Lange her, so enger Kontakt zu den Kindern: Rainer Fahrenholz, Johanna Wöhlke mit Kindern Fotos: Privat

Endlich ist es so weit: 18 Jahre alt. Von Zuhause hast du die Nase voll und ziehst aus. Hotel Mama gibt es nun nicht mehr. Natürlich unterstützen dich deine Eltern beim Umziehen. Doch wie fühlen sie sich wirklich, wenn ihre Kinder auf einmal nicht mehr beim allwöchentlichen Sonntagsessen dabeisitzen? Drei Eltern erzählen.

                                                           

Rainer Fahrenholz(44)

"Eines Tages erzählte mir Janine (Name von der Redaktion geändert), mehr oder weniger nebenbei, dass sie ein Baby erwartet. „Papa, mach dir mal keine Sorgen, ich schaffe das schon irgendwie“, argumentierte sie tapfer. Sie war schon immer selbständig und nimmt die Dinge so gut es geht selber in die Hand. Als ihr Baby dann da war, stand ihr Entschluss schnell fest: Die frische Familie zieht in eine kleine Zweizimmerwohnung. Die Vorstellung fand ich anfangs mehr schlecht als recht. Janines Selbständigkeit in allen Ehren! Doch sie war doch immer noch abhängig von der Hilfe ihrer Mutter. Trotzdem habe ich versucht, ihre Entscheidung zu akzeptieren. Schließlich hätte ich sie sowieso nicht daran hindern können. Also habe ich mich nicht eingemischt, sondern geholfen. Der Umzug schließlich klappte einwandfrei. Janines Freund Kai ließ seine Kumpels zum Streichen anrücken. Der Möbeleinkauf allerdings ging in die Hose. Janine verließ genervt den Laden, weil Kais Eltern Möbel aussuchen wollten, die sie nicht ausstehen konnte. Dabei hatten sie es nur gut gemeint. Soviel steht fest: Kind und Umzug waren kein leichtes Spiel für Janine. Und auch für mich war es anfangs ungewohnt. Auf einmal war meine Tochter erwachsen und stand mitten im Leben. Mittlerweile kommt sie im Alltag gut zurecht, was mich sehr erleichtert."

                                                              

Ein altes Foto von Johanna Wöhlke und ihrer Tochter Catharina im Babyalter.
Foto: Privat 

Johanna Wöhlke(58)

"Bei mir in der Wohnung gibt es einen leeren Platz, der viele Jahre besetzt war. Denn mit 19 ist Catharina ausgezogen, damit sie es näher zur Uni hat und näher bei ihren Freunden wohnt. Ich habe es kommentarlos hingenommen, weil sie ein toughes Mädchen ist. Man muss sich im Leben irgendwann abnabeln, um später gut zurechtzukommen. Und so half ich ihr auch bei allem. Eine Wohnung haben wir zusammen gesucht, und während sie dann die Wohnung einrichtete, managte ich einige Besorgungen, die ein junger Erwachsener schnell mal vergisst. Zugegebenermaßen fehlt sie mir nach anderthalb Jahren immer noch oft, aber das ist reine Gewohnheitssache. Dass ich noch arbeite, macht es einfacher. Trotzdem hüpft mein Herz, wenn meine Catharina an der Tür klingelt. Und natürlich bin ich stolz, wenn ich sie bei Arbeiten für die Uni beraten kann."

 


Maike Schönfeld und ihre Franziska.
Foto: Privat

 Maike Schönfeld(49)

"Es war ein komisches Gefühl, meine Tochter Franziska einfach loszulassen. Auf der einen Seite möchte ich, dass meine Kinder auf eigenen Beinen stehen, andererseits wollte ich sie nicht gehen lassen. Aber irgendwann sind sie eben einfach soweit, um das Nest zu verlassen. Franziska sprühte schon immer vor Neugierde und träumte davon, einmal um den Globus zu reisen. Mit 19 Jahren fühlte sie sich bereit dafür und wollte ein Jahr als Au-pair nach Madrid. Während Franziska dann in der Ferne andere Kinder erzog, habe ich mich um ihre drei Geschwister gekümmert. Gleich nachdem sie aus Spanien wieder da war, zog sie dann mit drei Freunden in eine WG nach Hildesheim. Sie wollte dort studieren. Heute läutet es alle paar Wochen an der Tür und ich weiß: Das kann nur Franziska sein."
 

 

 

  

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