Was ist für euch Natur? Foto: Frank Grätz

Einer der größten und bedeutendsten Umweltwettbewerbe für Jugendliche, der BundesUmweltWettbewerb, wird jährlich in Deutschland ausgetragen. In diesem Jahr wird zum 20. Mal zur Teilnahme aufgerufen. Mark Müller-Geers, der Geschäftsführer des Wettbewerbs, kurz BUW, erzählt Schekker.de, worauf es ankommt.

 

Schekker: 20 Jahre BUW – Auf welche Geschichte blickt der Wettbewerb zurück?

Mark Müller-Geers: Seine Geschichte beginnt mit dem Symposium „Zukunftsaufgabe Umweltbildung“ des damaligen Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft 1986 in Bonn. Dort entstand der Auftrag, einen – vorerst regional begrenzten – Wettbewerb zu entwickeln, der Schüler zur Durchführung von Umweltschutzprojekten motivieren sollte. Seit 1990 wird der BundesUmweltWettbewerb für besonders umweltinteressierte und umweltengagierte Jugendliche bundesweit angeboten.


Mark Müller-Geers (zweiter von rechts) mit Jury-Mitgliedern der Internationalen UmweltProjektOlympiade in Istanbul (INEPO) 2009. Foto: Privat

Was war Ihr schönstes oder kuriosestes Erlebnis als Geschäftsführer des BundesUmweltWettbewerbs?

Das schönste Erlebnis bisher war meine erste Preisverleihung im letzten Jahr. Es war wunderbar, den Teilnehmern die wohlverdiente Wertschätzung für ihre großartigen Projekte entgegenzubringen und noch besser war es, mitzubekommen, wie sehr sie sich über diese Anerkennung freuen.
Kurios war die Verleihung eines Preises, über den die Teilnehmerin sich umso mehr gefreut hat, als dass sie von der Schule sehr wenig Rückhalt bei der Arbeit hatte. Für sie war unsere Auszeichnung nicht nur eine Genugtuung, sondern der Preis hat ihr auch noch durch eine Sonderregelung eine mündliche Prüfung im Abitur erspart. Zum Glück kommt es nicht häufig vor, dass Teilnehmer ganz auf sich gestellt sind. Normalerweise sind die Schulen sehr engagiert und unterstützen gerne, aber dieser Einzelfall war wirklich kurios.

Was zeichnet die eingereichten Arbeiten aus?

Das Motto des Wettbewerbs ist „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“. Das erfordert auch, dass man raus geht, Öffentlichkeitsarbeit leistet und mit den eigenen Ideen an Fachleute und Entscheider herantritt. Das fällt vielen erst mal schwer. Da die praktische Umsetzung aber beim BUW explizit gefordert wird, machen sich die meisten jungen Leute für ihre Projekte schließlich doch auf den Weg. Und genau das bringt die Projekte voran und hilft den Teilnehmern, ihre Ideen und auch sich persönlich weiter zu entwickeln – denn sie stellen ihre Ideen zur Debatte und erhalten oftmals viel mehr Unterstützung als zuerst angenommen. Eigentlich handeln die Teilnehmer somit sehr politisch: Sie setzen sich als ein Teil der Gesellschaft für ihre Ideen ein und verändern sie dabei durch ihr Tun. Eine Gruppe hat zum Beispiel ein Konzept für ein Energiesparkonzept für ihre Schule entworfen und auch umgesetzt.

Was bewegen die Arbeiten langfristig und wie werden die Ergebnisse umgesetzt?

Manche der eingereichten Projekte sind auch quasi Ergebnisberichte langjähriger Arbeiten. Beispielsweise hat eine Gruppe eine Arbeit zur naturnahen Gestaltung von städtischen Grünflächen eingereicht. Dabei haben sich die Jungs nach langen Vorarbeiten nicht nur theoretisch überlegt, wie die Gestaltung aussehen könnte, sondern haben mit dem Umweltausschuss der Stadt intensiv über ihre Ideen diskutiert – und letztlich nach einer Planungsphase gemeinsam mit der Stadt mit den ersten naturnahen Begrünungsmaßnahmen begonnen.
Die Erstplatzierten des letzten Wettbewerbs, Florian Trost und Andre Heinrichs, haben eine Arbeit zum Thema "Fitnessgerät zur emissionsfreien Erzeugung von Wasserstoff" eingereicht und die ersten Geräte selbst gebaut. Sie sind schon mit einem Fitnessstudio in Verhandlung getreten, um dort ihr Ergometer als Prototypen aufzustellen.

Wie verläuft die Auswahl der besten Arbeiten?

Jede Arbeit wird zunächst von jeweils zwei Juroren gelesen, die sie unabhängig voneinander in eine Preisklasse einstufen. Weichen diese Bewertungen ab, wird ein drittes Gutachten hinzugezogen.
In einer zweiten Stufe tagt die gesamte Jury und diskutiert alle Arbeiten gemeinsam. Zu dieser Sitzung werden auch die für Hauptpreise nominierten Teilnehmer eingeladen, ihre Arbeit der Jury in 20-30 Minuten live zu präsentieren. Die Haupt- und Sonderpreise werden schließlich bei einer feierlichen Preisverleihung übergeben.
Natürlich gibt es bei der Begutachtung auch ganz konkrete Kriterien: Wie fundiert ist beispielsweise die theoretische Grundlage, wie gut ist die Umsetzung, aber auch wie viel Arbeit steht dahinter, wie sehr hat sich jemand bemüht? Manchmal erscheint ein Ergebnis zunächst gar nicht so spektakulär, aber die Akteure haben dafür bei Null angefangen und alles selbst entwickelt. Auch ein solch initiatives Engagement soll entsprechend gewürdigt werden werden.

Wie bewegen Sie potentielle Teilnehmer dazu, eine Arbeit einzureichen?

Haltet die Augen und Ohren offen, was in eurer Welt passiert und schaut, dass die Umwelt für die nachfolgenden Generationen erhalten bleibt. Übernehmt Verantwortung und setzt eure Ideen in die Tat um!

Wer Lust bekommen hat, sich zu engagieren: die aktuelle Wettbewerbsrunde läuft. Einsendeschluss ist der 15. März 2010.

 

Neben dem Bundesumweltwettbewerb des IPN gibt es verschiedene weitere, zum Teil regionale Ausschreibungen:

- Die Waldjugendspiele: Hier kommen Kinder mit der Natur in Kontakt und verbringen einen Tag im Wald damit, gemeinschaftlich Aufgaben zu lösen, die ihr Umweltbewusstsein schärfen.

- Jugend Forscht: Wer kennt ihn nicht, den Jungforscherwettbewerb? Hier können auch Arbeiten zum Umweltschutz eingereicht werden, die mit einem Sonderpreis „Umwelt“ dotiert sind.

- www.entdecke-die-vielfalt.de: Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren sowie Jugendgruppen sind aufgefordert, Arbeiten in einer von drei Wettbewerbskategorien einzureichen: Natur erforschen/Verantwortlich handeln/Kreativ kommunizieren. Einsendeschluss ist der 18. November 2009
 

 

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