Eine alles andere als perfekte Familie. Grafik: 20th Century Fox

„Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute. Seht euch an, wohin die Normalen uns gebracht haben“. Dieses Zitat von Bernard Shaw könnte glatt das Motto des Films „Little Miss Sunshine“ sein, denn das Roadmovie kreist um eine Familie, in der der selbstmordgefährdete Onkel noch der Normalste ist.

Schrullig, exzentrisch und total verrückt: Die Hoover Familie ist alles andere als normal. Frank, der suizidgefährdete Onkel. Grandpa Hoover, der drogenabhängige Großvater. Dwayne, der Nietzsche lesende Teenager mit Schweigegelübde. Sheryl, die überforderte Mutter. Richard, der Vater, der die Welt dank seines „Neun-Stufen-Erfolgs-Programms“ in Gewinner und Verlierer einteilt. Und die pummelige kleine Tochter Olive mit dem Traum, Schönheitskönigin zu werden.
Diese Mixtur schieren Wahnsinns wird auf eine harte Probe gestellt, als sich die Familie gemeinsam in einen klapprigen VW-Bus quetscht, um Olives Traums zu erfüllen: Sie fahren mit ihr zum Schönheitswettbewerb nach Los Angeles, wo Olive den Titel der „Little Miss Sunshine“ gewinnen möchte.
 

Mit Leiche im Kofferraum zum Schönheitswettbewerb


Es kommt, wie es kommen muss. Die Reise verläuft nicht ohne Schwierigkeiten: Der homosexuelle Onkel trifft genau den Mann wieder, wegen dem er sich umbringen wollte. Vater Richard muss feststellen, dass er selbst zu den „Losern“ zählt, weil sein Neun-Stufen-Programm nicht als Buch veröffentlicht wird. Bruder Dwayne muss seinen Traum, Pilot für die Airforce zu werden, wegen Farbenblindheit aufgeben und Olive sieht sich mit einem Leben ohne Eiscreme konfrontiert, um Modelmaße zu erreichen.

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Aber was andere Familien zerbrechen lassen würde, schweißt die Hoovers nur noch enger zusammen. Selbst als der Großvater an einer Überdosis stirbt, lassen sie sich auf ihrem Weg zur Erfüllung von Olives Traum nicht stoppen. Sie packen den Leichnam kurzerhand in den Kofferraum ihres knallgelben VW Busses, um noch rechtzeitig nach L.A. zu kommen. Dort angekommen, sorgt Olive für einen Eklat beim Schönheitswettbewerb: Anders als ihre perfekten, in lebende Barbiepuppen verwandelten Mitbewerberinnen, geht Olive mit kindlicher Unbeschwertheit auf die Bühne – um die Jury dann mit einem Striptease-Tanz zu schocken und selbst als „Loser“ glücklich nach Hause zu fahren.
 

Mut zur Ehrlichkeit


„Little Miss Sunshine“ überzeugt nicht nur mit einer abgedrehten, ausgelassenen Geschichte, sondern auch mit überzogenen, verrückten Charakteren. Besonders der fluchende, brutal ehrliche Großvater hat die Lacher auf seiner Seite, wenn er seinem Enkel rät, jede Menge Frauen flach zu legen und sich „Frischfleisch“ zu gönnen, solange er noch minderjährig ist.

„Little Miss Sunshine“ zeigt Mut, auch mal politisch inkorrekt zu sein und lässt kein gutes Haar an Schönheitswahn und Kinderwettbewerben. Mit viel Humor wird der American Dream und das amerikanische Klischee vom bedingungslosen Gewinneifer untergraben. Denn Verlierer gibt es nicht, wenn es eine so liebevolle Familie gibt.
Der Film „Little Miss Sunshine“ ist ein leises, einfühlsames Roadmovie, das ein Loblied auf die Familie singt. Knackige Dialoge mit viel Humor und ein ehrlicher, direkter Umgang mit ernsten Themen wie Tod, Selbstmord und zerplatzten Träumen zeichnen diese Tragikomödie aus, die sich zu Recht zu einem Publikumsliebling entwickelt hat.
 

Jonathan Dayton, Valerie Faris: „Little Miss Sunshine“
Twentieth Century Fox Home Entertainment, 9,95€

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