Ein Wunschkind auf Bestellung: Eine künstliche Befruchtung und gleichzeitig das Risiko auf Gendefekte minimieren, geht das in Ordnung? Franka verteidigt die sogenannte PID, Andrea kritisiert sie.

Franka: Pro

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine hoch umstrittene Untersuchungsmethode bei einer  künstlichen Befruchtung. Bei der PID werden die Embryonen zuerst auf Erbkrankheiten untersucht. Nur gesunde Embryonen werden der Mutter eingesetzt.

Befürchtet wird hierbei, dass es zu Designerbabys kommt und eine Abneigung gegen behinderte Menschen entsteht. Totaler Quatsch, denn die PID ist in Deutschland nur in begrenzten Ausnahmefällen überhaupt zugelassen. Nicht jedes Paar hat das Recht die PID zu nutzen. Nur bei der begründeten Gefahr einer schweren Erbkrankheit darf sie angewendet werden.

Vor allem Paare, die einen schwerwiegenden genetischen Defekt bei ihren Kindern zu erwarten haben, schöpfen durch diese Untersuchungsmethode neue Hoffnung. Viele von ihnen würden wahrscheinlich gar nicht erst den Versuch wagen, Kinder zu zeugen, da sie nicht wollen, das diese mit einer Krankheit leben müssen, die qualvoll und möglicherweise tödlich ist. Die PID bietet ihnen die Möglichkeit gesunde Kinder zur Welt zu bringen, auch wenn sie selbst einen Gendefekt haben oder die Anlage dazu besitzen.

Außerdem ist das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt für die Frau sehr viel geringer. Und Fehl- oder Todgeburten bedeuten nicht nur seelischen Schaden, sondern können für die Frau auch gesundheitliche Konsequenzen haben.

Warum sollte man die PID in Deutschland verbieten, wo man doch ein behindertes Kind abtreiben lassen darf? Muss es denn erst so weit kommen, dass sich bereits alle Körperfunktionen ausgebildet haben? Ist es da nicht wesentlich besser für die Gesundheit der Mutter und für das Kind bereits den Embryo auf genetische Krankheiten zu untersuchen? Der Embryo im dritten Monat einer Schwangerschaft ist fähig etwas zu spüren, im Gegensatz zu einem Embryo im Anfangsstadium. Nerven, Gehirn und Herz haben sich schon ausgebildet.  Somit ist es moralisch leichter zu rechtfertigen eine PID durchzuführen anstatt einen fast funktionstüchtigen Menschen abzutreiben.

Ich selbst würde die PID nutzen, wenn das Risiko eines Gendefekts besteht. Jede Mutter möchte ihrem Kind ein normales Leben und Gesundheit sichern. Warum also diesem Wunsch nicht nachgehen?  Solange die PID nur im Rahmen der Gesundheit von Mutter und Kind geschieht, bin ich ein Befürworter dieser Methode. Denn ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass mein Kind unter Schmerzen leidet oder sehr früh an seiner Krankheit sterben muss. .

Andrea: Contra

Ich bin ganz klar für ein Verbot der PID! Warum? Ich bin gegen eine Qualitätskontrolle menschlichen Lebens. Nicht ohne Grund war die PID bis zum Sommer 2010 auch in Deutschland verboten. Die Grundlage damals: Eine Eizelle durfte nur zum Zwecke einer Schwangerschaft befruchtet werden. Es kann doch nicht sein, dass Menschen über das Leben anderer Menschen entscheiden dürfen. Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine Bewertung menschlichen Lebens. Wir sind doch alle gleich wertvoll! Es kommt mir vor wie ein Lebenseignungstest. Bestehen wir ihn nicht, ist unser Leben nichts wert. 

Außerdem sollte man die Wirksamkeit der PID einmal in Frage stellen. Denn die PID sorgt nicht mit hundertprozentiger Sicherheit für ein gesundes Kind. Es gibt Fehler bei der Behandlung der PID, die die Untersuchungsmethode in Frage stellen. Bei der Anwendung der PID werden Zellen des Embryos entnommen und untersucht. Allerdings kann es durch den Zufall dazu kommen, dass ausgerechnet gesunde Zellen zur Untersuchung erwischt werden, obwohl der Embryo genetische Defekte besitzt. Genauso kann es andersherum geschehen: Embryonen besitzen bis zu einem gewissen Status die Möglichkeit sich selbst zu heilen. Sie können teilweise ungesunde Zellstrukturen abwerfen. Bei der PID wird ihnen diese Chance nicht gegeben. Sie werden sofort ausselektiert, obwohl sie später gesund zur Welt kommen könnten.

Präimplantationsdiagnostik,  wie das Wort schon klingt! Hier geht es ja schließlich um Menschen, und nicht um irgendwelche Maschinen.

Ich finde es schon grundlegend falsch und unnatürlich in irgendeiner technischen Weise Einfluss auf die Fortpflanzung und menschliches Leben zu nehmen. Für mich persönlich hat bereits der Zellklumpen kurz nach der Befruchtung  den gleichen Anspruch auf Leben wie jeder andere. Die Entwicklung zu verhindern, halte ich für verwerflich. Besonders schlimm finde ich es aber, das die PID praktisch einen „Qualitätstest“ darstellt.. Wie kann ich denn die Liebe zu meinen Kindern von bestimmten genetischen Eigenschaften abhängig machen? Ein Kind ist und bleibt ein Geschenk und ist kein Artikel, den man auf Wunsch und nach Maß „bestellen“ kann.

Die PID untergräbt die Gleichheit aller Menschen – die bekanntlich ein Menschenrecht ist. Sie missachtet die Menschenwürde. Und besonders ignoriert sie die Menschen, die am schwächsten sind und eigentlich am meisten Schutz bräuchten. Eine gezielte Selektion menschlichen Lebens lehne ich daher ab!

 

Neuen Kommentar schreiben

3 + 1 =
Diese Aufgabe verhindert das automatische Eintragen von SPAM. Die Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.