Offiziere der Bundeswehr kommen regelmäßig an Schulen, um über ihre Arbeit zu berichten. Das sorgt bei dem einen oder anderen für Unmut, denn die Infostunden werden von manchen als Werbeveranstaltungen für die Bundeswehr empfunden. Schekker-Autoren Michael und Enis beziehen Stellung.
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Pro: Michael Mit gut 180.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten ist die Bundeswehr ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Doch wie das Militär wirklich arbeitet, wissen viel zu wenige. Gerade im Politikunterricht ist es wichtig, dass alle Seiten eines Themenkomplexes beleuchtet werden. Wieso sollte die Bundeswehr also, ebenso wie viele andere Organisationen auch, nicht das Recht haben, in der Schule aus erster Hand über ihre Arbeit zu informieren? Seit einiger Zeit darf die Bundeswehr Informations-stunden in Schulen geben. Um sicher zu stellen, dass dies neutral und nicht einseitig abläuft, gibt es den Beutelsbacher Konsens. Darin sind die theoretischen Grundlagen der politischen Bildung in Deutschland seit 1976 formuliert. Zu diesen Regeln für die pädagogische Praxis gehört etwa das sogenannte „Überwältigungsverbot“. Es verpflichtet die Offiziere, die Schüler nicht in eine bestimmte Richtung zu drängen. Die Infostunde darf also nicht zu einer Werbeveranstaltung für die Bundeswehr ausarten. Somit kann von einer Militarisierung der Gesellschaft oder einer Verharmlosung von Krieg und Auslandseinsätzen keine Rede sein. Denn wenn Offiziere von Auslandserfahrungen und dem täglichen Armeeleben berichten, wirkt das auf viele Jugendliche wahrscheinlich sogar eher abschreckend. Die in Absprache mit den Lehrern und Schulen entwickelten Informationsstunden sind dem-entsprechend ein wichtiger Bestandteil der aktiven Friedenserziehung in der Schule. Sie sind unentbehrlich, wenn man einen umfassenden Dialog über Krieg, Frieden und die Rolle der Streitkräfte führen will. Erst eine kritische Auseinandersetzung mit diesen brisanten Themen ermöglicht es den Schülern, eine politische Situation und ihre eigene Interessenlage zu analysieren. Sich gegenüber der Bundeswehr zu verschließen, wäre daher kontraproduktiv. |
Contra: Enis Die Schule hat den öffentlichen Auftrag zu erziehen und zu bilden. Sie ist also dazu verpflichtet, neutral zu sein. Deshalb ist beispielsweise Produktwerbung an Schulen in fast allen Bundesländern verboten. Doch seit einiger Zeit werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Schulen Werbeverträge mit der Bundeswehr abgeschlossen haben. Die Länder und Kommunen, die das dulden, wollen damit ihre Kassen auffüllen. Für die Bundeswehr ist die Schule jedoch nur ein potenzieller Absatzmarkt. Werbung und Schule: Das passt nicht zusammen. Deshalb lehne ich die Bundeswehrpräsenz an Schulen klar ab! Solch eine Entwicklung führt dazu, dass die Schulen noch unterschiedlicher werden. Es gibt Schulen, die aufgrund ihres positiven Images Sponsoren finden; andere Schulen hingegen sind für Firmen nicht interessant. Schon jetzt zeichnet sich dieser Trend ab: Westdeutsche Schulen profitieren mehr von privaten Zuwendungen als ostdeutsche und Gymnasien mehr als Sonderschulen. Aber wollen wir Kinder und Jugendliche wirklich an Schulen lernen, an denen uns der Dienst an der Waffe schmackhaft gemacht wird? Da Unternehmen Bildung, Wissenschaft und Forschung immer mehr beeinflussen, muss die Devise für die künftige Regierung genau andersherum lauten: Raus mit Werbung aus den Schulen! Die Finanzierung des Schulwesens ist ohne Zweifel Aufgabe der öffentlichen Hand. Dennoch wäre es hilfreich, wenn sich die Wirtschaft wieder mehr an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben beteiligt. Allerdings über den Weg des Steuersystems, nicht in Form von gezielter Werbung und Manipulation! |




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