Wahrsagerkugeln, Sterne befragen oder doch Statistiken errechnen? Für die richtigen Zukunftsprognosen sorgen Zukunftsforscher. Schekker-Autorin Sabine hat sich bei Christian Rauch vom Zukunftsinstitut über seinen Beruf kundig gemacht.
Futurologie, Future Studies, Future Research, Zukunftsforschung – ich grüble bei den Begriffen und frag mich, was das sein kann. Sind Zukunftsforscher so was wie Nostradamus, der im 16. Jahrhundert Prophezeiungen verfasste? Weit gefehlt, wie mich der Zukunfts- und Trendforscher Christian Rauch (34) aufklärt. Er arbeitet am Zukunftsinstitut im hessischen Kelkheim.
Zukunft als Wissenschaft der Praxis
Ein Zukunftsforscher beschäftigt sich nicht nur, wie wir vielleicht zunächst denken, mit dem, was morgen sein wird. Er beschäftigt sich vor allem mit Historischem und mit der Gegenwart. Es geht darum, die Gesellschaft in der wir leben zu verstehen. Nur so kann dann im nächsten Schritt eine Prognose darüber getroffen werden, ob wir vielleicht in 20 Jahren alle ein Smartphone besitzen. Dabei geht es für einen Zukunftsforscher besonders um sozio-kulturelle und wirtschaftliche Themen.
Ein Job, den es so gar nicht gibt
„Eigentlich gibt es gar keine richtigen Zukunftsforscher“ – mit dem Satz bringt mich Christian Rauch ins Stutzen. Er erklärt weiter: „In Deutschland gibt es wenig bis gar keine Studiengänge, die sich direkt mit dem Thema beschäftigen. In Deutschland kann man z.B. an der FU Berlin Future Studies als Master studieren. Im restlichen Europa und vor allem in Amerika ist man da schon viel weiter.“
Bleibt die Frage, wie ich sonst Herr oder Frau der Zukunft werden kann. Antwort kommt: Zukunftsforscher decken ein wirklich breites Feld ab, von der Wirtschaft hin zum Finanzmarkt über Kultur hin zu politischen und soziologischen Fragestellungen. Deshalb gibt es oft Quereinsteiger, zum Beispiel Geisteswissenschaftler. Rauch selbst hat Soziologie, Medien- und Politikwissenschaft studiert und hat anschließend als Trendforscher bei einer Bank gearbeitet.
Abitur und Hochschulabschluss sind aber nicht zwingend: Es gibt auch Mitarbeiter am Zukunftsinstitut, die eine Designerausbildung abgeschlossen haben. Wichtig ist vor allem „das Interesse an der Welt und dem, was kommen mag. Man muss ein breites Kompetenzfeld mitbringen“, fasst Christian Rauch zusammen.
Denken, forschen, prognostizieren…
Ich frage mich, was man den ganzen Tag als Zukunftsforscher tut. Betrachte ich die ganze Zeit nur Statistiken? Oder veranstalte ich ständig Telefonumfragen? „Vor allem mach ich Schreibtischkram, ist eben doch eine wissenschaftliche Arbeit.“ Und was steht sonst noch so an? Zukunftsforscher müssen belesen sein und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es gehört viel Recherchearbeit dazu, um den Kontext von dem, was passieren wird, zu verstehen. Nicht umsonst bezeichnet sich das Zukunftsinstitut selber als „Think Tank“, eine Denkfabrik.
Neben der normalen Forschungsarbeit und dem Erstellen von wissenschaftlichen Studien für Universitäten und private Auftraggeber, wie zum Beispiel große Wirtschaftskonzerne, gehören auch Brainstorming-Runden und Projektarbeiten mit anderen Organisationen zu den Aufgaben. Auch Kooperationen im Bereich der Politik und auch Pressearbeit sind Tätigkeiten eines Zukunftsforschers.
Aberglaube und Schicksal? – fehl am Platz!
Gerade zum Jahresende häufen sich die Anfragen für Christian Rauch. Dann wollen alle auf einmal wissen, wie das neue Jahr denn so werden wird. Dabei ist das etwas, womit sich Zukunftsforscher gar nicht direkt beschäftigen. „Wir arbeiten langfristige Trends in der Gesellschaft heraus und wollen Fakten klären. An das Schicksal aus den Sternen und Nostradamus glaub ich nicht.“ Wem das nicht spektakulär genug ist, kann sich auf der nächsten Kirmes ja immer noch an die Wahrsagerin seines Vertrauens wenden.



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