Katharina Reich ist Polizei- kommissarin - momentan allerdings noch in der Probezeit. Foto: Katrin Werner.

Katharina Reich, 24, ist Polizeikommissarin in der Probezeit und arbeitet gerade im Ermittlungsdienst am Münchner Hauptbahnhof. Warum ihre Arbeit aufregend ist, und wie man Polizistin wird, erzählt sie Schekker.

Nach dem Abitur beschloss Katharina, in den gehobenen Dienst zur Bundespolizei zu gehen. Meistens haben die Menschen unrealistische Vorstellungen von der Polizei. Nicht alles läuft so wie im „Tatort“, erklärt sie: „Bei uns fliegt nicht jeden Tag ein Auto in die Luft oder wir haben eine Schießerei. Ich könnte spontan auch keinen Kollegen nennen, der seine Schusswaffe auch einmal wirklich gebraucht hat.“ Die Tatort-Polizisten gehen außerdem manchmal ohne Durchsuchungsbeschluss in die Wohnung eines Verdächtigen. Das funktioniert rechtlich gesehen in Deutschland nicht. „Da schlage ich beim Zusehen manchmal die Hände über dem Kopf zusammen! So einfach ist das nicht, aber anders wäre es für den Zuschauer wohl langweilig.“ Die Ausbildung zur Polizeibeamtin sieht auch ganz anders als in Filmen aus.


Auf ihre Kollegen muss sich Katharina verlassen können. Das ist die einzige Gemeinsamkeit mit der Serie "Tatort". Foto: Katrin Werner.

Erst studieren, dann probieren!

Eine Bewerbung bei der Polizei ist nicht mit einem einfachen Anschreiben getan. Man muss einen Intelligenz-, Wissens- und Sporttest bestehen. „Wenn man in seiner Freizeit Sport treibt und einigermaßen fit ist, kann man die aber locker schaffen. Ich spiele zum Beispiel Volleyball“, meint Katharina. „In der mündlichen Prüfung sollte man selbstsicher sein und sich nicht verunsichern lassen.“

Ist man angenommen, geht es nach Brühl zu einem sechsmonatigen Grundstudium und einer abschließenden Zwischenprüfung. Hat man die bestanden, studiert man in der Lübecker Bundespolizeiakademie zweieinhalb Jahre. Zwischendurch wird die Praxis nicht vernachlässigt: Angehende Polizisten müssen ein mehrmonatiges Kontroll- und Streifenbeamtenpraktikum, zum Beispiel an einer Grenz- oder Bahninspektion, absolvieren. Hier werden die Grundfertigkeiten erlernt, wie zum Beispiel Streife laufen, Personalien aufnehmen, Festnahmen, alles was ein Polizist mindestens können sollte. Anschließend folgen die Praktika als Gruppenleiter oder Gruppenführer sowie Dienstgruppenleiter und Hundertschaftsführer. Diese Praktika finden ebenfalls in einer Dienststelle statt, sind speziell für den gehobenen Dienst gedacht und befähigen den Polizeischüler, später möglicherweise einen ganzen Großeinsatz selbstständig zu koordinieren und den Kollegen Anweisungen geben zu können.

In der gesamten Ausbildung gilt das Motto: zuerst die Theorie, dann die Praxis. Zum Beispiel lernt man erst den Sinn und rechtliche Bedingungen des Schusswaffengebrauchs, bevor man selber eine Waffe in die Hand nehmen kann. Auch nach der Ausbildung sind regelmäßige Schießübungen für Polizisten Pflicht.


Ein Polizist hat nicht nur heiße Einsätze, sondern muss sich auch um den Papierkram kümmern. Foto: Katrin Werner.

Zwischen Büro und Großeinsatz

Einen typischen Polizeialltag gibt es für Katharina nicht. „Man geht hier jeden Tag zur Arbeit und weiß früh nicht, was auf einem zukommt. Die Vielfalt an unterschiedlichen Aufgaben ist schön“, schwärmt sie. Die Bundespolizei arbeitet im Schichtdienst und das kann wegen den ungewöhnlichen Arbeitszeiten anstrengend sein. Wenn man eine Schicht zu ungünstiger Zeit hat, gibt es dafür aber eine Zulage. „So komme ich manchmal auf 300 Euro mehr im Monat“, erklärt Katharina. „Ich bin trotzdem sehr froh, wenn ich frei habe. Es gibt zwar auch stressfreie Tage. Aber oft passieren die Großeinsätze von einer Sekunde auf die nächste, ohne dass man das früh geahnt hätte. Dann muss die komplette Dienstgruppe arbeiten.“ Bei Großeinsätzen und Massenveranstaltungen wie dem Oktoberfest bekommt die Polizeiwache am Hauptbahnhof auch von anderen Dienststellen Unterstützung. Die Aufgaben wären sonst nicht zu bewältigen.

Weitere Informationen zum Beruf des Polizisten findet ihr hier:
www.bundespolizei.de
www.polizei.de
www.bka.de
www.dhpol.de
www.polizei-beratung.de

Für eine Ausbildung bei der Bundespolizei kann man sich noch bis Ende des Jahres bewerben.

Belastendes besser auf Arbeit lassen

„Es gibt natürlich auch weniger schöne Momente, in denen ich mir Gedanken über das Leben und den Tod mache. Dazu braucht es nicht erst einen Toten. Zum Beispiel ist es sehr hart, wenn ich mich entscheiden muss, ob ich im Winter einen Obdachlosen aus dem Bahnhof schicke oder drinnen lassen kann. Oft gehe ich dann mit einem unguten Gefühl nach Hause.“ Katharina versucht aber, die Gedanken, die sie belasten, auf der Arbeit zu lassen. „Wenn es einmal Probleme gibt oder mir etwas zu viel wird, kann ich mit Kollegen oder notfalls auch mit meinen Freunden darüber reden.“ Auch wenn sie schon jemand als „Bulle“ beschimpft, nimmt Katharina keine schlechten Gefühle mit nach Hause. Inzwischen ist das ein gängiges Wort für sie geworden.
 

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