Wie sieht ein Rechtsextremer aus? Das Kopfkino bietet vieles, aber nicht unbedingt eine blonde Frau mit Zöpfen. Eine Schekker-Autorin blickt auf die weibliche Seite der rechtsextremen Szene.
Dem Präsidium der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) gehört keine einzige Frau an. Das überrascht auf den ersten Blick nicht, sieht doch das öffentliche Bild von Rechtsextremen eher so aus: Männer in Springerstiefeln mit kurz geschorenem Haar. Frauen spielen da kaum eine Rolle und zu sagen haben sie sowieso nichts.
Dabei sind Frauen in der rechtsextremen Szene längst keine Seltenheit mehr: „Etwa jeder fünfte Neonazi ist weiblich“, heißt es im Dokumentarfilm „Braune Kameradin“, der sich mit Frauen in der Neonazi-Szene beschäftigt. Schätzungen zufolge sind ebenso viele Frauen rechtsextrem eingestellt wie Männer. Jüngstes und bekanntestes Beispiel ist sicherlich Beate Zschäpe als Mitglied der sogenannten Zwickauer Zelle. Deren Mitglieder lebten jahrelang unerkannt im Untergrund und sind vermutlich für die Mordserie an ausländischen Geschäftsleuten, einer Polizistin und diverse- Raubüberfälle verantwortlich.

Quelle: Arbeitsstelle Rechts-extremismus und Gewalt. Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Braunschweig
In der Szene wird aber von den Frauen erwartet, dass sie brav die Mutterrolle übernehmen – anderweitiges Engagement ist nicht vorgesehen. Gerade in höheren Positionen rechtsextremer Organisationen ist der Frauenanteil daher sehr gering.
Der Forschungsbericht „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“ zeigt, dass im Jahr 2009 von den 5,2 Prozent Jugendlichen, „die als im engeren Sinne rechtsextrem“ bezeichnet werden, 80 Prozent männlich sind. Gleichzeitig ergibt die Studie, dass ein Drittel der Jugendlichen, die einer sogenannten Kameradschaft angehören, weiblich ist. Die Journalistin und Politologin Andrea Röpke hat sich auf rechtsextreme Frauen spezialisiert. Sie hält die Szene weiter für eine „knallharte Männerbastion“, auch wenn weibliche Mitglieder nicht selten sind.
Frauen verbessern das Image
Mit dieser harmlosen Erscheinung im Zusammenhang stehen wohl auch die typischen Aufgaben von Frauen: etwa das Verteilen von Flugblättern oder die Anmietung von Räumen für Veranstaltungen. Besonders gern engagieren sie sich auch beim Sanitätsdienst „Braunes Kreuz“ oder feuern ihre Kameraden bei Aufmärschen an. Aber diese harmlosere Außenwirkung lässt keineswegs auf eine harmlose innere Einstellung schließen.
Voraussetzung für die Mitgliedschaft: „eine nationale Gesinnung“
Wie könnt ihr Rechtsextreme erkennen? Hier gibt es Antworten.
Zahlen und Fakten zum Rechtsextremismus findet ihr beim Verfassungsschutz.
Manche rechtsgesinnte Frauen werden über das Internet auf Rechtsextremisten-Treffs in ihrer Stadt aufmerksam. Bei vielen Frauen aber spielen auch Beziehungen zu Rechtsextremen eine Rolle. Sie rutschen also über Beziehungen in die Szene. Rechtsradikale und -extreme Organisationen bemühen sich ihrerseits aktiv um Frauen. Denn die polieren das Image auf. Bei Landtagswahlen bekommen laut Andrea Röpke rechtsextreme Kandidatinnen im Vergleich zu Männern viel mehr Stimmen. Außerdem hätten sie vor Gericht mit mehr Nachsicht zu rechnen. Diese Vorstellung ist nicht abwegig, denn Frauen aus der rechtsextremen Szene kann man seltener als rechtsextrem identifizieren als ihre Gesinnungsbrüder. Es gibt zwar schon gewisse Typen – von der blonden Frau mit Zöpfen, über „Renees“ (Haare vorne kurz, seitlich lang) bis zum „Skingirl“ (weibliche Skinheads) – viele kleiden sich aber ganz normal.
Rechtsextreme Frauen sind auch in Bündnissen organisiert. Besonders bekannt sind der „Ring Nationaler Frauen“, eine Unterorganisation der NPD, und die „Gemeinschaft Deutscher Frauen“, kurz GDF. Auf der Website der GDF heißt es: „Hast Du erst begriffen, dass freiwillige Unterordnung und Dienst Deiner Gemeinschaft, Deinem Volk, also auch Dir und Deinen Kindern dient, dann wirst Du zur Tat schreiten ohne zu murren und ohne zu fragen!“ Die Frauen sollen brav die Mutterrolle übernehmen und sich unterordnen – von einem modernen Frauenbild sind die GDF und auch der RNF Jahrzehnte entfernt.


der Rubrik Besserwissen



Kommentare
Neuen Kommentar schreiben