Foto: Diogenes

Teenagerkrisen überstehen, einen Beruf ergreifen und im hohen Alter mit einer ebenso hohen Rente glücklich werden – so stellen sich viele von uns doch das Leben im Kurzdurchlauf vor. Benjamin Button allerdings hat andere Pläne und fängt sein Leben einfach von hinten an – als Greis.

An einem schönen Tag im Sommer des Jahres 1860 freut sich das Ehepaar  Button darauf, endlich Eltern zu werden. Ihr Babyglück hatten sie sich allerdings etwas anders vorgestellt – statt einem süßen kleinen Fratz sitzt ein alter Mann mit weißem Bart im Babybett.

Schon im Krankenhaus werden Gerüchte geschürt und dem Neugeborenem mit Angst und Schrecken begegnet. Wie wird dann wohl erst die Gesellschaft des hochangesehenen Mr. Button auf diese „Missgeburt“ reagieren?

Benjamin wird nämlich nicht älter und noch grauer, nein, mit zunehmendem Alter scheint er an Vitalität und Jugend zu gewinnen. So schickt ihn sein Vater im Alter von 18 auf das Yale Collage; nur zwei Jahre später übernimmt Benjamin in der Gestalt eines Mannes im mittleren Alter das Eisenwarengeschäft seines Vaters und wird nun vom selbigen, da sie nun beinahe für Brüder gehalten werden könnten, auch in die Gesellschaft eingeführt und auf diverse Tanzveranstaltungen eingeladen.

Die Liebe zwischen den Generationen

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Und damit nimmt Benjamins Leben eine große Wende: Er lernt die Liebe seines Lebens kennen, die junge Hildegard Moncrief. Hildegard ist fasziniert von der Reife Benjamins, während er ihre Jugend und Frische vergöttert. Doch genau darin soll das Problem liegen: Hildegard altert – und Benjamin zieht in Richtung Jugendlichkeit an ihr vorbei. In der Gesellschaft wird er zunächst verlacht, hat er sich doch eine so junge Frau gesucht – nach ein paar Jahren allerdings wird eher Hildegard Ziel der Spötteleien. Was will die weit ältere Frau mit dem jungen Benjamin? Eine ganz andere Problematik: Was will Benjamin mit einem Sohn, der aus ihrer Beziehung entsteht, wenn er bald mit dem Herzschmerz eines Teenagers durch die Welt irrt?

Noch vor ein paar Jahren hochangesehen, weiß Benjamins Umfeld bald nichts mehr mit dem sowohl körperlich als auch geistig schrumpfenden Freund anzufangen. Doch vor allem muss sich Benjamin, als er von seinem eigenen Sohn in den Kindergarten geschickt wird, fragen, wo diese Reise enden wird…

Aushängeschild Brad Pitt

Viele, die den Titel dieser Kurzgeschichte hören, werden sofort an den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2008 mit Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen denken. Doch abgesehen von der Idee, einen Mann in die entgegengesetzte Richtung altern zu lassen, hat die Kinoadaption nicht viel mit dem Roman von F. Scott Fitzgerald zu tun. Zunächst wäre da die Länge von gerademal 67 Seiten – ziemlich wenig Platz für große Dramen und eine gesamte Lebensgeschichte, wie wir sie aus dem Film mit Brad Pitt kennen. Außerdem spielt der Roman Ende des 19. Jahrhunderts – 50 Jahre früher als der Film.

Ein alter Charme

Trotzdem besticht das Buch durch einen ganz eigenen Charme. Fitzgerald, seinerseits Schriftsteller und Drehbuchautor aus Minnesota, schreibt in einem klaren und einfachen Stil und streut immer wieder eine gekonnte Prise Wortwitz in die Geschichte. Zwar geraten die meisten Charaktere aufgrund der geringen Länge der Geschichte etwas zu kurz. Benjamin dagegen wächst einem ans Herz, der zunächst zwar mit seinem Schicksal hadert, dann jedoch damit sympathisiert und sich zuletzt damit abfindet.

F. Scott Fitzgerald: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, Diogenes Verlag; 5. Auflage (Dezember 2008) , 8,95 Euro

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