Wie die Liebe Toleranz erzeugen kann: „Scheiss Glatze, ich lieb dich“ erzählt die hoffnungsvolle Geschichte, wie die Zuneigung zweier unterschiedlicher Menschen den brutalen Sog der Neonazi-Szene überwinden kann.
Vor einer Diskothek wird die aus dem Iran stammende Sahar zusammengeschlagen. Die Täter: Neonazistische Skinheads. Sahars beste Freundin Majo macht sich auf die Suche nach den Schlägern. Einen Hinweis am Tatort liefert der verlorene Personalausweis ihres früheren Schulkameraden Falko. Spontan ruft Majo Falko an:
„Hallo Falko, ich weiß, dass du und deine Kumpels meine Freundin Sahar zusammengeschlagen habt. Wenn ich dich den Bullen ausliefere, bist du fällig. … Meine Güte, Falko, denk doch mal nach! Ich will mit dir reden. Ich will einfach verstehen, warum du so geworden bist. Majo “
Erst schüchtern, dann Schläger
Majo – eigentlich Makiko – nimmt allen Mut zusammen, um den ehemaligen Schulfreund zu treffen. Die Halbjapanerin will verstehen wie Falko zum rechtsradikalen Schläger werden konnte. Der schüchterne Junge, der zu Schulzeiten alles einsteckte, ist zu einem brutalen Skinhead geworden, teilt inzwischen selbst Prügel aus.
Die beiden reden miteinander und treffen sich immer wieder. Majo will diese Glatze knacken und ihn zur Vernunft zu bringen. Falko kann sich ihr auch allmählich öffnen und erzählt ihr Stück für Stück, was die Gang so treibt. Dieter und Poke, die Köpfe der Bande, sind Ausbilder an seiner Lehrstelle. Das bedeutet für Falko, täglich Kontakt mit ihnen zu haben und somit immer unter ihrer Kontrolle zu sein. Mitten im Sumpf der rechten Szene sieht er keinen Weg mehr zurück.
Als die Polizei die rechte Gruppe festnimmt, kommt Falko zur Einsicht. Da er nicht an der Tat beteiligt war, wird er schnell wieder aus der U-Haft entlassen. Er denkt endlich befreit: „Dieter ist irre, genau wie dieser Hitler irre war.“
Raus aus dem Sumpf
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Die Gespräche mit Majo verändern den Neonazi. Bei einem Treffen verbrennt Falko seine Bomberjacke demonstrativ. So wie Falkos Kleider im Feuer anfangen zu schmelzen, fängt auch Falko an weich zu werden. Zwei junge Menschen, die eigentlich auf Grund ihrer Unterschiedlichkeit in zwei verschiedenen Welten leben, verlieben sich ineinander. Falko sieht die „dreckige Japse“ mit anderen Augen.Auch wenn die Herangehensweise naiv erscheint, spricht Patricia Schröder in ihrem Roman die ernste Problematik an: Einmal in einer rechtsradikalen Gruppe, kommt ein Einzelner häufig nur mit Hilfe von außen wieder heraus.
Das Buch verdeutlicht, wie extrem rechtsradikale Gruppierungen sein können und wie stark die Gruppendynamik ist, die selbst Harmlose zu Schlägern werden lässt. Gleichzeit macht der Roman aber auch Hoffnung auf den Ausstieg aus der radikalen Szene.
Patricia Schröder „Scheiss Glatze, ich lieb dich“, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M, 2. Aufl. 2004.






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