistisch? Scheuer zeigt sich Schekker gegenüber optimistisch: „Wir bauen heute die besten Autos mit Verbrennungsmotor der Welt. Wenn ich mir die Projekte ansehe, die wir bisher auf den Weg gebracht haben, bin ich davon überzeugt, dass wir dieses Ziel auch erreichen werden.“
Offene Fragen und Probleme
Damit die mit Strom betriebenen Fahrzeuge nicht nur marktreif, sondern auch alltagstauglich werden, arbeiten alle Beteiligten in sieben Arbeitsgruppen daran, die offenen Fragen zur klären: Wie wird die Infrastruktur aussehen? Inwieweit wird die individuelle Mobilität ausgebaut? Welche Förderung braucht die Forschung und Entwicklung? Wird es direkte Kaufanreize in Form von Prämien geben? Kann man europaweite Standards durchsetzen, um ein Ladekabelchaos wie im Handymarkt zu vermeiden?
Und nicht nur das. Neue Verkehrsmittel bieten ebenso ein breites Potential für junge Leute. So werden auch Pläne zur Nachwuchsförderung und Qualifizierung erstellt. Denn ein Kfz-Mechaniker muss dann einfach andere Dinge lernen als heute. An all diesen Problemen arbeiten Experten aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Verbraucherverbänden seit Mai 2010 eng zusammen. Und aktuell sieht es gut aus, denn „die Arbeitsgruppen arbeiten mit Hochdruck und werden im Herbst erste Ergebnisse vorlegen“, so Scheuer.
Der Verbraucher muss erst einmal überzeugt werden
Ein Ziel der Bundesregierung ist es, „Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität“ zu machen und so auf die internationale Konkurrenz vorzubereiten. Dafür stehen zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Das Hauptaugenmerk liegt neben der Förderung von Projekten zur angewandten Forschung und Entwicklung bei der Marktvorbereitung. Auch der Verbraucher muss erst einmal von den neuen Möglichkeiten überzeugt werden. „Öffentlicher Nahverkehr, Kurier- und Pflegedienste, Behörden und Kommunen könnten als erste Nutzer vorangehen“, erklärt Scheuer.
Schekker erzählt er weiterhin seinen Traum von einem mobilen Deutschland der Zukunft: „Ich wünsche mir langfristig, dass ein Elektrofahrzeug einem herkömmlichen Auto in nichts nachsteht. Auch eine Familie mit Kindern muss sich ein Elektroauto leisten und damit in den Urlaub fahren können.“


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