Berlin - eine pulsierende Metropole Foto: Frank Grätz

„Guten Morgen Berlin – Du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau.“ Peter Fox besingt in seiner Hymne an die frühen Morgenstunden Berlins, wofür es eigentlich keine Worte gibt: Die Faszination der Bundeshauptstadt.

Berlin und seine Vergangenheit

Kaum eine andere Stadt in Deutschland blickt auf eine so bewegte Vergangenheit zurück wie die Bundeshauptstadt.

Trotz seiner relativ jungen 800 Jahre hat der Stadtstaat Berlin seit der ersten urkundlichen Erwähnung viele Höhen und Tiefen erlebt. Im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der ehemaligen Hansestadt zerstört. Die Stadt trägt die „Wunden“ dieser Zeit offen zur Schau, wie zum Beispiel an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz. Sie ist immer noch halb zerstört. Das „berühmteste Bauwerk“ der Stadt, die Berliner Mauer, ist durch erhaltene Stücke, wie die am Potsdamer Platz, noch immer präsent, wenn man nach ihr sucht. Berlin erinnert seine Besucher und Einwohner an diese Zeit: Zum Thema „20 Jahre Mauerfall – 20 Jahre Berlin im Wandel“ werden in der gesamten Stadt zurzeit Ausstellungen gezeigt.

Berlin und die deutsche Politik

Inschrift am Deutschen Reichstag in Berlin.
Der Reichstag ist nicht nur moderner, sondern erinnert auch an die deutsche Geschichte. Foto: Katharina Langbehn.

Die deutsche Politik in Berlin zeigt sich moderner und zugleich geschichtsbewusster als jemals zuvor.

 

Seit Berlin zur Hauptstadt Preußens ernannt wurde, war Berlin Zentrum politischen Lebens. Mit dem Umzug des Bundestages im September 1999 von Bonn nach Berlin, veränderte sich die deutsche Politik. Heute präsentiert sie sich offener, moderner und zugleich geschichtsbewusster als jemals zuvor. Auch das Reichstagsgebäude zeugt von der neuen Offenheit: auf dem Dach des Gebäudes thront eine riesige Glaskuppel, die vom britischen Architekten Sir Norman Foster konzipiert wurde. Nicht umsonst ist das deutsche Parlament eine der meist besuchten Volksvertretungen der Welt. Im Gebäude selbst stellen über 111 Künstler ihre Malereien und Installationen aus.

Berlin und die Künstler

Einkaufspassage in Berlin
Den besonderen Charme der Stadt findet man zum Beispiel am Abend in Friedrichshain. Foto: Katharina Langbehn.

Peter Fox und Co. können einfach nicht ohne Berlin. In der Bundeshauptstadt gibt es Inspiration und eine Nische für Jedermann.

Berlin wird in über 120 Liedern besungen und ist Schauplatz unzähliger Spielfilme. Nicht nur Peter Fox widmet der Bundeshauptstadt unzählige Lieder, auch Künstler wie Rosenstolz und Udo Lindenberg lassen sich von der einzigartigen Atmosphäre Berlins inspirieren. Doch nicht nur den namhaften und bereits erfolgreichen Künstlern sagt der Charme der Stadt zu. Unzählige Nachwuchskünstler, wie Musiker, Schriftsteller, Schauspieler und Maler, zieht es fast magisch in die Hauptstadt. Dadurch ist das Berliner Kulturleben unvergleichbar vielfältig. Es gibt unzählige Museen und Theater, darunter so bekannte wie das Deutsche Theater oder die Museumsinsel. Es sind auch - oder gerade die kleinen Ateliers, die beweisen, dass Berlin jedem eine Nische bietet.

Berlin und seine Kontroversen

Die Oberbaumbrücke mit zwei Türmen
Die Oberbaumbrücke verbinden Friedrichshain und Kreuzberg. Foto: pixelio.de/Jochen Sievert

Gestritten wird auch in Berlin. Dort sind die Stadtbewohner jedoch bereit, hartnäckig für ihre Ziele zu kämpfen.

Eigentlich könnte alles so schön sein. Mit seinen fast 3,5 Millionen Einwohnern ist Berlin die bevölkerungsreichste Stadt Deutschlands. Als gleichzeitig flächengrößte Stadt Deutschlands stoßen auf ihren knapp 891 km2 verschiedene Kulturen und Bevölkerungsschichten aufeinander. Doch Probleme gibt es auch in dieser Stadt. Zum Beispiel entwickelt sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, einstige Heimat von Menschen mit Migrationshintergrund, Studenten und Künstlern, zu einem Multimediaviertel. Das Investorenprojekt „Mediaspree“ möchte am südlichen Spreeufer nämlich neue Bürogebäude, Lofts, Hotels und andere Neubauten entstehen lassen. Bürgerinitiativen, wie „Mediaspree versenken e.V.“, protestieren gegen die Bebauung „ihrer“ Spree und die damit einhergehenden höheren Mietpreise. Die Empörung vieler Friedrichshainer zeigt, wie stark sie in ihrem Bezirk verwurzelt sind und mit welcher Inbrunst sie gegen gefürchtete Veränderungen kämpfen wollen.

Berlin und die Touristen

Imbissbude
Im Curry 36 soll es die beste Curry Wurst in Berlin geben. Foto: Katharina Langbehn.

Das Besondere an Berlin entdeckt man nicht durch den Genuss von überteuerten Getränken, sondern indem man die Augen für die Kleinigkeiten offen hält.

Weil sich Weltstadtflair in Berlin mit dörflichen Idyll paart und große Einkaufszentren neben winzigen Cafés eröffnen, besuchen jährlich inzwischen fast 18 Millionen Menschen die Bundeshauptstadt. Das sind mehr Besucher als in Hamburg und München zusammen. Am Brandenburger Tor lassen sie sich bei glühender Hitze mit Männern in Soldatenuniform fotografieren. Mit der Rikscha geht es von dort aus an der Humboldt-Universität, der Neuen Wache und der Staatsoper vorbei zum Alexanderplatz – unter permanenter Lebensgefahr mitten durch den starken Stadtverkehr. In den Hackeschen Höfen, einem Hofareal, das für Kunst, Kultur, Gastronomie und Wohnfläche genutzt wird, nehmen sie völlig überteuerte Getränke zu sich. Danach warten weitere Auszüge aus dem schier unendlichen Repertoire der Berliner Sehenswürdigkeiten: Die Gold-Else, eine Skulptur die auf der Siegessäule steht, der Dom und die Weltzeituhr am Fernsehturm.


Man kann Wochen in Berlin verbringen, sich an der berüchtigten Berliner Schnauze erfreuen oder sich darüber ärgern. man kann bei Curry 36 essen, einer Pommesbude, wo es angeblich Berlins beste Currywurst gibt. Und man kann Stadtführungen in jeder erdenklichen Sprache mit jedem erdenklichen Fortbewegungsmittel erleben. Doch am wichtigsten ist es, die Augen offen zu halten - und zwar für die Dinge, die nicht im Touriführer stehen.

Berlin und seine Kulturen

Menschen sitzen im Café
Im Café Gorki Park genießen die Menschen ihren Latte Macchiato. Foto: Katharina Langbehn.

Den einen besonderen Ort gibt es in Berlin nicht. Die Stadt gleicht eher einem Mosaik aus Besonderheiten.

Die zwölf Bezirke Berlins, mit ihren insgesamt 95 kleinen Ortsteilen sind historisch gewachsen und haben so über die Jahre ihre eigene Kultur entwickelt. Jeder Bezirk hat seinen eigenen Charme. In den kleinen Cafés, wie dem Gorki Park am Rosenthaler Platz, sitzen Menschen, nippen an ihrem Latte Macchiato und lassen sich vom Puls der Stadt treiben. Junge Eltern schieben am späten Nachmittag den Kinderwagen durch die überfüllten Straßen im Prenzlauer Berg. Auf der Simon-Dach-Straße, seit Mitte der 90er Jahre eine der längsten Kneipenmeilen Berlins, hört man mehr Spanisch, Französisch und Englisch als Deutsch und selbst der ehemals verschriene Stadtteil Kreuzberg ist mit seinem Bergmannkiez längst massentauglich geworden. Den einen besonderen Ort sucht man in Berlin vergeblich, denn es gibt einfach zu viele davon. Wenn es dunkel wird, ziehen auch die Nachtschwärmer rastlos von Bezirk zu Bezirk – immer auf der Suche nach dem Besonderen.

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