Die Freizeitgestaltung in Arbeitsgemeinschaften würde Holm auch heute gut finden. Foto: Frank Grätz

Holm, 19, aus Hamburg möchte nicht mit Jugendlichen aus der DDR tauschen und ist froh, im Hier und Jetzt zu leben. Warum das so ist und was er noch zu sagen hat, lest ihr hier:

Wenn ich das Wort „DDR“ höre, fallen mir als erstes meine Eltern ein. Sie haben die Zeit damals selbst von Hamburg aus miterlebt und erzählen mir zu Hause immer viel davon. In meiner Schule allerdings hatte das Thema gar keine große Bedeutung.

Ich erinnere mich, dass wir „Franziska Linkerhand“ lesen mussten. Das ist ein Buch von einer DDR- Autorin, die auch über die DDR geschrieben hat. Der Inhalt wurde dann kurz behandelt und im Politikunterricht haben wir ein bisschen was über den Niedergang der DDR gelernt. Aber das war dann auch schon das Meiste.


Holm hat das meiste über die DDR
nicht im Unterricht gelernt.
Foto: Frank Grätz

Im Westen sind die Lehrer, aber auch die Eltern meiner Erfahrung nach eher negativ gegenüber der Thematik eingestellt. Aus dem Unterricht weiß ich deshalb, dass in der DDR Vieles schlecht war. Da gab es die Mauer oder das Reiseverbot, was die Menschen unfrei gemacht hat. Auch die Überwachung durch die Stasi war völlig übertrieben. Vieles war nicht gut, deswegen konnte die DDR auch auf Dauer nicht bestehen.

Gut und Schlecht 

Durch meine Eltern allerdings weiß ich, dass es damals auch einige gute Sachen gab, zum Beispiel weniger Kriminalität. Wenn du dein Fahrrad irgendwo unabgeschlossen hingestellt hast, dann konntest du davon ausgehen, dass es nachher noch da war. Auch war gut, dass jeder Arbeit und eine Ausbildung bekommen hat.

Heute ist man da völlig unsicher. Es heißt immer, wenn man etwas wirklich möchte, dann schafft man es auch, aber das System von heute lässt eine Jobsicherheit gar nicht mehr zu. Beispielsweise fangen jetzt wieder über 40.000 junge Menschen an, BWL zu studieren. Bei der Anzahl ist aber einfach davon auszugehen, dass nicht alle auch einen Job bekommen werden, weil es so viele Stellen gar nicht mehr gibt. Beruflich gesehen, lagen die Menschen in der DDR also klar im Vorteil.

Sozialismus vs. Kapitalismus

Auch die Jugend- und Freizeitgestaltung damals war großartig. Nach der Schule hatte man zum Beispiel immer noch eine Beschäftigung durch die vielen AGs, in denen die Jugendlichen zusammen etwas gemacht haben. Der Gemeinschaftssinn wurde so unheimlich stark geprägt, was heute leider nicht mehr so ist.

Noch mehr Meinungen?

Hier findest du die Texte zu Svea aus Coswig, Andi aus München und Anja aus Neustadt.

Trotzdem würde ich mit den Jugendlichen von damals nicht tauschen wollen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben und froh darüber, dass ich heute so viele Freiheiten habe. Ich kann überall hinreisen und bin auf dem neuesten Stand der Technik. Der Kapitalismus hat in dieser Hinsicht einfach mehr Vorzüge. Ich denke aber auch, dass der Sozialismus an sich eine gute Grundlage für eine Gesellschaftsform bildet. Leider sind die negativen Aspekte hier durch die ganzen Verbote und Zwänge deutlich gravierender und auf Dauer für einen Menschen nicht zu bewältigen.

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