Kannst du mir den Begriff noch mal erklären? Wie viele Leistungspunkte brauche ich und wofür stehen die Leistungspunkte überhaupt? Kommt das in der Klausur dran? Müssen wir uns dafür einen Reader aus dem Copy-Shop holen? – Das sind alles typische Fragen, die Tutoren ihren frischgebackenen Studenten mit Gelassenheit und einem Lächeln auf den Lippen beantworten. Schließlich geht es für die Tutoren darum, junge Studierende wie euch, die noch nicht so viel Erfahrung haben und sich erst an ihrer Hochschule einleben müssen, durch ihr Studium zu begleiten.
Ein Tutor ist ein…
Alle unter euch, die ihr Abi machen, haben den Begriff „Tutor“ sicher schon einmal gehört. In der Schule ist der Tutor ein Lehrer, der sich intensiv um seine Schüler kümmert, so ähnlich wie ein Klassenlehrer. So in der Art ist das auch bei einem Tutor an der Uni – der kümmert sich ebenfalls um seine Studenten, allerdings soll er ihnen vor allem dabei helfen, sich selbst zu helfen. Denn was die Hochschulen von normalen Schulen abhebt ist, dass sie von ihren Studenten viel Eigeninitiative erwarten.
Ganz allgemein gesprochen könnt ihr Tutoren als Kommilitonen ansehen, die bereits wissen, worauf es beim jeweiligen Fach ankommt. Tutoren betreuen in ihren Kursen stets mehrere Studenten auf einmal – meist sitzt man ungefähr mit zehn bis fünfzehn anderen Studenten in einer Gruppe zusammen. Der Vorteil: Der Stoff lässt sich besser verstehen und man lernt ganz nebenbei auch noch andere Mitstudenten kennen.
Gerade im ersten Semester an einer Hochschule fällt die Orientierung oft schwer. Tutorien können hefen. Foto: Francisco Osorio, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)
Welche Arten von Tutorien gibt es?
An Unis begegnet man immer wieder kompliziertem Stoff, den man natürlich nicht gleich versteht. Im vollbesetzten Hörsaal traut man sich dann auch nicht immer nachzufragen. Hier können studentische Tutoren gute Hilfe leisten. In den direkt dafür vorgesehen Tutorien gehen sie mit euch den Lehrstoff nochmal durch, beantworten eure Fragen, geben nützliche Tipps für ergänzende Literatur oder machen gezielte (Rechen-) Übungen.
Aber es gibt nicht nur die Tutorien, in denen man lernt, wie man Statistiken berechnet oder was bestimmte Begriffe bedeuten. Wer mal in einer Unibibliothek war, der weiß, dass es dort unheimlich viel zu entdecken gibt – aber leider kann man sich in ihnen auch sehr leicht verirren und ist aufgeschmissen, wenn man nicht weiß, wie man die passende Literatur zu seinem Thema findet. Glücklicherweise kann man an vielen Hochschulen an Bibliotheksführungen teilnehmen – und auch dafür werden studentische Tutoren eingesetzt, die euch alles Nötige zeigen und erklären.
Und wofür braucht man diese Bibliotheken dann später? Ganz klar: zur Prüfungsvorbereitung und zum Schreiben von Studien- und Abschlussarbeiten. Dazu muss man natürlich erst einmal lernen, wie solche wissenschaftlichen Arbeiten überhaupt verfasst werden. Denn auch dafür gibt es feste Regeln, die von Studienfach zu Studienfach unterschiedlich sein können – gerade im Hinblick auf Zitierweisen oder Textformatierungen. Ihr wisst nicht, wie das geht? Kein Problem, eure Tutoren helfen euch gern in eigens dafür eingerichteten Veranstaltungen.
Ihr seht also: Während sich die einen Tutorien direkt mit dem Lehrstoff beschäftigen, bekommt man in anderen einen besseren Einblick in den studentischen Alltag und ins wissenschaftliche Arbeiten. Eins haben sie aber alle gemeinsam: Sie sind für jeden „Ersti“ eine ideale Hilfe – auch um andere Studenten kennenzulernen.
Wie läuft so eine Tutoriumssitzung ab?
Ich selbst habe im letzten Semester als Tutorin angehenden Erziehungswissenschafts- und Lehramtsstudenten pädagogische Grundbegriffe erklärt. Mein Tutorium fand damals alle zwei Wochen statt. Am Anfang habe ich immer die Anwesenheit kontrolliert, die war nämlich verpflichtend. Zehn Minuten am Anfang waren für allgemeine Fragen zum Stoff oder zu formellen Fragen vorgesehen. Wir haben die aber selten ausgereizt – viele Fragen waren einfach schon klar. Den Rest der Sitzung – sie dauerte immer eine Stunde – haben wir uns mit den konkreten Aufgaben der Dozenten beschäftigt und sind den Stoff aus den Vorlesungen noch einmal durchgegangen, zum Beispiel mit Hilfe von wissenschaftlichen Texten. Danach haben wir ausgiebig über die Materialien gesprochen.
Wer an Tutorien teilnimmt, findet sich besser in der Hochschule zurecht – und wird später vielleicht selbst Tutor. Foto: Francisco Osorio, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)
Was haben die Hochschulen davon?
Am Ende sind die Tutoren aber nicht nur für Studenten eine große Hilfe, auch die Hochschulen freuen sich darüber, dass es sie gibt. Denn studentische Tutoren haben einen ganz anderen Blick auf den Lehrstoff als „normale“ Dozenten.
Ich jedenfalls habe mich immer gefreut, tolle Tutoren an meiner Seite zu haben. Wenn ich die nicht gehabt hätte, wüsste ich heute wahrscheinlich immer noch nicht, wie man richtig forscht oder Veranstaltungen belegt. Ich kann allen angehenden Studenten unter euch nur empfehlen, Tutorien zu nutzen, falls sie angeboten werden. Und wer weiß, vielleicht steht ihr dann schon bald selbst den neuen Studenten als Tutoren zur Seite und beantwortet ihnen all die Fragen, die ihnen auf der Seele brennen.


