Schekker-Autor Franziskus studiert ein Semester im Erasmus-Programm an der Universidad Complutense de Madrid. Neben Credit-Points will er vor allem Erfahrungen sammeln und Spanien kennenlernen. In Teil 2 unserer kleinen Serie berichtet er von deutsch-spanischen Gemeinsamkeiten in Sachen Möbeln und Dozenten.
Ohne Schmerzen lässt es sich leichter lernen – davon bin ich überzeugt! Das sollte mal jemand denjenigen erklären, die sich mit der Ausstattung von Hörsälen und Seminarräumen beschäftigen. Liebe Innenarchitekten: Sitzt ihr vor dem Kauf der Möbel eigentlich auch mal Probe?
Die ersten Stunden in den Kursen der Universidad Complutense de Madrid haben mich diese traurige Gemeinsamkeit spanischer und deutscher Unis spüren lassen. Ich habe hier mit vielen Studenten unterschiedlicher Größe gesprochen und ausnahmslos alle bestätigen: Auf den Sitzbänken der Hörsäle und Seminarräume lässt es sich weder gerade noch in Schieflage sitzen. Entweder man rutscht durch einen ominösen Winkel der Sitzfläche ständig von dieser herunter oder aber man erreicht mit den Armen noch nicht einmal den Tisch vor sich, um mitzuschreiben. Hinzu kommt die erdrückende Enge – ganz wie bei dem deutschen Hörsaal-Mobiliar
Regelmäßig 30 Minuten zu spät
Auch die Schieflage ändert nichts daran, dass die Stühle an Franziskus’ Uni unbesitzbar sind. Foto: Franziskus Bayer
Soviel nun zu den Gemeinsamkeiten. Bei den Möbeln hören diese nämlich auch schon wieder auf. Meine Masterkurse erstrecken sich jeweils über drei Zeitstunden, nicht jeder Dozent macht eine Pause. Zusätzlich zu den körperlichen Strapazen leidet darunter natürlich auch die Konzentration. Außerdem ist das eine ziemliche Umstellung gegenüber den 90-minütigen Kursen in Deutschland.
Vor Beginn meines Erasmus-Aufenthalts wurde ich gewarnt: „Du musst dich daran gewöhnen, dass keine Veranstaltung pünktlich beginnt“, sagten meine Freunde. Sie hatten voll und ganz recht, aber gewöhnen kann ich mich bisher daran nicht. Vor allem nicht daran, dass in meinen Kursen drei von vier Dozenten grundsätzlich 20 bis 30 Minuten zu spät kommen. Das hat nichts mit der akademischen Viertelstunde zu tun, denn die gibt es an meiner Fakultät offiziell nicht. Viel mehr erachte ich es als respektlos, denn die meisten Studenten sitzen pünktlich im Raum und viele der Dozenten überziehen dann die Sitzungen am Ende. Von einem Dozenten kam immerhin eine klare Ansage, und das rechne ich ihm hoch an: „Der Kurs beginnt um 15.30 und endet um 18.30 Uhr, ich bitte Sie darum, pünktlich zu sein, dies ist unserem gegenseitigen Respekt geschuldet!“
In Deutschland überziehen zwar viele Dozenten in ihren Seminaren, aber immerhin beginnen sie pünktlich und es geht keine Zeit durch Herumsitzen verloren.
Anekdoten statt Wissensstoff
Die Dozenten in Madrid gestalten ihre Seminare genauso vielfältig wie an meinen Heimatuniversitäten. Dies bedeutet: Keine Vielfalt innerhalb des Seminars, aber Vielfalt bei den Dozenten. Denn auch hier gibt es solche, die tatsächlich nur streng fachlich dozieren, und andere, die mit Anekdoten aus ihrem Leben die Seminarzeit füllen. Die eifrigen Studenten schreiben in diesen Kursen alles mit, was der Dozent sagt, denn es könnte wichtig für die Klausur sein – womöglich gar die Anekdoten.
Auf der anderen Seite stehen aber auch lebhafte Diskussionen und Beteiligung des ganzen Kurses. Mein Resümee der ersten Kurswochen: Eine europa- oder besser gleich weltweite Initiative für benutzbare und bequeme Hörsaal-Möbel gründen, Sitzfleisch aneignen und am besten einen Sammelband der besten Dozenten-Anekdoten herausgeben.
Im ersten Teil der kleinen Serie berichtet Franziskus von seiner Wohnungssuche in Madrid.


