Schätzungen zufolge hat jeder zehnte Jugendliche 1550 Euro Schulden. Den Anfang machen alltägliche Kosten wie Rechnungen fürs Telefonieren oder Fitness-Studio. Werden die Schulden aber erst einmal unkontrollierbar, können sie sich schnell zu einem Albtraum entwickeln. Schekker-Autor Patrick spricht mit Arne* über dessen Erfahrungen in der Schuldenfalle.
Vor wenigen Wochen begann Arne mit einer Ausbildung. Nun hat er ein geregeltes Einkommen. Als Schüler war dies noch anders. Das Taschengeld reichte oft nur bis zur Mitte eines Monats. Damit erging es ihm wie vielen anderen Jugendlichen auch. Knapp 30 Euro Taschengeld im Monat bekommen 16- und 17-Jährige im Durchschnitt. Der Konzertbesuch, die neue Hose und auch noch die Handyrechnung lassen sich damit kaum bezahlen.
Anfangs war die monatliche Telefonrechnung Arnes größte Sorge: „Es musste einfach das iPhone sein, am besten das neueste. Mein Handy-Vertrag war teurer als mein Taschengeld für den ganzen Monat. Ich bekam dann immer noch so ein wenig Geld von meinen Eltern, womit ich dann die Handy-Flatrate zahlen konnte.“
Die Abrechnung bringt das böse Erwachen
Solch eine Flatrate klingt verlockend. Ein monatlicher Grundpreis garantiert eine „volle Kostenkontrolle“, wie es im Slogan vieler Anbieter heißt. Tatsächlich geht diese Rechnung aber oft nicht auf. Versteckte Zusatzkosten werden erst bei der Abrechnung entdeckt. Das scheinbar so günstige Handy entpuppt sich dann als echter Luxus.
Schon 96 Prozent der 14- bis 15-Jährigen haben inzwischen ein eigenes Handy. Dessen Rechnung zahlen in den ersten Jahren in der Regel die Eltern. Verträge schließen darf man erst mit 18 Jahren, die Jüngeren brauchen dafür die Unterschrift ihrer Eltern. Diese haben damit eine gewisse Kontrolle über die Ausgaben ihrer Kinder. Aber selbst das verhindert oft nicht, dass sie Schulden machen – dann eben bei Freunden und Bekannten, statt beim Telefonanbieter. Unerfahren in Gelddingen, gleichzeitig aber voll „vertragsfähig“, gelten 18-Jährige als am Gefährdetsten, in die Schuldenfalle abzurutschen.
Der Wechsel vom Pre-Paid- zum Vertragshandy ist oft der erste Schritt in die Schulden. Solch ein Vertrag ist vergleichbar mit einem kleinen Kredit, viele Kunden, insbesondere Jugendliche, sind sich der Tragweite nicht bewusst. So wie Arne: „Es ist zu einfach! Eine Unterschrift und jeden Monat ein wenig Geld, dann bekommt man sein super teures Handy“, erklärt er. Doch Arne hatte neben dem Handy noch ein weiteres Laster: „Ein Klick und ich hatte meine Spielkonsole, ein paar Klicks weiter noch die passenden Spiele dazu. Und zahlen musste ich erst hundert Tage später. Ich dachte, bis dahin hätte ich das Geld.“
Nur ein paar Klicks
Online Shopping wird immer beliebter. Immer mehr Menschen nutzen das Internet zum einkaufen. Doch das bargeldlose Bezahlen birgt seine Risiken. Denn es verleitet dazu, mehr auszugeben, als das Konto hergibt. „Natürlich konnte ich die Sachen nicht bezahlen und dann stand ich da. Ich verzapfte dann aber noch mehr Stress“, erklärt Arne. „So habe ich versucht, meinen Handyvertrag zu kündigen, indem ich sagte, mein Ausweis sei geklaut worden und jemand anderes habe den Vertrag abgeschlossen. Zeitweise habe ich mir auch einfach Geld von meinen Eltern genommen, sie merkten das nie. Und wenn sie es dann doch einmal mitbekamen, sagte ich, es sei für einen Schulausflug oder so.“
Hilfe suchen!
Jugendliche haben immer mehr Geld zu Verfügung, damit umzugehen lernen sie aber nicht. Initiativen wie die der „Aktion Mensch“, Jugendliche zu Finanz-Scouts auszubilden, die wiederum andere Jugendliche in Finanzdingen beraten, sind selten. Immerhin vereinzelt gibt es Versuche, das Thema „Geld und Konsum“ in der Schule aufzugreifen.
Weitere Infos zu Schuldnerberatungen findet ihr hier:
Online-Angebot der Bundesarbeits-
gemeinschaft Schuldnerberatung e.V.
"Alles im Griff! - Unterricht zum Umgang mit Geld" des Verbraucherschutzministeriums NRW
Erste Ansprechpartner sollten bei Schulden die Eltern sein. Aber auch Arne legte erst die Karten offen auf den Tisch, als ihm das Schuldenproblem völlig über den Kopf zu wachsen drohte. „Als das erste Inkassounternehmen Geld forderte, sahen auch meine Eltern die Briefe und wollten natürlich wissen, was da los ist. Um nicht noch mehr Schulden zu machen – denn die Schulden vermehren sich durch die Mahnungen immer mehr, auch ohne das man was kauft – erklärte ich meinen Eltern was los ist“, sagt Arne. „Die waren ziemlich sauer. Sie bezahlten meine Sachen, damit nicht noch Abmahnungen kamen. Allerdings musste ich ihnen alles wieder zurückzahlen. Zurückblickend wird mir klar, wie naiv ich damals war. Manch ein Brief schlug mir wirklich auf den Magen. Ich mache so etwas jedenfalls nicht noch einmal.“
Arne hat glücklicherweise noch den Absprung geschafft. Im schlimmsten Fall können die Kosten für einen teuren Handy-Vertrag der Beginn einer lebenslangen Schuldner-Karriere sein.
*Name geändert



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