Reisen ganz einfach. Foto: Raach/laif.

Vom Schulaustausch im Schwarzwald begeistert, kam die 23-jährige Zuzana auch zum Studieren nach Deutschland. Seit über zwei Jahren lebt sie nun in Freiburg. Warum sich die junge Tschechin hier so fühlt und was sie von der EU hält, verrät sie im Protokoll.

Geboren in Jablonec an der Neiße, in der Nähe des bekannten Wintersportorts Liberec, bin ich mit 17 Jahren von Tschechien für einen Schulaustausch ins süddeutsche Bonndorf aufgebrochen. Während ich die Realschule besuchte, wohnte ich für zehn Monate bei einer Gastfamilie, mitten im Schwarzwald. Danach kehrte ich wieder nach Tschechien zurück, um in Ostrava meinen Schulabschluss zu machen.


Zuzana mag die Offenheit innerhalb der EU. Foto: Privat.

Die Stadt liegt im Grenzgebiet zur Slowakei. Ganz nebenbei: Die slowakischen Männer sprechen so sexy und sind romantisch wie ich es nirgendwo sonst erlebt habe. Nach einem kurzen Studium in Brünn hat es mich dann aber doch wieder nach Deutschland gezogen: Für ein Erasmus-Semester an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Freiburg ist schon toll. Aber auch der Liebe wegen zog es mich zurück nach Südbaden. Nach einem Semester habe ich den Erasmus-Aufenthalt verlängert und mich danach fest an der Uni Freiburg eingeschrieben. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, nach Tschechien zurückzukehren und mein Studium dort weiterzumachen. Ich hatte mich zu sehr in Freiburg eingelebt. Ich habe viele Freundschaften geknüpft und mich schnell richtig heimisch gefühlt. Mittlerweile bin ich im vierten Semester hier.

Die Offenheit der EU ist super

Anfeindungen und Vorurteile habe ich kaum erlebt. Das einzig Komische war mal eine - ernst gemeinte - Frage, ob wir im „Osten“ auch Fernseher hätten. Manche Leute denken wohl noch immer, dass wir voll die Hinterwäldler wären. Die deutschen Beamten haben mich anfangs allerdings überrascht. Positiv. Ich war nämlich verblüfft, wie schnell und freundlich sie sich in den Ämtern um mich gekümmert haben. Im Finanzamt in meiner Heimat wurde ich nie so freundlich behandelt.

Auch die Offenheit innerhalb der EU ist super. Ich brauche kein Visum; eine Menge Bürokratie und Sorgen fallen weg. Einfach klasse!
Früher mussten wir an der Grenze zur Slowakei unseren Pass zeigen, ohne wurde man nicht durchgelassen. Dass mit dem Schengen-Abkommen alles lockerer ist, finde ich toll.
Durch den Zusammenschluss vieler Staaten entstehen Arbeitsplätze und viele junge Leute können sich freier innerhalb Europas bewegen und weiterbilden.

Leider glänzt die Tschechische Politik auch mit negativen Schlagzeilen. Präsident Václav Klaus ist wohl der bekannteste Klimawandel- und Europaskeptiker. Leider werden die Tschechen deshalb oft als nicht EU-begeistert dargestellt. Dabei hat Mirek Topolánek, der letzte Ministerpräsident unseres Landes, nicht erst als EU-Ratspräsident für „mehr Europa“ geworben, und versucht, sich der EU auch durch die Ratifizierung des Lissabon-Vertrages zu nähern. Was aus diesen Bemühungen wird, bleibt offen.
 

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