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Jugendlicher an einem Tisch
In Workshops lernen die Jugendlichen schreiben.

Foto: Michael Kranixfeld

Meinungen | 2010 | Februar | Kultur (Nr. 77)

Vom Schreibtisch aus die Welt verändern

Seit Anfang 2009 gibt es in Berlin das Projekt der „Jungen Feuilletonisten“. Hier schreiben Jugendliche über Kultur. Auf der Webseite „Brennpunk-F!“ veröffentlichen sie ihre Texte.

„Es ist immer das Gleiche: Ich fahre den Computer hoch und fixiere ein weißes, leeres Rechteck. Kreativ und interessant soll der erste Absatz sein, doch mir fällt einfach nichts ein. Der Ideenfluss bleibt aus.“

Auch ich kenne dieses Gefühl. Aber das Zitat stammt nicht von mir, sondern aus dem Artikel „Von der Schwierigkeit kreativ zu sein“. Geschrieben hat diesen Text Dennis Basaldella, ein „Junger Feuilletonist“. Feuilleton: Das klingt nach trockenen Abhandlungen über klassische Musik, Theater und rollkragenpullovertragenden Kritikern, die die 60 längst überschritten haben. Die „Jungen Feuilletonisten“ räumen mit diesem Klischee auf. Alle sind um die 20 Jahre alt und im Netz betreiben sie jungen Kulturjournalismus. In Zusammenarbeit mit der Jungen Presse Berlin und dem GRIPS-Theater veröffentlichen sie ihre Texte auf der Website „Brennpunk-F!“ .

Jugendliche in einer Gruppe
Und so sieht es aus, wenn die jungen
Feuilletonisten arbeiten.
Foto: Magdalena Taube

Projektleiter Michael Kranixfeld, 21 Jahre alt und Student, erzählte mir etwas über die Idee des Projektes. Ihn störte, dass „die Reflektion über Kultur in Schulen viel zu kurz kommt“. Und auch in Schülerzeitungen wird das Thema nur selten und viel zu oberflächlich angeschnitten. Also startete das Projekt im März 2009 in Berlin mit dem ersten Workshop “Feuilleton! – Vom Schreibtisch aus die Welt verändern?”. Dabei entstand ein Heft mit 20 Artikeln rund um das Theaterstück “Rosa” des GRIPS Theaters.

Besuche im Gestern

Seitdem gab es viele Workshops. Darunter Themen wie: "Deine Lieblingsband ist scheiße!" - ein Workshop über Verisse und ethische Grenzen. Alle werden von jungen Erwachsenen organisiert, die selbst seit vielen Jahren Kulturjournalismus machen. Sie laufen immer anders ab. Zum Beispiel schauen sich alle Teilnehmer zusammen ein Theaterstück an und diskutieren danach über die politische Dimension des Stückes. Oder sie schauen sich Holocaustdenkmäler Berlins an und fragen nach der Bedeutung von Erinnerung.

Die Workshops sollen vor allem die Möglichkeit bieten, sich auszuprobieren. Im Vordergrund steht das Selbermachen und Selberdenken. Die Teilnehmer entscheiden selbst, in welche Richtung die Projekte laufen. Gibt ein Theaterstück nicht genügend her, wird eben über die Architektur des Theaters geschrieben. Bei anderen Workshops verreiste die Gruppe einfach mal für ein Wochenende und führte politische Debatten.

Klasse statt Masse

Mitmachen kann beim jungen Feuilleton jeder bis 27 Jahre. Es gibt in der Gruppe keinen Boss, alle bilden zusammen ein Team. Jeder ist willkommen. Denn aus Sicht von Michael Kranixfeld kann jeder etwas zum kulturellen Leben beitragen. Und auch Neulinge sollten keine Scheu zeigen, denn in Zusammenarbeit wird an jedem Text gefeilt und niemand wird alleine gelassen. Ein weiterer Grundsatz: „Hier kann jeder alles veröffentlichen“. Aber natürlich wird trotzdem großer Wert auf Qualität gelegt. So meint Michael: „Lieber veröffentlichen wir im Monat einen wirklich bemerkenswerten Text, als wahllos Texte rauszuhauen“.

Autor:
Jannik Holdt ist 18 Jahre und Schüler

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