Wählen gehen oder nicht? Das ist hier die Frage. Foto: REGIERUNGonline/Kugler.

Wie steht es um das politische Interesse von Jugendlichen? Schekker-Autorin Daniela hat die Diskussion von Daniel, 18, und Eric, 20, festgehalten.

Politikverdrossenheit. Dieses Wort haben wir in den letzten Wochen oft gehört. Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl war historisch niedrig und an den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und dem Saarland haben sich auch nur etwas mehr als die Hälfte aller Bürger beteiligt. Daniel und Eric diskutieren über das Thema.

Schekker: Geht ihr zur Bundestagswahl?

Daniel: Also ich geh' nicht wählen.

Eric: Du gehst nicht wählen? Das wundert mich. Es gibt so wenig Möglichkeiten mitzubestimmen. Die Wahl ist eine der wenigen Chancen irgendetwas zu bewegen. Und wenn sich drei Leute zusammenschließen würden und sagten: „Okay, du wählst jetzt rot, du wählst grün, du wählst schwarz“, wäre mir das immer noch lieber, als wenn die drei nicht wählen gingen und dafür einer braun wählen würde. Jeden, der nicht wählt, den würde ich zur Wahl zwingen...

Daniel: Wieso würdest du jemanden zwingen wollen?

Eric: Naja, vielleicht nicht wirklich zwingen, aber ich würde ihm die Lage erklären. Natürlich ist es seine freie Entscheidung, wir leben schließlich in einer Demokratie.

Daniel: Aber was bringt es mir, zu wählen?

Eric: Du kannst mitentscheiden.

Daniel: Das ist vielleicht richtig, aber letztendlich erreicht meine Stimme nicht genau das, was ich will. Beziehungsweise, keine der Parteien verfolgt das Ziel, das ich gerne möchte. Das meiste ist sowieso nur heiße Luft, leere Versprechungen.

Eric (lacht): Wenn das deine Meinung ist okay, aber überleg doch mal: Das Land wird entweder von der einen oder von der anderen Partei regiert, da würde ich lieber einigermaßen mitentscheiden, wer das ist.

Daniel: Aber meiner Meinung nach bewirken die Parteien ja nichts...

Eric (grinst): Dann gründe deine eigene.

Schekker: Was erwartet ihr denn von den Parteien?


Eric will mitentscheiden. Foto: Privat

Eric: Das Parteiprogramm sollte bedeutend kürzer sein. Oft sind Parteiprogramme soooo dick – er zeigt eine Fingerspanne von etwa 4cm - in Bürokratendeutsch verfasst und kein Mensch sieht da durch. Kann man nicht so etwas wie Faltblätter herausbringen, auf denen kurz und prägnant das steht, was für den Bürger interessant ist. Auf dieser Basis kann der Bürger, wie beim Wahl-O-Mat, einfacher entscheiden, wen er wählt. Und ich erwarte natürlich, dass eine Partei keine leeren Versprechungen macht...

Daniel: Ich finde die Wahlwerbung der NPD „Kriminelle Ausländer raus!“ absolut indiskutabel.

Eric: und das  Wort Ausländer ist auch noch ganz klein geschrieben auf den Plakaten...

Daniel: Die Frage ist nur, warum wird das toleriert?

Eric: Weil es leider Gesetzteslücken gibt, die das erlauben. Das ist das Problem, denn bis wirklich etwas gesetzwidriges passiert, sind dem Staat die Hände gebunden. Ich wäre für ein Verbot von Parteien mit rechtsradikalem Gedankengut.
Aber nochmal zurück zu meinen Erwartungen: Ich erwarte von einer Partei Ehrlichkeit gegenüber dem Wähler. So sollten für Parteiversprechen, die nicht eingehalten werden Strafen oder Bußgelder verhängt werden. Natürlich muss man da immer abwägen: Gab es vielleicht triftige Gründe, warum das Versprechen nicht eingehalten wurde, beispielsweise außenpolitische Entwicklungen?

Schekker: Was würdest du für Wahlversprechen machen?

Eric: Wenn jemand sagt 'Ich schaffe 10 Millionen Arbeitsplätze', finde ich das unglaubwürdig. Wenn aber jemand sagt 'Ich versuche Arbeitsplätze zu schaffen, indem ich folgende Maßnahmen durchführe', dann finde ich das Versprechen realistisch. Ich möchte einen nachvollziehbaren Plan sehen.

Daniel: Hast du eigene Vorschläge?

Eric: Ich zum Beispiel bin jemand, der nichts für die Rüstungsindustrie übrig hat. Daher würde ich die Rüstungsausgaben streichen und das Geld in die Bildung stecken sowie damit unsere Staatsschulden abbauen.

Daniel: Ist das nicht gefährlich? Es heißt doch, ohne Verteidigung...

Eric: Nein, nein, nicht ganz ohne. Aber ich meine, von diesen 31,2 Miliarden kann man doch einiges abzweigen.

Daniel: Bei mir ginge es allgemein um ein paar frischere Ideen, um die Zustände von sozialen Einrichtungen zu verbessern. Schaut man sich einmal eine staatliche Schule oder ein staatliches Altersheim an, sind die Umstände sowohl für Personal als auch für die Betroffenen meist katastrophal. Da sollte es mehr Kontrollen geben oder die Garantie, solche Einrichtungen staatlich finanziell mehr zu fördern.

Eric: Meine Rede..

Schekker: Ist Politik uninteressant für Jugendliche?

Eric: Ich habe in letzter Zeit in unserer Lokalzeitung gelesen, dass der Altersdurchschnitt in Parteien bei etwa 67 liegt. Dennoch gibt es bei uns einen 19-jährigen Abiturienten aus Mülsen, der in der Partei ist. Ich würde mich am liebsten mal mit dem unterhalten, denn für die meisten Jugendlichen scheint Politik ja uninteressant zu sein. Man sieht das doch auch an Jugendorganisationen, wie den JUSOS, den jungen Grünen oder der Jungen Union - die versuchen händeringend Leute zu finden. Ortsverbände müssen sich zusammenschließen, damit sie überhaupt genügend Leute haben. Die Jugend hat scheinbar kein Interesse mehr an Politik, vielleicht weil sie durch den Einfluss der Medien immer mehr verdummt.

Daniel: Ja, wenn man bedenkt, was die Kinder heute vorgesetzt bekommen, Soaps, Zeichentrickserien. Reinste Beschallung...

Eric: Es müsste vielmehr in der Schule getan werden für die politische Bildung. Eben nicht nur Gemeinschaftskunde als Schulfach. AGs wie Politik findet man an den wenigsten Schulen, es gibt keinen Schülerrat, es gibt kein Schülergericht - in Sachsen gibt es zum Beispiel nur zwei Schülergerichte. Dabei ist das so ein wichtiges Projekt, weil Jugendliche sich hier mit Straftaten ihrer Altersgenossen auseinandersetzten und sich ausdenken, wie der Täter seinen Verstoß wieder in Ordnung bringen kann. So was müsste es an jeder Schule geben, genauso wie Besuche im Gericht, so was wäre doch optimal - da wird Interesse geweckt. Denn wenn man das Gefühl hat, Politik berührt einen persönlich, dann engagiert man sich auch.

Dass es doch noch politisch engagierte Jugendliche gibt, könnt ihr im Interview mit Marco, 19 lesen. Er hat sich für die Kommunalwahlen seiner Gemeinde aufstellen lassen.

 

Kommentare

ich muss sagen, das einige einfach keine perspektiven mehr sehen.Manche sind schon nochinteressiert, nur finden sie keine Partei die sie vertreten können, weil alles ihrer meinung nach blöd ist. und eigene gründen sehen viele als zuvielk aufwand, bzw wissen sie nicht wie sie dies in die wege leiten sollten.

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