Frau Mirtschin glaubt an mehr Flexibilität in der Arbeitswelt von morgen. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Fachkräftemangel. Wird die Jugend den deutschen Arbeitsmarkt retten? Schekker-Autorin Marie sprach mit der Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit Ilona Mirtschin über die Zukunft der Arbeit in Deutschland.

 

Schekker: Mit welchem Job haben Sie eigentlich Ihr erstes Geld verdient, Frau Mirtschin?
Ilona Mirtschin: Mit einem Ferienjob in der Brauerei meiner Heimatstadt.
 

Bereits in der 9. Klasse gibt es Schüler, deren Berufswunsch „Hartz-VI“ lautet. 24 Prozent der Jugendlichen schaffen den Schulabschluss nicht. Wie können diese Jugendlichen motiviert werden?
Unsere Berufsberater gehen bereits in den Vorabgangsklassen in die Schulen und informieren und beraten Schüler. Das allein reicht aber nicht. Wichtig ist, dass auch Eltern ihre Kinder motivieren.
 

Langzeitarbeitslosigkeit scheint ein immer größeres Problem in unserer Gesellschaft zu werden. Wie können die Arbeitsagenturen dazu beitragen, diesen Trend zu bekämpfen?
Die Bundesagentur für Arbeit kann ja selbst keine Arbeitsplätze schaffen. Sie kann aber durch gute Arbeit dazu beitragen, dass freie Stellen schnell besetzt werden. Durch unsere Reform – besonders den permanenten Leistungsvergleich der Agenturen untereinander – sind wir in den letzten Jahren besser geworden. Und wir werden uns noch weiter verbessern.
 

Muss die Politik die Jobcenter stärker unterstützen um die Arbeitslosenquote dauerhaft gering zu halten?
Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass einerseits Arbeitsplätze entstehen und andererseits gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen.
 

Unter den Langzeitarbeitslosen befinden sich viele junge Menschen. Bereitet unser Bildungssystem die Schüler zu schlecht auf den Arbeitsmarkt vor?
Arbeitgeber klagen immer wieder, dass sie Schwierigkeiten haben, geeignete Azubis zu finden. Deshalb appelliert die Bundesagentur für Arbeit an sie, auch schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben. Wenn nötig, unterstützt die Bundesagentur mit ausbildungsbegleitenden Hilfen.
Darüber hinaus gibt es viele junge Leute ohne Abschluss. Wir haben ein gesondertes Programm aufgelegt, um diese über Teilqualifizierungen Schritt für Schritt zu einem Berufsabschluss zu bringen.
 

Die Wirtschaftskrise hat gerade für junge Leute den Einstieg ins Berufsleben erschwert. Sind sie die Verlierer der Krise?
Zwar haben Arbeitgeber im vergangenen Jahr weniger Ausbildungsplätze angeboten. Da aber auch weniger Schulabgänger auf den Ausbildungsmarkt strömten, hat sich das ausgeglichen. In diesem Jahr wird sich die Lage weiter entspannen.
 

Zwei Laboranten
Deutschland ist Hochtechnologiestand- ort und braucht fitte Jugendliche.
Foto: Frank Grätz

Gibt es spezielle Vermittlungsangebote für Jugendliche, die auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen können?
Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Reihe von Möglichkeiten, schwächere Schulabgänger zu fördern. Dazu gehören berufsvorbereitende Maßnahmen für Schulabgänger, die noch nicht ausbildungsreif sind, die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen oder die Einstiegsqualifizierungen.
 

 

In einigen Jahren werden auf Grund des demographischen Wandels weniger junge Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, während immer mehr Menschen in Rente gehen. Ändert sich damit auch das Aufgabenfeld der Bundesagentur für Arbeit?
Die Bundesagentur ist schon jetzt dabei, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen: Wir sind stärker präventiv tätig. Mit der Ausweitung der vertieften Berufsorientierung können wir Schüler früher über die Notwendigkeit guter Schulabschlüsse und einer Berufsausbildung aufklären. Und Berufseinstiegsbegleiter kümmern sich in ausgewählten Schulen schon jetzt intensiv und individuell um gefährdete Schüler.
 

Haben auch Jugendliche mit schlechtem Schulabschluss in ein paar Jahren die Chance durch den Fachkräftemangel an gute Jobs zu kommen? Muss ein Unternehmen dann wirklich jeden Bewerber annehmen, aus Angst, es kommt sonst niemand?
Deutschland ist und bleibt ein Hochtechnologieland. Mittel- und langfristig wird das Angebot gering qualifizierter Arbeit immer weniger werden. Deshalb werden natürlich vor allem die jungen Leute eine Chance haben, die gute Leistungen vorweisen können.
 

Wie stellen Sie sich eine ideale Arbeitswelt der Zukunft in Deutschland vor?
Die Arbeitswelt von morgen wird sicher durch mehr Flexibilität und Mobilität geprägt sein.
 

Wir danken Ihnen für das Interview.

 

Wie stellt ihr euch die Arbeitswelt der Zukunft vor? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

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