Ein Klick – und wir können problemlos japanische Zeitungen im Internet lesen. Über Facebook chatten wir mit Freunden im Ausland oder suchen nach einer Übernachtungsmöglichkeit für den nächsten Asientrip. Das Internet lässt räumliche Distanzen an Bedeutung verlieren und treibt damit die Globalisierung maßgeblich voran.
Das Wort Globalisierung kommt von „global“ und das bedeutet „weltumspannend“. In einer globalisierten Welt sind Kontinente und Staaten in allen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Umwelt, Kommunikation, Kultur etc.) miteinander verflochten. Als wesentliche Ursache gelten der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte. Dazu gehören vor allem der Ausbau des Transportsystems und die Entwicklung des Internets – sowie die politischen Entschlüsse zur Liberalisierung des Welthandels.
Der Begriff „Globalisierung“ tauchte in einem wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhang erstmals in den 1980er Jahren auf. Aber so richtig populär ist er erst seit den 1990er Jahren. Wann genau der Globalisierungsprozess aber begann, ist umstritten. Die Entwicklung des Internets wird oft als Ausgangspunkt genannt, aber auch zum Beispiel der Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert oder die Gründung der Montanunion 1951. Auf der Suche nach den Anfängen verweisen einige sogar auf das Jahr 1499. Damals entdeckten die Portugiesen den Seeweg nach Indien und es entwickelte sich erstmals so etwas wie ein globaler Handel.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Grad der Globalisierung eines Landes zu bestimmen. Die gebräuchlichsten sind der Globalisierungs-Index (GI) und der Human Development Index (HDI). Der GI orientiert sich an den In- und Exportraten eines Landes, der Zahl der Internet-Knotenpunkte, der Zahl der Airline-Abflüge und der Dauer aller Auslandstelefonate. Der HDI stellt den Stand der menschlichen Entwicklung dar und zieht als Indikator beispielsweise die Lebenserwartung, die Bildungschancen und den Grad der Alphabetisierung heran. Deutschland liegt beim GI auf dem 16., beim HDI auf dem 10. Rang.
Unabhängiger von Zeit und Raum
In der globalisierten Gesellschaft haben Raum und Zeit an Bedeutung verloren. Das verdeutlicht ein Beispiel aus der Wirtschaft: Früher waren Unternehmen an ihren Standort gebunden. Dort mussten sie produzieren und auch verkaufen. Heute kann ein T-Shirt-Hersteller seine Stoffe in China weben lassen, die Waren per Flugzeug zum Bedrucken nach Indien schicken und sie später in Deutschland und der restlichen Welt zum Verkauf anbieten. Das ist gut für den weltweiten Handel und den Austausch von Gütern und auch Informationen. Die Globalisierung bietet also vielen Ländern große Wachstumschancen.
Globalisierung auf Kosten der Armen und der Umwelt?
Indem Unternehmen ihre Produktionsstandorte frei wählen können, produzieren viele ihre Waren auch dort, wo es am günstigsten ist. In armen Ländern, zum Beispiel in der Dritten Welt, arbeiten die Menschen für sehr wenig Geld, oftmals ohne Kranken- oder Sozialversicherung. Das macht ihre Arbeit sehr günstig – und damit so begehrt für die Unternehmen.
Aber auch Umweltschutz ist teuer. Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 zur Erweiterung des Klimaschutzes von den Mitgliedern der Vereinten Nationen unterzeichnet. Seit der Unterzeichnung des Protokolls müssen Unternehmen in vielen Ländern zahlen, wenn sie zu viel CO2 produzieren. Die freie Standortwahl macht es aber möglich, die Produktion in Länder zu verlegen, in denen es noch keine Gesetze zum Schutz der Umwelt gibt. Somit hat die Globalisierung auch erhebliche Folgen für die Natur.
Kritik am Globalisierungsprozess
Damit einhergehend haben sich in den letzten Jahren verstärkt Organisationen und Netzwerke formiert, die sich kritisch zum Globalisierungsprozess äußern, wie zum Beispiel Attac. Sie kämpfen gegen die negativen Auswirkungen an. Ihrer Ansicht nach vergrößert die Globalisierung den Abstand zwischen armen und reichen Ländern. Sie fordern einen fairen Welthandel, einen Schuldenerlass für Entwicklungsländer und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die spekulativen Handel durch Kosten verringern soll.
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