DDR-Tristesse, Lederhose, goldener Westen und Fischerhemden? Klischees über Osten, Süden, Westen, Norden halten sich hartnäckig. Schekker-Autorin Tine hat vier Bürgermeister aus den verschiedenen Himmelsrichtungen nach den Eigenheiten ihrer Region gefragt.
DDR ist vorbei – man merkt es
3.100 Einwohner hat Röderaue. Die Gemeinde liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Dresden - in Sachsen, dem tiefsten Osten, man hört es auch. Als ich mit dem Bürgermeister sprechen möchte, ist er nicht da. Die Amtsleiterin könne mir genauso gut weiterhelfen, die Handynummer kann ich gleich haben. Freundlich sind sie also, die Ostdeutschen.
Leider aber nicht immer jugendfreundlich. In den Kleinstädten gäbe es viel mehr alte als junge Menschen, denn die gingen dahin, wo es Arbeit, Ausbildungsplätze und Perspektiven gäbe, erklärt Kerstin Tröger, die Amtsleiterin. „In den Großstädten angekommen, kriegen sie aber fleißig Kinder und gehen dann auf's Land zurück.“
Wer beim Thema Osten an Plattenbauten denke, könne sich gern schon mal auf die Suche machen, sagt Kerstin Tröger. Finden werde man zahlreiche kleine, laute, fröhliche Feste und Konzerte, gerade auf dem Land. „Nur im Februar wird es ruhiger, der Ostdeutsche ist ein Faschingsmuffel“, sagt sie Es gibt weder abgeschnittene Krawatten, noch freie Tage, höchstens Pfannkuchen am 11.11. Dass sich ein Besuch im Osten lohnt, finden auch die fast 66 Millionen Touristen, die jedes Jahr - vor allem zum Wandern - kommen.

Victoria Horber ist als Bürgermeisterin von Denklingen auch für Nicht-Bayern zu verstehen. Foto: Tine Heynatz.
Früher war´s - Fast eine eigene kleine Welt
Denklingen liegt in Oberbayern. Die Bürgermeisterin ist aber trotzdem ohne größere Probleme auch für Nicht-Bayern zu verstehen, anders als die Vorzimmerdame. 2.400 Leute wohnen in der Gemeinde, die fast schon im Schwäbischen liegt. Auch im Süden regiere das Alter die kleinen Städte, obwohl es hier für die Jugend oft Ausbildungsplätze und Jobs direkt vor Ort gäbe, so Bürgermeisterin Viktoria Horber. Nur für die Wochenenden und die Zeit nach Feierabend hat das Landleben leider nichts zu bieten.
Auch wenn Lederhosen und Dirndl nicht jeden Sonntag ausgeführt werden, so gibt selbst Bürgermeisterin Viktoria Horber zu, bei besonderen Anlässen das Dirndl aus dem Schrank zu holen. „An kirchlichen Feiertagen, wie Fronleichnam oder Ostern ist auch die Jugend bei Prozessionen mit dabei“, erklärt Horber.
An Fasching gibt es - ganz traditionell – Pfannkuchen; außerdem Faschingszeitungen, bunte Umzüge und Faschingsbälle. Nach dem Gespräch mit der Bürgermeisterin habe ich den Eindruck, dass Vieles im Süddeutschen tatsächlich so ist, wie man es sich vorstellt. Engagierte Menschen, denen Vereine und Clubs über alles gehen, die an ihren Traditionen festhalten, auch an ihrem teilweise – zumindest für mich - unverständlichen Dialekt.
Karneval – Das beginnt etwa eine Woche nach Silvester
Kleine Städte findet man selten im Westen, die Großstädte scheinen sich jede Gemeinde in der Nähe einverleibt und zum Stadtteil degradiert zu haben. Nettersheim, im Südwesten von Nordrhein-Westfalen, hat knapp 8.000 Einwohner, die aber langsam nicht nur älter, sondern auch weniger werden. Die Jugend zieht weg, zum Studieren oder Arbeiten.
Zur fünften Jahreszeit ist der Westdeutsche nicht mehr zu bremsen. Karneval wird so gefeiert, wie man es im Fernsehen auch nicht bunter darstellen kann. „Schon kurz nach Silvester ging es in diesem Jahr los mit Empfängen, Bällen, Umzügen, freien Tagen im Rathaus und natürlich abgeschnittenen Krawatten“, berichtet Wilfried Pracht, der Bürgermeister von Nettersheim.
Doch Westdeutschland habe auch eine ruhige, entspannende Seite. Man könne dort wunderbar ungestört wandern gehen.
Wenige Worte – Eine schöne Gegend ist das hier oben
Die Norddeutschen sind schwer zu erreichen. Zwölf vergebliche Versuche, einen Bürgermeister zu interviewen, verschobene Termine, wochenlange Abwesenheit, kurze, schroffe Absagen. Die sprichwörtliche nordische Kühle anscheinend.
Jübek liegt fast an der dänischen Grenze in Schleswig Holstein und hat 2.600 Einwohner. Das gleiche Bild wie überall – „die Alten bleiben, die Jungen gehen, die Perspektiven fehlen“, meint auch Bürgermeister Herbert Will. Viel mehr sagt er nicht. Im Norden sei es windig, kühl, rauer als im Rest Deutschlands. Die Menschen passen sich dem anscheinend an. Dabei kann auch der Norddeutsche ausgelassen feiern. Erntedankfeste, Dorffeste, Festspiele an den Häfen haben Tradition.








Neuen Kommentar schreiben