Schon Schulkinder lernen den Hass auf den Feind. Zwar spielt Christian Carions Film „Merry Christmas“ im ersten Weltkrieg, dennoch geht es um Frieden: den kurzen während Weihnachten.
„Merry Christmas“ beruht auf wahren Ereignissen an Weihnachten 1914. Damals verbrüderten sich deutsche und britische Soldaten an vielen Stellen der Front. Doch die anderen Tage des Krieges sind nicht so idyllisch. „Der Krieg ist erklärt worden! Endlich passiert etwas in unserem Leben!“, schreit ein Mann seinem jüngeren Bruder freudig entgegen. Kurze Zeit später ist sein Rufen zu einem erstickten Flüstern verebbt und statt zu jubeln, haucht er seinem Bruder schwer verwundet auf dem Schlachtfeld zu: „Bleib nicht hier kleiner Bruder, dann überlebt wenigstens einer von uns“. Carions Film zeigt dem Zuschauer die Gräuel des Krieges, auch wenn er sich der typischen Anti-Kriegsfilm-Szenen bedient: Auf der einen Seite Soldaten, die beten, weinen und das Foto ihrer Liebsten küssen, auf der anderen Seite Explosionen, Kugelhagel und Gemetzel.
Krieg und Frieden
In „Merry Christmas“ wird auch eine Liebesgeschichte erzählt, nämlich die zwischen dem deutschen Soldaten und ehemaligen Tenorsänger Nikolaus Sprink (Benno Fürmann) und der Sängerin Anna Sörensen (Diane Krüger). Um ihren Geliebten am Weihnachtsabend sehen zu können, organisiert Anna einen Liederabend an der Front. Die Franzosen und Schotten lauschen in ihren Schützengräben andächtig dem Gesang, bis die Schotten selbst zum Dudelsack greifen und in die deutsche Weihnachtsidylle einstimmen. Das animiert Soldat Sprink dazu, sämtliche Vorsichtsmaßnahmen über Bord zu werfen: Singend und mit einem erleuchteten Weihnachtsbaum in der Hand durchquert er das Niemandsland zwischen den verfeindeten Armeen. Kitschig? Ja, aber auch herrlich surreal und emotional so aufgeladen, dass der ein oder andere Zuschauer bestimmt Gänsehaut bekommt. Schon bald erklingt es von den verfeindeten Schützengraben „Joyeux Noël“, „Merry Christmas“ und „Frohe Weihnachten“. Ein Waffenstillstand wird geschlossen und die Soldaten nähern sich zaghaft an, essen Schokolade, zeigen sich gegenseitig ihre Familienfotos und spielen Fußball zusammen. Doch der Krieg ist noch nicht zu Ende. Nach dem weihnachtlichen Frieden, begeben sich die Soldaten wieder in ihre Schützengräben und das Morden geht weiter. Was bleibt ist das Gefühl: Unter anderen Umständen hätten wir vielleicht...
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Überdosis an Emotionalität
Besonders bei den Kampfszenen gelingt dem Film ein gekonnter Wechsel zwischen den Perspektiven auf die verfeindeten Armeen, zum Beispiel mit durchdachten Schnitten zwischen Erschossenen und Schützen. Der Film zeigt aber nicht nur kämpfende Nationen, sondern auch Einzelschicksale, wie das vom deutschen Offizier, der gegen die Franzosen kämpfen muss, obwohl seine Frau selbst aus Frankreich kommt. Leider sind die Dialoge zwischen den Hauptfiguren etwas pathetisch und die Liebesgeschichte von Anna und Sprink passt nicht ganz zum Rest der Geschichte.
„Merry Christmas“ handelt zwar von einem realen Ereignis in der Vergangenheit, ist aber kein Geschichtsfilm: Historische Fakten sucht man vergeblich. Auch filmische Experimente oder kreative Höhenflüge des Regisseurs finden sich nicht. Fazit: Merry Christmas ist zwar kein besonderer, aber doch ein sehr schöner Film.
Merry Christmas, Christian Carion
Universum Film GmbH, 7,95 Euro






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