1932 spielte Aldous Huxleys Roman „Brave New World“ - auf Deutsch „Schöne neue Welt“ - düstere Zukunftsmusik. 2010 erscheint sein Werk wie eine Prophezeiung.
Zufriedenheit für alle
Alle Menschen leben in einer „schönen neuen Welt“. Dort gibt es keine Krankheit und kein Leid. Alle sind immerzu glücklich. Alle sind gleich. Ein Traum? Immerhin bedeutet Gleichheit ja auch eine Form von Gerechtigkeit. Für den Leser wird Huxleys nüchterner Technikbericht allerdings schnell zum Alptraum. Orgien und Drogen sorgen für eine stabile Gesellschaft. „Freiheit“ ist ein Fremdwort. Die unteren Schichten der Kastengesellschaft werden schon als Embryonen in ihrer Entwicklung behindert. Denn wer nicht denken kann, weiß auch nicht, dass er unfrei ist. So garantiert man Zufriedenheit für alle. Aber ist das ein gerechter Preis für den Weltfrieden?
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Nicht jeder geht blind den vorgegebenen Weg. Bernard Marx ist ein Außenseiter und genießt verbotene Einsamkeit: „Wünschst du dir nicht manchmal, frei zu sein Lenina?“ - „Ich weiß nicht, was du meinst. Ich bin frei. Frei, eine wundervolle Zeit zu haben. Immerhin ist heutzutage jeder glücklich.“ Lenina Crownes Monogamie verstößt gegen die Regeln. Und John – ein Mensch, der im Gegensatz zu allen anderen auf natürliche Weise geboren wurde - findet sich als „Wilder“ in der sterilen Welt nicht zurecht. Doch wer eigene Gedanken entwickelt, riskiert Leid und Verbannung aus der Gesellschaft.
Alptraum oder Wirklichkeit?
Aldous Huxley schuf mit diesem Roman einen Klassiker der negativen Science Fiction. Doch während wir heute über die Zukunftsvisionen anderer Autoren lächeln, erscheint „Brave New World“ erschreckend real. Genmanipulation und künstlich erschaffenes Leben ist längst keine Science Fiction mehr. Ist die „schöne neue Welt“ am Ende kein Fantasieprodukt sondern Zukunft? Und ist die kontrollierte Gesellschaft Traum oder Horror? Diese Fragen sind fast siebzig Jahre nach Erscheinen des Buches aktueller denn je.
Aldous Huxley: „Schöne neue Welt“
Fischer Taschenbuchverlag, 7,95 €






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