Zusammen fährt es sich billiger und lustiger. Foto: Frank Grätz

Zusammen Auto zu fahren, ist gut für die Umwelt – und preiswerter. Im Interview mit Schekker erzählt ein Gründer von mitfahrgelegenheit.de, warum gemeinsam fahren zukunftsweisend ist.

Im Jahr 2001 haben Matthias Müller, Stefan Weber und Michael Reinicke das Internetportal www.mitfahrgelgenheit.de gegründet. Dort kann man nach Autofahrten mit anderen Leuten suchen, selbst Fahrten anbieten, aber auch herausfinden, ob und wo man Gruppentickets der Bahn mit anderen nutzen kann. Die Seite wurde zum Erfolg, sie wächst kontinuierlich. Mittlerweile gibt es das Portal nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch in Polen, Italien, Frankreich und Griechenland. Reinicke erzählt, warum die drei das Portal in die Welt setzten, wie man selbst Mitfahrten finden oder online stellen kann und was die Zukunft bringen wird.
 

„Wir konnten uns keine Fahrten leisten“


Schekker: Wann sind Sie denn zum ersten Mal über eine Mitfahrzentrale mit einem Menschen, den Sie nicht kannten, Auto gefahren?

Dr. Michael Reinicke: Das war 1998, als Matthias Müller, Stefan Weber und ich zusammen in Würzburg studierten. Weil wir mobil sein wollten, um Freundinnen und Freunde in anderen Städten besuchen zu können, aber unser Studentengeldbeutel uns nicht erlaubte, ein Auto zu kaufen oder mit der Bahn zu fahren, haben wir die preiswerteren Mitfahrzentralen genutzt.

Wie kam es dann zu der Idee, eine Mitfahrzentrale im Internet zu gründen?

Die Mitfahrzentralen gab es früher nur in Büros in größeren deutschen Städten wie eben Würzburg. Unsere Idee war es, eine bessere Abdeckung zu schaffen, sodass man auch Leute in kleineren Städten erreichte. Dafür war das Internet perfekt. Denn es ist allgegenwärtig und auch von Zuhause aus immer erreichbar. Außerdem fallen so die Kosten für große Büros und aufwändige Organisation weg.

Dr. Michael Reinicke
Einer der drei Gründer von mitfahr-
gelegenheit.de: Dr. Michael Reinicke
Foto: privat

Mit unbekannten Menschen im Auto zu fahren, bringt sicher Überraschungen mit sich. Kennen Sie Geschichten von außergewöhnlichen oder kuriosen Erlebnissen?

Erst einmal lernt man beim Mitfahren viele neue Menschen kennen und findet auch neue Freunde. Außergewöhnlich ist beispielsweise, dass eine Frau, die eine Kaninchenzucht betreibt, über unser Portal Fahrten sucht, um ihre Kaninchen an die Käufer auszuliefern. Die Fahrer sitzen dann also mit einem Kaninchenkäfig neben sich im Auto.

Was muss ich tun, wenn ich eine Mitfahrgelegenheit finden möchte?

Man muss zuerst auf die Startseite unserer Homepage gehen und die gewünschte Strecke am gewünschten Datum ins Suchformular eingeben. Dann bekommt man eine Liste mit allen möglichen Mitfahrgelegenheiten und kann sich für eine entscheiden. Möchte jemand Mitfahrten anbieten, muss er sich registrieren, die Fahrt eintragen, einen Treffpunkt und die Kosten dafür festlegen.

Auf was sollte ich bei der Suche nach einer Fahrt achten?

Man muss auf jeden Fall mit dem Fahrer beziehungsweise Mitfahrer Kontakt aufnehmen. Falls keine Telefonnummer angegeben ist, sollte man eine E-Mail verschicken und alle wichtigen Details klären: Wo und wann trifft man sich? Wie viel Geld kostet die Fahrt? Ganz wichtig ist natürlich, wie man den anderen erreichen kann, falls etwas nicht klappt.

Bei welchen Altersgruppen ist das Portal besonders populär?

Als wir anfingen, waren es nur Studenten. Heute sind ungefähr 70 Prozent der Nutzer jünger als 35 Jahre. Doch der Anteil der Älteren nimmt beständig zu, da die jüngeren Leute das Phänomen mitnehmen, wenn sie älter werden. Außerdem versuchen alle, Geld bei der Fortbewegung zu sparen.

Kann man einen Durchschnittsnutzer auf Ihrer Homepage ausmachen?

Das geht nicht so einfach. Es ist vielmehr so, dass viele verschiedene Gesellschaftsgruppen und -schichten vertreten sind: Schüler, Studenten, junge Arbeitnehmer genauso wie Selbstständige und Angestellte.

„Fortbewegung wird teurer“


Wie wird sich das Projekt in Zukunft entwickeln?

Unsere Seite wird weiter wachsen und neue Nutzer gewinnen. Die Idee hinter Mitfahrgelegenheiten findet beständig mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Außerdem wird es unser Angebot künftig in weiteren europäischen Ländern geben. Die Portale für England und Spanien planen wir im Moment.

Wie sieht Ihrer Meinung nach das Verkehrswesen der Zukunft aus?

Um diese Frage beantworten zu können, muss ich verschiedene Aspekte ansprechen. Einerseits werden sich unsere Mobilitätskosten in den nächsten Jahrzehnten vervielfachen. Da das Öl immer knapper wird und irgendwann alle Ölressourcen ausgeschöpft sein werden, werden auch alternative Verkehrsmittel wie Bahn und Flugzeug teurer werden. Es wird eine Autobahmaut kommen, weil die Infrastruktur mehr beansprucht wird.. Gleichzeitig wird unser Mobilitätsanspruch steigen, sodass die Menschen nach günstigeren Fortbewegungsarten Ausschau halten werden. Das Teilen von Fahren ist eine der besten Alternativen.

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