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Pro: Benjamin Heutzutage ist das Ehrenamt wichtiger denn je. Während in der Schule, an der Uni oder auf der Arbeit unsere Leistung ständig in Noten, Bewer- tungen oder Geld gemessen wird, haben wir als Ehrenamtliche die Chance, uns frei von jedem Konkurrenzgedanken in die Gesellschaft einzu- bringen. Dennoch ist die Zahl der Vereinsmitglieder seit 1990 von 62 auf 44 Prozent der Bevölkerung gesunken. Erklärt wird dieser Rückgang mit der zunehmenden Beanspruchung im Job. Im Idealfall schafft eine ehrenamtliche Tätigkeit aber nicht zusätzlichen Stress, sondern sorgt für einen Ausgleich zu den Pflichten des Alltags. Das heißt nicht, dass man nicht auch Verpflichtungen eingeht, wenn man sich engagiert. Aber Ehrenamt macht Spaß! Man trifft Gleichgesinnte, ist unter Leuten und hat das Gefühl, etwas zu erreichen. Ob im Fußballverein, in dem man als Jugendtrainer ein bisschen von dem weiter gibt, was man selbst in seiner Jugendzeit erhalten hat oder in einer politischen Partei oder kulturellen Organisation, in der man sich um ein gutes gesellschaftliches Miteinander bemüht – als Teil einer Gemeinschaft arbeitet man an kleineren und größeren Zielen. Millionen Freizeitkicker könnten nicht den kleinen Cristiano Ronaldo spielen, wenn nicht Jugendliche und Erwachsene freiwillig einen Teil ihrer Freizeit opfern würden. Viele Kinder würden sich in den Ferien langweilen, wenn die Jugendfreizeit aus Mangel an Betreuern ins Wasser fiele. Was ist die Alternative zum Ehrenamt? Bezahlte Stellen überall? Das kann nicht das Ziel sein: Es würde die Vereine in den finanziellen Ruin treiben oder einkommens-schwächere Familien vom in vielen Bereichen sehr preiswerten Vereinsleben ausschließen. Stattdessen muss unsere moderne Gesellschaft anerkennen, dass Leistung längst nicht mehr in Quantität, sondern in Qualität der Arbeit zu messen ist. Der Arbeitgeber muss Freiräume schaffen für Familie und soziale Kontakte. Wer diese Freiräume hat, wird sich häufiger ehrenamtlich engagieren. Ehrenamt ist ein Geben und Nehmen: Wer als Kind vom Engagement anderer profitiert hat, bringt sich nun selbst ein. Im Gegenzug bekommt er Anerkennung, Spaß, Gemeinschaft und Erfolgs-erlebnisse, die sich ausnahmsweise einmal nicht in materiellen Gütern messen lassen. |
Contra: Verena Ehrenamtlich arbeiten oder sich engagieren, meist also eine soziale Tätigkeit ohne Bezahlung ausüben, kann man in vielen Bereichen und Institutionen. Viele von diesen Einrichtungen fragen dabei aber nicht nach der Qualifizierung des Freiwilligen, sondern sind froh, wenn sie jemanden finden, der Zeit mitbringt. Damit ist aber auch ein großes Risiko verbunden: Bestimmte Personen sind beispielsweise in der sozialen Arbeit einfach nicht geeignet. Beispiel Lerntandems: Ehrenamtliche machen mit Schülern zusammen Hausaufgaben, begleiten sie auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden und sollen sie unterstützen. Wer kontrolliert da, ob dadurch das Kind nicht eher geschädigt als gefördert wird? Es existiert hierbei ja auch kein pädagogisches Konzept, das den Ehrenamtler führt. Auch die brauchen nämlich erst mal Anleitung! Ein anderer wichtiger Punkt ist die Vergütung. Schwierig wird es, wenn man rücksichtslos als günstige Arbeitskraft ausgenutzt wird und die Einrichtung nur Personalkosten einsparen möchte. Das ist zum Beispiel oft bei FSJlern der Fall, welche ja auch ein gewisses Ehrenamt ausüben. FSJler oder Bufdis können einfach keine eigene Krankenhausstation selbst übernehmen. Hier ist es angesagt, selbst Grenzen zu setzen. Denn: ein gewisser Grad an Selbstschutz ist wichtig. Viele Ehrenamtliche gehen in ihrer Tätigkeit so auf und machen sich unentbehrlich, dass der lobenswerte Vorsatz die Welt mit altruistischem Handeln etwas besser machen zu wollen, bald in Überforderung endet: „Könntest du nicht auch noch freitags arbeiten? Ist ja für ‘ne gute Sache und wir brauchen dich dringend!“ Im Ehrenamt fühlt man sich schnell mal zu etwas verpflichtet, da es ja um etwas Gutes geht. Wieder andere nutzen das Ehrenamt um sich positiv zu profilieren. Als Pluspunkt im Lebenslauf sozusagen. Hier nutzt das Ehrenamt nur dem, der es ausführt. So mancher brüstet sich mit seiner Gutmenschlichkeit oder ist auf mediale Aufmerksamkeit aus. Egal, was die Motivation für ein Ehrenamt ist: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Ehrenamt ist also nur unter bestimmten Bedingungen nützlich. Sonst spricht leider vieles dagegen. |


