Physiotherapie ist mehr als Massagen. Foto: Matthias Balzer

Fragt man Claudia Leyder, wann sie beschloss Physiotherapeutin zu werden bekommt man gleich eine sehr ungewöhnliche Liebeserklärung an ihren Beruf. „Ich glaube, mit diesem Beruf bin ich auf die Welt gekommen.“

Bereits 1985 hat Leyder ihre Ausbildung begonnen. Zu dieser Zeit war der Beruf des Physiotherapeuten noch zweigeteilt. Man konnte entweder eine Ausbildung zum Masseur oder zum Krankengymnasten machen. „Zuerst wollte ich Masseur werden, durch meine Eltern habe ich dann aber vom Profil des Krankengymnasten gehört. Nach einem Besuch im BIZ war ich mir absolut sicher“, erzählt Leyder mit einem Strahlen in den Augen. Weil sie nach der Schule erst 16 Jahre alt war, musste sie noch Praktika einschieben. Für den Beginn der Ausbildung muss man nämlich volljährig sein. „Ich war je ein halbes Jahr im Krankenhaus und in einer Massagepraxis und hab dabei schon einiges gelernt und viel gesehen. Gerade die Vielfalt des Berufs hat mich gereizt.“

Als sie mit Anfang 20 mit der Ausbildung fertig war, bildete sie sich zur Sportphysiotherapeutin weiter. Diese Ausbildung wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiert und dauert zwei Jahre. Der Name „Sportphysiotherapeut“ ist rechtlich nicht geschützt und steht deshalb sehr häufig an Praxen. Ein Qualitätssiegel ist allerdings nur die Ausbildung des DOSB. 400 Physiotherapeuten haben diese Ausbildung in Deutschland und sind damit auch als einzige berechtigt, Nationalmannschaften zu betreuen.

 

Zehn Jahre für den Handball

 

Über die Ausbildung kam auch Claudia Leyder zu einer Nationalmannschaft: Sie betreute mehr als zehn Jahre die deutschen Handballfrauen. „Nach der Abschlussprüfung lagen Listen aus und ich habe mich für Basketball, Handball und Tennis eingetragen. Dem deutschen Handballbund ist damals eine Betreuerin ausgefallen und da haben sie mich angerufen“, erzählt Leyder. Mit nur 23 Jahren reiste sie durch ganz Europa und war 1996 sogar bei den Olympischen Spielen in Atlanta. „Danach habe ich auch aufgehört. Einmal bei Olympia dabei sein, war mein Ziel und das habe ich damals erreicht.“

Der Handballsport war es auch, der sie in ihrer Berufssicht sehr prägte. Mit 14 Jahren spielte sie in der Norddeutschen Auswahl und eine Karriere im Leistungssport war nicht ausgeschlossen. Ein Kreuzbandriss machte damals einiges kaputt. „Behandelt wurde damals sehr schlecht. Es wurde fast mehr kaputt gemacht als verbessert. Diese abschreckende Erfahrung war für mich eine Motivation, es besser zu machen. Zu dieser Zeit war die Betreuung von Sportverletzungen einfach noch nicht so weit wie heute“, erzählt Leyder.

 

Golftherapeut und American Football

 

Heute betreut Leyder immer noch zahlreiche Sportler und Mannschaften. Sie ist zum Beispiel Betreuerin bei den American Footballern der Hildesheim Invaders und ist Golfcoach. Die Kombination klingt ungewöhnlich: „Ich hatte viele Golfer als Patienten und ich wusste zu wenig Bescheid. Darum habe ich mich beim Deutschen Golfbund vorgebildet und bin heute Physiotherapeutin für Golfer“, lacht Leyder, „Die Ausbildung haben nur 20 bis 30 Therapeuten in Deutschland.“

 

Für alle anderen Sportler gibt es jeden Montag in ihrer Praxis in Hildesheim eine Sprechstunde. „Hier schaue ich, ob jemand wirklich zum Arzt muss oder ob es mit etwas Schonung geht.“ Wichtig ist dabei die zügige Behandlung. Kein Sportler will in der Hauptsaison lange auf eine Behandlung warten oder gar aussetzen. Claudia Leyder kennt die meisten Ärzte schon lange und kann genau zum jeweiligen Spezialisten vermitteln.

Gerade schwere Sportverletzungen liegen ihr am Herzen, „Ich behandele viele Schmerzpatienten, denen die Ärzte nicht richtig helfen konnten. Solche Patienten geben besonders viel Dankbarkeit zurück.“ Dankbarkeit und Abwechslung sind die Hauptgründe für ihre 25 Jahre im Beruf. „Klar ist es körperlich anstrengend zehn Stunden pro Tag an der Massagebank zu stehen, aber ich habe das Gefühl etwas Gutes zu tun.“ Für junge Berufseinsteiger sind Kommunikationsfähigkeit, Optimismus, Geduld und Dynamik die wichtigsten Eigenschaften.

 

Sport ist kein Mord

 


Berufe rund um Sport

Nicht nur als Leistungssportler kann man sein Leben dem Sport widmen. Hier ein paar Berufe, die das auch ermöglichen:

Fitnesstrainer/in

Sportjournalist/in

Masseur/in

Pferdewirt/in

Sport- und Fitnesskaufmann/-frau

Sportarzt/-ärztin

Sportlehrer/in

Sportökonom/in

 

Das Sprichwort „Sport ist Mord“ lässt Claudia Leyder nicht gelten. Viel fataler sind die Folgen von Bewegungsmangel. Es kommt zum Abbau der Muskeln und damit auch zu Haltungsschäden oder Rückenproblemen. Für Leyder gehen die Auswirkungen weit über den körperlichen Bereich hinaus. „Sport ist immens wichtig für die Entwicklung. Ohne Bewegung wird man auch geistig unflexibel.“ Gerade beim Sport kann man wichtige Sozialkompetenzen lernen, wie zum Beispiel das Verdauen von Niederlagen. Um die Sportlichkeit zu fördern hat Claudia Leyder das Olympia-Camp gegründet. Im Jahr 2003 startete es mit 100 Kindern in vier Sportarten. Heute kommen mehr als 500 Kinder in das Sportcamp am Hildesheimer Hohnsensee, um rund 17 Sportarten auszuprobieren. „Viele Kinder wurden von dem Teamgeist und der Motivation angesteckt und haben bei uns ihren neuen Lieblingssport gefunden“, erklärt Claudia Leyder ihr Erfolgskonzept.

 

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