„Schüler Helfen Leben“ ist ein Projekt, das sich alljährlich um die Ausrichtung des „Sozialen Tages“ kümmert. An diesem Tag können Schüler arbeiten gehen und ihr Lohn fließt in gemeinnützige Projekte in Südosteuropa. Dieses Jahr findet der „Soziale Tag“ am 18. Juni statt.
Jannike Schulz, 21 Jahre alt, hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bundesbüro von „Schüler helfen Leben“ entschieden. Warum das trotz Bezahlung ein Ehrenamt ist und wie ihre Arbeit genau aussieht, erzählt sie bei Schekker.
Schekker: Wie hast du vom Projekt „Schüler Helfen Leben“ erfahren?
Jannike: Auf dem Gymnasium, ungefähr in der sechsten Klasse, habe ich beim „Sozialen Tag“ mitgemacht und im Laden meiner Tante geholfen, Postkarten, Bilder und Rahmen zu verkaufen. In den folgenden Jahren machten unsere Lehrer dann nicht mehr mit, weil sie den Unterrichtsausfall vermeiden wollten. Eine Gruppe von Schülern hat daraufhin einen Artikel für die Schülerzeitung verfasst. Darin forderten sie, die Schule solle wieder beim „Sozialen Tag“ mitmachen. Seitdem haben wir uns wieder beteiligt.
Schekker: Warum hast du dich entschieden, dein Freiwilliges Soziales Jahr bei „Schüler Helfen Leben“ zu machen?
Jannike: Ich habe im Internet gelesen, wie viele Bereiche es dort gibt, die total spannend klangen. Es standen Pressearbeit, Aktivenarbeit, Kampagnenarbeit, Schul- und Unterstützerbetreuung zur Auswahl. Mein Favorit war die Aktivenbetreuung und den Bereich habe ich jetzt auch zugeteilt bekommen.
Schekker: Und was machst du da genau?
Jannike: Wenn meine Kollegin aus dem Pressebereich zum Beispiel eine Pressekonferenz organisiert, sorge ich dafür, dass auch ein paar von unseren Aktiven teilnehmen. Außerdem reise ich viel durch Schleswig-Holstein und Hamburg und besuche Schulen, Landesschülervertretungen oder andere Veranstaltungen. Dabei geht es vor allem darum, von uns zu berichten, die Leute für uns zu begeistern und sie zu motivieren, beim „Sozialen Tag“ mitzumachen.
Es gibt natürlich auch Großprojekte, wie zum Beispiel das Ostercamp: Für zehn Tage fahren Jugendliche auf den Balkan zu den Projekten, an die wir das Geld spenden und schauen sie sich vor Ort an. Ich muss die Anreise organisieren und das Programm für die zehn Tage festlegen. Gleichzeitig plane ich auch das jährliche Projektauswahltreffen im Mai in Berlin. Da wird entschieden, wo die Gelder vom „Sozialen Tag“ hinfließen sollen. Es ist so viel zu tun, dass ich auch mal bis in die Nacht hinein Mails beantworten muss. Das Geld, das wir monatlich bekommen, ist kein Lohn, sondern eher ein Taschengeld, um über die Runden zu kommen.
Schekker: Wie sieht die Organisation vom „Sozialen Tag“ genau aus?
Jannike: Der „Soziale Tag“ ist das Projekt, auf das wir das ganze Jahr hinarbeiten. So viele Schüler wie möglich sollen sich dafür einen Betrieb aussuchen, bei dem sie arbeiten können. Manchmal helfen wir auch bei der Vermittlung, aber eigentlich machen die Schüler das alleine. Wir sind dafür da, generelle Fragen zu beantworten und dafür zu sorgen, dass das Geld am Ende zu den sozialen Einrichtungen gelangt. Letztes Jahr haben wir ungefähr zwei Millionen Euro an 14 verschiedene Projekte spenden können. Eines davon war zum Beispiel das „Miteinander Leben“-Jugendzentrum. Das steht genau an der Grenze zwischen dem Kosovo und Südserbien.
Schekker: Du bist nun schon eine Weile dabei, hast du das Gefühl schon etwas bewegt zu haben?
Jannike: Die Beteiligung wird von Jahr zu Jahr größer. Zum Beispiel haben sich letztes Jahr 60 Schulen für die Schultour angemeldet, bei der wir immer unsere Projekte vorstellen. Jetzt haben wir 123. Ich kann also sagen, dass sich was tut und dass ich für etwas Wichtiges arbeite.
Ich möchte auch noch betonen, dass wir wirklich eine reine Jugendorganisation sind. Ich sitze hier im Bundesbüro, werde bald zweiundzwanzig Jahre alt und bin die Älteste. Wir sind wirklich frisch entlassene Schüler und stellen etwas sehr Großes auf die Beine. Wir haben nur eine Dame, die ist Mitte vierzig, und sie macht die Buchhaltung, weil wir das nicht können.
Schekker: Es werden auch Stellen in Serbien, Bosnien und im Kosovo angeboten. Warum hast du dich für eine Stelle in Deutschland entschieden?
Jannike: Ich habe mich für Deutschland beworben, weil ich gerne hier in der Nähe bleiben wollte. Da ich mich jetzt schon umsehe, was ich nach meinem Freiwilligen Sozialen Jahr mache, finde ich es jetzt beruhigend, dass ich nicht ganz so weit weg von zu Hause bin.
Schekker: Willst du später vielleicht etwas machen, was in die Richtung geht?
Jannike: Durch die Pressearbeit, die meine Kollegin macht, ist das Thema für mich interessant geworden. Ich überlege gerade, Sozialpädagogik zu studieren oder in die Medienrichtung zu gehen. Bei Sozialpädagogik interessiert mich das Helfen und Engagieren, ich mache hier schließlich den ganzen Tag nichts anderes. Momentan fällt mir da die Entscheidung noch ein bisschen schwer.
Schekker: Das Team von Deutschland lebt zusammen in einer WG. Ist das Zufall?
Jannike: Das war von Anfang an klar. Ich wusste, dass ich auf jeden Fall mit meinen Kollegen zusammen wohnen würde. Die WG ist auch nur drei Minuten vom Büro entfernt. Wir sagen zum Spaß manchmal: „Schüler Helfen Leben hat Projekte in Südosteuropa und ein riesiges Projekt in Deutschland: Und das ist unsere WG.“
Schekker: Kannst du eine Anekdote über das Zusammenleben erzählen?
Jannike: Eine Anekdote nicht, nein. Aber es ist schon bezeichnend, dass wir 24 Stunden aufeinander hängen. Es ist völlig egal, ob wir im Büro oder in der WG sind. Das Büro ist sozusagen ein großes Wohnzimmer für uns.
Schekker: Nervt das nicht ganz schön, wenn ihr euch den ganzen Tag seht?
Jannike: Nein, bis jetzt haben wir das zum Glück gut hinbekommen. Mal sehen, wie es wird, wenn die wirklich heiße Phase vor dem „Sozialen Tag“ losgeht.
Mehr Infos zum Projekt findet ihr unter: www.schueler-helfen-leben.de




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