Wie es ist, in schwierigen Lebenssituationen von den eigenen Eltern abhängig zu sein, beschreiben die 32 Briefe und Postkarten Franz Kafkas an seine Eltern. Ein Buchtipp.
In der Inflationszeit der 20er Jahre lebt auch der Schriftsteller Kafka in ärmlichsten Verhältnissen. Immer wieder muss er sich von seinen Eltern aus Prag Geld, Butter oder Eier schicken lassen. Selbst den Kauf von Pantoffeln kann er sich kaum leisten. An Theater oder den Besuch eines Restaurants ist nicht im Entferntesten zu denken.
Weil es mit Kafkas Gesundheit immer weiter bergab geht, siedelt er ab 1924 in verschiedene österreichische Sanatorien über. Die Schmerzen der Kehlkopftuberkulose werden schlimmer, die Behandlungen helfen nicht und das Trinkverbot quält ihn immer mehr.
Immer öfter muss Kafkas Frau, Dora Diamand, die Briefe an die Eltern für den Geschwächten aufschreiben.
Am 2. Juni, zwei Stunden vor seinem Tod, versucht Kafka seinen letzten Brief selbst zu schreiben. Dora soll seine letzten Bitten an die Eltern unter den Brief setzen, doch dazu kommt es nicht mehr.
Zwischen Dankbarkeit und Scham
Kafka versucht in seinen Briefen seine Not zu beschönigen. Er erwähnt jede positive Preisentwicklung, um nicht zu abhängig zu wirken. Außerdem will er seine Eltern so wenig wie möglich belasten.
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Besuchen der Eltern oder anderer Verwandter geht Kafka stets aus dem Weg. Denn gerade gegen Ende seines Lebens fühlt er sich „gar nicht sehenswert“ und will nicht, dass sie sich zu sehr sorgen.
Spürbar wird die Distanz und das schwierige Verhältnis zum Vater, denn trotz der Anrede „Liebste Eltern“, ist es doch mehr die Mutter, mit der Kafka korrespondiert.
Es ist die nachvollziehbare Angst, eine Notsituation zuzugeben, die uns den Autor Franz Kafka hier so menschlich nahe bringt. Die detaillierte Dokumentation vom Elend in Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist historisch spannend und hilft dem Leser, sich in die damaligen Verhältnisse hineinzuversetzen.
Franz Kafka: „Briefe an die Eltern aus den Jahren 1922 – 1924“
Fischer Taschenbuch Verlag, 8,45€






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